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		<title><![CDATA[Sumeria-Blog]]></title>
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		<description><![CDATA[Beiträge zu Mythologie, Religion, Kultur und Archäologie Mesopotamiens. Wissenswertes über den Urglauben der Menschheit. Erstellt vom Zentrum für Sumerische Studien.]]></description>
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		<lastBuildDate>Tue, 26 Dec 2023 13:46:00 +0000</lastBuildDate>
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			<title><![CDATA[Gab es bei den Mesopotamiern Menschenopfer? ]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Altorientalistik"><![CDATA[Altorientalistik]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000014"><div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs38lh1-5">D</span><span class="fs12lh1-5">en altorientalischen Kulturen wurden verschiedentlich Menschenopfer vor­ge­worfen. Vor allem aus alttestamentlicher Sicht wurden solche Vorwürfe erhoben. Vie­­­le Theologen des 19. Jahrhunderts spra­chen den alttestamentlichen Aussagen und Hin­wei­sen auf den Alten Orient Beweiskraft und historische Richtigkeit zu. Selbst in die noch junge Wissen­schaft der Assyriologie sickerte diese Sichtweise ein, und alle ar­chä­o­logischen Befunde wurden zunächst un­ter diesem Gesichtspunkt betrachtet. Erst die Aus­wertung der massen­haften Keil­schrift­­funde in der zweiten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts brachte eine Wende: Je ge­nau­er die Kenntnis der akkadischen und sumeri­schen Sprache wurde, desto klarer und ein­deutiger konn­ten die Behauptungen von Men­schenopfern zurückgewiesen und ad ab­sur­dum geführt werden.</span></div> &nbsp;<div>Es zeigte sich, dass die Anschul­di­gungen der alttestamentlichen Autoren durch­­­weg Polemik war: Die jüdi­sche Reli­gion, die sich innerhalb weniger Jahrhun­derte von der Monolatrie zum abso­luten Mo­no­theismus gewandelt hatte, sollte als in jeder Hin­­­sicht besser dargestellt wer­den als die traditionellen Religionen und Kul­­te, deren bisher aner­kannte und verehrte Götter nun als „Göt­zen“ mit abscheulichen Eigen­schaften ins all­gemeine Bewußtsein ein­gehen sollten. Lange Zeit ging diese Stra­tegie auf, heute verfängt sie zwar nicht mehr in Fachkreisen, aber leider immer noch in der ahnungslosen Öffentlich­keit. Der Reli­gions­wissenschaftler <b><i>Jan Assmann</i></b><!--[if !supportFootnotes]--><span class="fs12lh1-5 ff1">[1]</span><!--[endif]--> schreibt dazu:</div> &nbsp;<div>„In der Tat findet sich im Alten Tes­tament nicht nur Kritik an der eigenen Reli­gion wie die Opferkritik der Propheten, son­dern vor allem auch reichliche Polemik ge­gen die heidnische, vor allem kanaanäische Religion. Da geht es dann um Dinge wie Ma­­gie, Wahr­­sagerei, Totenbeschwörung, Tem­pelprostitution und vor allem Men­schen­­­opfer, insbe­son­dere Kindesopfer. Hier zeigt sich deutlich, dass schon der altisraeli­tische Monotheismus ganz ähnliche Proble­me hatte wie später das Christentum. Es sind die Probleme einer Religion, die sich als etwas Neues an die Stelle alter Traditio­nen setzt und sich ihnen gegenüber als ein Fort­schritt legitimieren muss. Die Strate­gien der Begründung sind uns so selbst­ver­ständlich geworden, dass uns ihre pole­misch­apologetische Tendenz nicht mehr be­wusst ist. Selbst­ver­ständlich ist das Juden­tum ein Fortschritt gegenüber dem Heiden­tum. Wer wünschte sich Menschenopfer und Hexerei zurück? Auch damit aber bewe­gen wir uns im Horizont der pole­mi­schen bzw. apologetischen Innenperspektive des Mo­no­theismus“.