Kultur

Die ganze sumerische Geisteswelt in einem Buch

Eine Zeile in Keilschrift

 

Die sumerische Geisteswelt ist uns auf mehr als 600.000 Tontafeln in Keilschrift überliefert worden. Einige tausend davon wurden schon transkribiert, transliteriert und meist ins Englische übertragen. Dank der internationalen Vernetzung in der altorientalischen Forschung sind umfangreiche Sammlungen dieser Texte entstanden und in speziellen Internet-Portalen für jedermann zugänglich. Der breiten Öffentlichkeit ist das jedoch kaum bekannt. Hinzu kommt, dass englische Texte mit sehr speziellem Vokabular und teilweise altenglischen Ausdrücken (wegen der Bibelähnlichkeit)  nur von wenigen gelesen werden können. Was diese Portale jedoch so interessant für uns macht, ist die textliche Gegenüberstellung der englischen Übersetzung zur sumerischen bzw. akkadischen Transliteration. Es gibt zwar im englischen Sprachraum einige Bücher, in denen ebenso verfahren wird. Die Regel bei Buchpublikationen ist aber eher, dass nur in der Zielsprache der Übertragung publiziert wird, also nur die deutschen bzw. englischen Texte der Übersetzung geliefert werden. Das mag vielen Interessenten genügen; nicht aber, wenn man neben dem Sinngehalt der Texte auch etwas über die Akkustik in den Ursprungssprachen lernen will. Das war unser Ziel, als wir 2016 das Projekt starteten, ein Buch der heiligen Texte Mesopotamiens zusammenzustellen. Denn Sumerisch galt im mesopotamischen Altertum auch nach seinem Aussterben als heilig und magisch und wurde noch bis nach der Zeitenwende in Kultus, Diplomatie, "Wissenschaft" und Urkundenwesen ungebrochen weiterbenutzt. Deswegen halten wir es für unerlässlich, die originale Sprache lesen und nachsprechen zu können - selbst wenn man nur wenig davon verstehen kann. Das Gleiche gilt auch für das Akkadische.

Keilschrift-Tafel

Tontafel mit akkadischem Text in Keilschrift, Privatbesitz

Unser Ziel war, einen umfassendes Kompendium der sumerisch-akkadischen Geisteswelt vorzulegen. Aus allen hierfür relevanten Textgattungen sollten die repräsentativsten und am meisten zitierten Texte herangezogen werden, was mithilfe der besagten Portale, teilweise aber auch erst nach sehr mühseligen Ermittlungen rund um die Welt schließlich gelungen ist. Sehr bedauert haben wir, dass wir so naheliegende, schöne ältere Literatur wie "Sumerische und akkadische Hymnen und Gebete" von Adam Falkenstein und Wolfram von Soden trotz ihrer wundervollen Übertragungen ins Deutsche nicht berücksichtigen konnten, weil die akkadischen und sumerischen Originaltexte nicht mitgeliefert werden.

 

Unsere Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche waren auch nicht einfach zu erhalten und bedurften mehrmaliger Überarbeitung. Wir haben oft die akkadischen und sumerischen Wortlisten zu Rate gezogen, wenn wir vom englischen Text nicht überzeugt waren. Häufig stießen wir auf Sprachbilder, die wir schon im Englischen nicht mehr adäquat abgebildet sahen, oder die zutreffende englische Redewendung konnte nicht 1:1 ins Deutsche übernommen werden. Manche Begriffe waren auch schon im Urtext so mehrdeutig, dass es dann einiger Überlegung bedurfte, wie damit im Deutschen umzugehen sei. Dass dies selbst Fachgelehrten der Altorientalistik nicht immer leicht fällt, kann man an vielen Beispielen z.B. im Gilgamesch verfolgen, wo die verschiedensten Übersetzungsvarianten im schlimmsten Fall zu sich widersprechenden Aussagen im Endergebnis führen. Warum also sollte es uns besser ergehen?

Nur mit einer unseren Ansprüchen endlich genügenden Übersetzung wollten wir uns nicht zufrieden geben. Da es sich durch die Bank um sakrale Texte handelt, die in jedem Fall feierlich vorgetragen, wahrscheinlich sogar mit Chören, Gesangs- und Instrumentalsolisten sowie ganzen Orchestern zu Festtagsanlässen oder beim Gottesdienst aufgeführt wurden, sollte die Form auch dem Inhalt entsprechen. Deswegen haben wir den gewonnenen Text in der letzten Phase der Überarbeitung in gehobenes, geschmeidiges und poetisches Deutsch gebracht - natürlich ohne vom Sinn abzuweichen. Etliche Fehlstellen haben wir ergänzt, weil anders flüssiges Lesen nicht gewährleistet werden konnte. Dies war nicht schwierig, weil in sich wiederholenden Passagen genügend "Füllmaterial" gefunden werden konnte.