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs38lh1-5">I</span><span class="fs12lh1-5">nteressant, aber nicht überraschend ist die Sichtweise eines (zum Islam kon­ver­tierten) isla­mi­schen Autors. </span><b class="fs12lh1-5"><i>Klaus Habib Ne­­­ven</i></b><span class="fs12lh1-5"> schreibt in seinem Buch „Das Chris­ten­tum aus islamischer Sicht (2016):</span></div> &nbsp;<div>Es war Satans Plan von Anbeginn der Zeit, die ganze Erde allmählich zu ver­einen im Unglauben und Ungehorsam; eine Menschheit, die ihren Schöpfer ablehnt und stattdessen Lucifer anbetet. Er wurde in ver­schiedenen Formen auf der ganzen Welt als Sonnengott oder Feuergott verehrt. Und man brachte ihm blutige Menschenopfer dar! Menschenopfer sind Satanskult! Das Kreuz war ein Symbol der Sonnenanbeter Jahrhunderte bevor Jesus geboren wurde. Wie erwähnt findet man es in der Mitte des Zodiak, das den Tierkreis in seine vier Jahreszeiten teilt. Der Herrscher des Tier­kreises ist wiederum die Sonne bzw. der Son­nengott. Das, was nun christliches Kreuz genannt wird, war ursprünglich bei den Kaldäern das mystische Tau, auf dem sie ihr Erstgeborenes dem Sonnengott opferten. Keine größere Schmähung hätte Satan Chris­tus antun können, als ihn genau auf diesem Symbol der Satansanbetung zu kreu­zigen! Aber laut Islam bewahrte Gott Jesus da­vor. Jesus wurde in Wirklichkeit nie ge­kreu­zigt!</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Die Torah fordert mehrfach (Ex 13,2. 12f; 22,28f; 34,19f; Num 3,1ff; 18,15; Dtn 15, 19) die Erstgeburt von Mensch und Tier als Gabe für JHWH. Die Gebote machen aber unmissverständlich klar, dass die ersten Söh­­ne im Unterschied zu den Tieren nicht geopfert werden durften, sondern unbedingt durch ein Tieropfer ersetzt (ausgelöst) wer­den mussten (im Islam wird immer noch zur Geburt von Kindern geopfert). Wer den­noch Menschen opferte, wurde mit der To­des­strafe bedroht (Lev 20,2; Dtn 18,10 u.a.). Wenn Könige wie Ahas (2 Kön 16,3) und Manasse (2 Könige 21,6) weiterhin den alten Kulten folgten, verstießen sie gegen die­­ses Gebot und zogen den Zorn der Pro­pheten auf sich. Menschenopfer galten ih­nen als typisches Zeichen der Verehrung fremder Götter wie Moloch und Baal: <i>„Doch der Ba­al fraß seit unserer Jugend alles, was unsere Väter erwarben, ihre Schafe und Rin­der, ihre Söhne und Töchter." </i>(Jer 3, 24)</div> &nbsp;<div><i>„Sie brachten ihre Söhne und Töchter dar als Opfer für die Dämonen. Sie vergossen schuldloses Blut, das Blut ihrer Söhne und Töchter, die sie den Götzen Kanaans opfer­ten." </i>(Ps 106, 37ff). Der biblischen Ge­schichtsüberlieferung zufolge war das Opfer der ersten Söhne in Israels Umwelt üblich, das die deuteronomische Theologie ablehn­te: <i>„Da nahm er [der König der Moabiter] seinen erstgeborenen Sohn, der nach ihm König werden sollte, und brachte ihn auf der Mauer als Brandopfer dar." </i>(2 Könige 3, 27) <i>„Er lieferte sie den Gibeonitern aus, die sie auf dem Berg vor dem Angesicht des Herrn hinrichteten." </i>(2 Sam 21, 9<i>)</i></div> &nbsp;<div>Jeremia bekämpfte die Opferung der Erstgeburt, die manche Jerusalemer offen­bar von den zuvor dort lebenden Kanaa­nä­ern übernommen hatten, als Götzendienst und schweren Verstoß gegen Gottes Gebote: <i>„Auch haben sie die Kulthöhe des Tofet im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und Töchter im Feuer zu verbrennen, was ich nie befohlen habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist." </i>(Jer 7,31)</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Was man also aus all den oben ge­nann­ten Bibelstellen klar erkennen kann ist das Folgende: Gott selber hatte nie Men­schenopfer befohlen! Auch Tieropfer wur­den nicht benötigt, um Sünden zu vergeben. Es ist nirgendwo in der Bibel ersichtlich, dass die Menschen opferten, um ihre Sün­den vergeben zu bekommen, sondern weil es eine Anordnung Gottes war. Wenn immer Menschenopfer stattfanden, folgten die Men­schen nicht der monotheistischen Reli­gion Abrahams, sondern dem Götzendienst. Und es war vor allem Baal, der solche Opfer forderte (Ende Zitate Neven).</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Praktisch alle Vorurteile des alttesta­mentlichen Judentums gegenüber der alt­orien­­talischen Religion werden hier unkri­tisch konserviert und als Argumente ins Feld geführt - kein Wunder, hat doch der Islam als jüngste monotheistische Religions­vari­an­te die gleichen Legitimationsprobleme wie Christentum und Judentum. Eine neue, ganz eigene Zutat ist allerdings die Gleich­setzung des christlichen Kreuzes mit dem „mythischen Tau“.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs38lh1-5">E</span><span class="fs12lh1-5">iner, der sich schon früh nicht mehr von alttestamentlichen Schreckenszu­schrei­bungen beeindrucken ließ, war der jü­disch-amerikanische Religionswissen­schaft­­­ler und Archä­o­loge </span><b class="fs12lh1-5"><i>Morris Jastrow</i></b><span class="fs12lh1-5">. Nach dem Studium des Talmud und der semiti­schen Sprachen in Europa distanzierte er sich deutlich vom traditionellen Juden­tum. Jastrow schrieb</span><span class="fs12lh1-5 ff1">[2]</span><span class="fs12lh1-5">: „Weder in der baby­lo­ni­schen Literatur noch in künstlerischen Dar­stellungen wurden Spuren von Men­schen­­­opfern gefunden. Wenn dieser Ritus jemals bei den Babyloniern oder Assyrern prakti­ziert wurde, muss er in einer sehr früh­en Periode stattgefunden haben - früher als alles, wovon wir bisher Kenntnis haben. Andererseits lässt sich eine Spur einer primi­tiven Form der Baumver­ehrung in der auf Siegelzylindern und Denkmälern so häufig anzutreffenden Darstellung merk­würdiger, teils menschlicher, teils tierischer Figuren erkennen, die vor einer Palme stehen“.</span></div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs38lh1-5">B</span><span class="fs12lh1-5">efragt man eine künstliche Intelli­genz wie </span><b class="fs12lh1-5"><i>ChatGPT</i></b><span class="fs12lh1-5"> zu diesem Thema, wird das Dilemma zwischen unkritischem Alt­tes­ta­mentglauben und wissen­schaft­­­lichen Er­­kennt­nissen und Korrektu­ren überdeut­lich - wenn man nur lange genug nachhakt:</span></div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Frage: Nenne mir Autoren, die be­haup­ten, dass es bei den Sumerern Men­schenopfer gegeben hätte.</div> &nbsp;<div>Antwort: Es gibt verschiedene Auto­ren, die sich mit dem Thema der Sumerer und ihren Praktiken auseinandergesetzt ha­ben und in diesem Zusammenhang auch von Menschenopfern sprechen. Ein Beispiel hier­­für ist der amerikanische Archäologe und Altmesopotamien-For­scher Samuel No­ah Kramer, der in seinem Werk "The Sume­rians: Their History, Culture, and Charac­ter" auf Menschenopfer in der sumerischen Religion eingeht und dazu auch historische Quellen und archäologische Funde heran­zieht. Ein weiterer Autor, der zu diesem The­ma schreibt, ist der deutsche Assyriologe und Hochschullehrer Johannes Renger, der in seinem Buch "Sumer und Akkad: Ge­schich­te, Gesellschaft, Kultur" ebenfalls auf die Praktiken der Sumerer in Bezug auf Menschenopfer eingeht. Es sei jedoch ange­merkt, dass es in der For­schung auch unter­schiedliche Meinungen und Interpretationen zu diesem Thema gibt.</div> &nbsp;<div>Frage: Was schreibt Samuel Noah Kramer zu Menschenopfern bei den Sume­rern?</div> &nbsp;<div>Antwort: Samuel Noah Kramer be­schreibt in seinem Buch "The Sumerians: Their History, Culture, and Character" aus dem Jahr 1963, dass es bei den Sumerern während ihrer frühen Geschichte Menschen­opfer gab. Diese Praktiken waren jedoch nicht durchgängig und traten später nur noch selten auf. Kramer vermutet, dass die­se Rituale in Zusammenhang mit religiösen Veränderungen oder politischen Ereignissen standen.</div> &nbsp;<div>Frage: Welche konkreten Hinweise gibt Samuel Noah Kramer zu Menschen­opfern bei den Sumerern?