Das geschlossene Buch"Ich schreite voll Freude durch Strahlung und Glanz!" - Die sumerische "Bibel" von Regnum Sumericum Spirituale

Die Darstellung der transliterierten akkadischen und sumerischen Texte bedurfte natürlich einer Schrift, die sämtliche Sonderzeichen enthielt, die im internationalen wissenschaftlichen Gebrauch üblich sind, um die Ausspracheregeln deutlich zu machen. Auf der Suche danach erhob sich sogleich die nächste Frage: Welche Schriftart ist überhaupt solchen uralten Texten angemessen? Die Entscheidung fiel zugunsten einer Bleisatzschrift, mit der Johannes Gutenberg 1455 zum ersten Mal eine lateinische Bibel mittels des neu erfundenen Buchdrucks vervielfältigt hatte. Mit der Verwendung dieser historischen Schrift sollte das ungeheuere Alter der Texte auch beim Lesen erfahrbar gemacht werden. Mit Klaus-Peter Schäffel aus Basel lernten wir einen Spezialisten für historische Schriften, Schreibtechnik und Buchgestaltung kennen, der sich bereit erklärte, in seiner digitalisierten Gutenbergschrift sämtliche Sonderzeichen für sumerische und akkadische Texte für uns einzufügen. Was so einfach klingt, war jedoch nicht leicht umzusetzen: Es musste ja auch eine gewisse "Ergonomie" mit den für die Sonderzeichen zu benutzenden Tastenkombinationen gefunden werden. Ich denke, wir konnten hier gute - und teilweise sogar wegweisende - Lösungen finden. Ohne Klaus-Peter Schäffels uneigennützige Hilfe wären wir jedenfalls mit unserem Projekt nicht vom Fleck gekommen. Seine gotischen Schriften sind keine schlichten Umsetzungen, sondern sie ahmen sogar getreulich nach, was in Johannes Gutenbergs Bleisätzen sozusagen als Vorläufer heutiger Poportionalschriften schon eingebaut war: Die Verschlankung oder Veränderung von Buchstaben abhängig vom sie umgebenden Kontext.

 

Klaus-Peter Schäffel beim Papierschöpfen

Klaus-Peter Schäffel beim Papierschöpfen im Basler Papiermuseum (2018)

Drei Jahre intensiver Arbeit lagen noch vor uns, um die Fülle an mythologischen Erzählungen, Hymnen und Gebeten Mesopotamiens zu übersetzen, die wissenschaftliche Transliteration in eine vereinfachte, leichter lesbare Form zu bringen und viele erklärende Kommentare zu verfassen. Beim Seitenlayout achteten wir penibel darauf, uns so nah als möglich an Gutenbergs ersten Buchdrucken aus dem 15. Jahrhundert zu orientieren. Daher mussen auch alle Kapitelüberschriften und Satzanfänge mit roten Buchstaben markiert werden, was bedeutete, dass beim Druck sämtliche Seiten als "Farbdruck" zu bezahlen waren. Am Schluss wurde Seite um Seite mit handgemalten Illustrationen im Stil mittelalterlicher Handschriften geschmückt und die Kapitelanfänge mit farbigen Lombarden versehen. Dass wir das alles schließlich fehlerfrei hinbekommen haben, dem gingen lange Kämpfe mit Microsoft Word voraus. Zum Beispiel mussten wir die automatische Silbentrennung abschalten und den gesamten Text per Hand umbrechen, denn die automatische Silbentrennung verhackstückte gnadenlos die unbekannte sumerische und akkadische Sprache. Auch die Rechtschreibung konnte nur durch Einsatz mehrerer Lektoren gewährleistet werden, weil die Bordmittel am mehrsprachigen Text natürlich scheiterten. Das alles verteuerte die Produktion ungemein, wenn man nach Stunden, Tagen und Monaten rechnen will. Das tun wir allerdings nicht, weil wir uns verpflichtet fühlen, eine gewisse Öffentlichkeit an unserer geistigen Arbeit teilnehmen zu lassen.

 

Nach Abschluss aller Arbeiten war das Buch auf stolze 420 DIN à 4-Seiten angewachsen. Und dabei wurde kein Platz verschwendet, sondern sämtliche Seiten von oben bis unten befüllt, wie das in den Zeiten des Papiermangels der ersten gedruckten Bücher zwangsläufige Tugend war. Jetzt musste nur noch eine Druckerei gefunden werden, die bereit und in der Lage war, dieses Buch mit der erbetenen Sorgfalt und traditioneller handwerklicher Technik zu produzieren. Das gestaltete sich kompliziert; denn es war von vornherein klar, dass nur eine sehr kleine Auflage gedruckt werden sollte, weil die Marktchancen dieses "exotischen" Themas, verbunden mit aufwändiger und daher teurer Herstellung nicht gerade auf einen Platz in der Bestsellerliste hoffen ließen. So blieben nur Druckereien aus dem Bereich des Selfpublishing in der Auswahl und davon fielen auch nach näherem Hinsehen fast alle weg, weil sie sich auf gängige und günstige Herstellungsweisen beschränkten.