</div> &nbsp;<div>Antwort: Samuel Noah Kramer be­schreibt in seinem Buch "The Sumerians: Their History, Culture, and Character" einige konkrete Hinweise zu Menschen­op­fern bei den Sume­rern. Er erwähnt, dass in einigen Texten von "Bluttrinken" durch die Götter die Rede ist, was möglicherweise ein Hinweis auf Menschenopfer sein könnte. Auch gibt es Berichte von Kriegs­gefangenen, die als Opfer dargebracht wurden, um den Göttern Gunst zu erweisen. Allerdings be­tont Kramer auch, dass es schwierig ist, die genauen Rituale und Praktiken der Sumerer zu rekonstruieren, da es nur begrenzte schrift­liche Aufzeichnungen und keine un­mit­telbaren Au­gen­zeugen gibt.</div> &nbsp;<div>Frage: In welchen sumerischen Tex­ten wird von "Bluttrinken" der Götter ge­schrieben?</div> &nbsp;<div>Antwort: In sumerischen Texten wird in verschiedenen Kontexten von "Blut­trinken" der Götter gesprochen. Ein be­kann­tes Beispiel ist das "Epos von Gilga­mesch", in dem die Göttin Ischtar nach dem Tod ihres Geliebten Tammuz das Blut eines Bullen trinkt, um ihn wieder­zubeleben. Eben­falls im Kontext von Opferritualen wird von Bluttrinken gesprochen, etwa in den "Ritualtexten gegen Dämonen" oder in Hymnen auf den Kriegsgott Ninurta. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass das Blut­trinken der Götter metaphorisch zu verste­hen ist und keine tatsächliche blutige Hand­lung beschreibt. (Ende Zitate ChatGPT)</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Bei diesen weitergehenden Fragen bin ich nur exemplarisch den Aussagen zu Samuel Noah Kramer nachgegangen. Man sieht, wie sich die zunächst massiven Be­haup­tungen bei einschränkender Nachfrage allmählich in Nebel und schließlich in Luft auflösen. Nebenbei bemerkt ist die Behaup­tung, dass Ischtar in der Dichtung „Gilga­mesch“ den Tod von Tammuz zu beklagen hätte und deshalb Blut getrunken hätte, völ­lig aus der Luft gegriffen.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs36lh1-5">W</span><span class="fs12lh1-5">enn von „Baal“ die Rede ist, er­schau­­dern die Gebildeten. Gilt die­ser Gott doch als menschenfressendes Unge­heuer, dessen Verehrung durch die „Hei­den“ deren Ver­derbtheit erschreckend deut­lich macht. Zwar ist an den Vorwürfen nichts dran, aber die alttestament­liche Ver­un­glimpfung feiert ihren Erfolg. Auch die Römer lernen von den Heb­räern und greifen zu plumper Propaganda, um ihren Konkur­renten Karthago als mora­lisch minderwertig zu diskriminieren und damit indiskutabel zu machen. Die Geschichte von den Kinder­op­fern in Karthago wurde bis in unser Jahr­hun­dert für wahr gehalten. Erst durch jüng­s­te archäologische Untersuchungen wur­de sie als perfide Lüge der Römer ent­larvt. Die Archäologin und Wissen­schafts­journalistin </span><b class="fs12lh1-5"><i>Angelika Franz</i></b><span class="fs12lh1-5"> berichtet darü­ber am 03. 03. 2010 im Spiegel:</span></div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Kinderopfer in Karthago an Baal-Ham­mon? „Über den Feind erzählte man sich in Rom abscheuliche Dinge: So sollen die Karthager ihrem Gott Baal-Hammon regel­mäßig Kinder geopfert haben. Eine Szene haben römische Geschichtsschreiber genau beschrieben: Im Jahr 310 vor Christus lag vor den Toren Karthagos das Heer des Aga­thok­les von Syrakus und schnitt die Stadt von jeder Versorgung aus dem Hin­terland ab. Das Wasser wurde knapp, in der Som­mer­­hitze litten die Menschen unsägliche Qua­­len. Schließlich verkündeten die Pries­ter des Baal-Hammon, wie die Stadt gerettet werden könne: Ihr Hauptgott, so waren sie überzeugt, gierte nach dem Blut der erstge­bo­renen Söhne der Elite. Zu lange schon hät­­ten die Reichen der Stadt versucht, den Gott zu betrügen, indem sie an Stelle der eigenen Sprösslinge Sklavenkinder geopfert hätten. Oder hatten gar versucht, dem Gott Tier- statt Menschenfleisch unterzujubeln. </div> &nbsp;<div><span class="fs12lh1-5">Die Misere also, so sagten die Pries­ter, sei nun die Rache des Baal. Um ihn wie­der zu besänftigen, trieben sie die männ­lichen Nachkommen zusammen, entzünde­ten zu den Füßen seiner Statue ein riesiges Feuer und legten die Kinder auf die leicht abschüssigen, ausgestreckten