 

Ein Produktionsraum der Bookstation GmbH in Anzing

Die Bookstation GmbH in Anzing. Rechts im Vordergrund unser Ansprechpartner und Berater, Konrad Anwar Ziesel

Bei der Bookstation GmbH in Anzing (Oberbayern) wurden wir schließlich fündig. Anwar Ziesel von der Bookstation führte so manches beratende Telefonat mit uns nach Österreich und er scheute keine Mühe, uns auch bei Materialien, die nicht zum gängigen Produktionsalltag gehören oder bei Techniken, die nur extern durchgeführt werden, ausführlich und fachmännisch zu beraten und zu unterstützen. Unsere Ansprüche waren nicht gering:

  • Das Papier sollte mindestens 120 g/m² wiegen und ohne optische Aufheller sowie archivfest produziert sein,
  • als Bindung kam nur Fadenheftung infrage,
  • der Buchrücken sollte rund und mt Kapitalband beschlossen sein,
  • das Buch sollte in Leder gebunden
  • und der Fronttitel echt goldgeprägt sein,
  • zwei Lesebändchen sollten integriert werden
  • Eine handwerklich hergestellte Buchkassette sollte das Buch schützen.

Alle unsere Anforderungen wurden von der Bookstation GmbH mit Bravour erfüllt. Und doch war unsere Überraschung groß, als wir ein Päckchen aus Bayern bekamen, mit dem die Bookstation uns das ganze Buch als Druckfahnen zur Korrektur sandte! Berechnet haben sie uns diesen Service nicht - während alle ihre Mitbewerber dafür extra Geld verlangen. Einige Wochen später erhielten wir unsere fertigen Bücher erstklassig verpackt und geschützt aus Bayern. Der Digitaldruck war erstklassig. Mit bloßem Auge nicht erkennbar, wurde - mit der Zehnfachlupe betrachtet - in den Bildern und Zeichnungen ein sehr feines Raster sichtbar, während die Buchstaben der Schrift natürlich rasterlos und messerscharf blieben! Stolze 1,8 kg brachte ein Buchexemplar auf die Waage. Wir waren restlos begeistert und können die Bookstation nur wärmstens weiterempfehlen. Dabei sind die Preise moderat bis äußerst günstig. Doch bei der Qualität und Ausstattung sowie der sehr kleinen Auflage unseres Buches war "billig" nicht wirklich zu erwarten. Dennoch können wir einige wenige Exemplare, die wir nicht selbst zu Weiterbildungs- und Ausstellungszwecken brauchen, an Liebhaber seltener Buchkunst für je 498 € abgeben.

 

Nachfolgend einige Originalseiten des Werkes, damit Sie sich ein Bild
von der Text- und Gestaltungsqualität machen können:
 
Durch Klicken auf die jeweilige Seite öffnet sich diese in Originalgröße!
Die Qualität kommt aus Speicherplatzgründen aber nicht an die Qualität des gedruckten Buches heran.

 

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Am Ende des Buches befasst sich ein Kapitel mit Erläuterungen zur sumerischen und akkadischen Sprache, der Aussprache der verwendeten Sonderzeichen, sowie einer Einstiegshilfe zum Erlernen und Lesen der gotischen Schrift. Um die gotische Schrift flüssig lesen zu können bedarf es etwa einer Stunde Übung, falls Sie es nicht sowieso schon beherrschen. Sie können dieses rare Meisterwerk der Buchkunst bei uns erwerben. Derzeit sind noch sieben Exemplare der Auflage von 30 Stück zu haben. Wir empfehlen, das Buch aufgeschlagen in einer Plexiglas-Buchvitrine aufzubewahren. Die können Sie auf eine Kommode oder einen Halbschrank stellen und dabei gelegentlich einen Seitenwechsel vornehmen. Es wäre eine repräsentative wie einfache Lösung. Wir beschaffen Ihnen eine solche Vitrine gern zusätzlich zu Ihrer Bestellung. Die Kosten halten sich in Grenzen. Bei Interesse am Buch kontakten Sie uns einfach formlos Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Das Buch in der Kassette

Das Buch in seiner mit Gold ausgeschlagenen leinenbezogenen Schutz-Kassette.

 

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