Arme des Göt­zen­bildes. Nach und nach rollten die kleinen Kinder ins lodernde Feuer. </span></div> &nbsp;<div><span class="fs12lh1-5">So zumindest ist es nachzulesen bei den antiken Geschichtsschreibern Diodorus Siculus und Plutarch. Und so führte es auch 1862 Gustav Flaubert in seinem Roman "Salammbô" in ekelerregender Detailgenau­ig­keit aus: "Dann ward die Glut im Innern dunkler, und man er­kannte brennendes Fleisch. Manche glaubten sogar Haare, Glie­der und ganze Körper wahr­zunehmen. (...) Man hörte das Schreien der Mütter und das Prasseln des Fetts, das auf die Kohlen he­rab­tropfte..." </span></div> &nbsp;<div><span class="fs12lh1-5">Nur hat die Sache einen Haken: Flau­bert schrieb für ein sensationslüsternes fran­zösisches Publikum. Und die beiden an­ti­ken Geschichtsschreiber wurden von römi­schen Herr­schern für ihre Dienste bezahlt. So haben Archäologen seit geraumer Zeit berechtigte Zweifel an der Verlässlichkeit die­ser literarischen Schilderungen. Waren die abstoßenden Kindesopfer also nur römi­sche Propaganda? Jüngste Belege dafür, dass die Karthager unschuldig waren, hat nun <b><i>Jeffrey Schwartz</i></b> von der University of Pitts­burgh vorgelegt. Der Anthropologe un­ter­­such­te die Knochen aus 348 Urnen aus ei­nem Kinderfriedhof der Stadt. </span></div> &nbsp;<div><span class="fs12lh1-5">Um diesen Kinderfriedhof, Tophet genannt, ranken sich seit den ersten wissen­schaftlichen Untersuchungen in den zwanzi­ger Jahren des letzten Jahrhunderts die fins­tersten Gerüchte. Hier ruhen nur die Kno­chen von sehr jungen Kindern. Ältere Kin­der sowie die Erwachsenen wurden auf den regulären Friedhöfen der Stadt beigesetzt. Es lag also nahe, in den hier Bestatteten die Opfer des grausamen Baal-Hammon zu ver­mu­ten - die erstgeborenen Söhne der Stadt, die für den Gott in den Flammen sterben mussten. </span></div> &nbsp;<div>Schwartz fand heraus, dass zumin­dest sehr viele von ihnen gar nicht hätten geopfert werden können - weil sie schon ihre Geburt nicht überlebt hatten. Schwartz konnte an den Knochen keinerlei Spuren von Gewalteinwirkung feststellen. "Ich habe sehr sorgfältig nach Schnittspuren gesucht, weil es in einigen Berichten heißt, den Kindern seien die Kehlen durch­geschnitten worden, bevor man sie ins Feuer warf", er­zählt der Forscher. "Natürlich könnten sie auch zuvor betäubt worden sein - das hätte an den Knochen keine Spuren hinterlassen." Von 70 Skeletten waren die Beckenknochen so weit erhalten, dass Schwartz an ihnen das Geschlecht der Toten bestimmen konnte. Und hier widersprachen die Ergebnisse ein­deutig den Schilderungen des Opferritus: Mindestens 38 der Kinder aus dem Tophet waren nämlich Mädchen. Nur bei 26 der Kno­chen konnte Schwartz eindeutig auf Jung­­en schließen, bei den restlichen sechs Kin­dern war das Ergebnis nicht eindeutig. </div> &nbsp;<div>Die nächste Überraschung war die Be­stimmung des Alters. Dazu nahm Schwartz die kleinen Schädelknochen, Sitz- und Schambeine sowie die Zähne unter die Lupe. Fast alle Kinder starben, ohne ihren ersten Geburtstag erlebt zu haben. Der häu­figste Todeszeitpunkt lag zwischen den zwei­ten und dem fünften Lebensmonat. Und et­wa 20 Prozent aller Kinder hatten gar nie das Licht der Sonne gesehen - sie waren Totgeburten. </div> &nbsp;<div>Um sicherzugehen, zog Schwartz weitere Kollegen hinzu. Er wählte Zähne von 50 Kindern aus, deren Todeszeitpunkt er kurz vor oder unmittelbar nach der Ge­burt vermutete, und schickte sie an Roberto Macchiarelli vom Muséum National d'His­toire Naturelle in Paris und Luca Bondioli vom Museo Nazionale Preistorico Etnogra­fico in Rom. Er bat die Kollegen, die Zähne auf ihre neonatale Linie zu untersuchen. Diese feine Linie bildet sich im Zahn­schmelz, wenn dessen Produktion bei der Geburt und für die ersten Tage danach vor­übergehend eingestellt wird. Ist sie im Zahnschmelz zu sehen, hat das Kind diese Zeit überlebt. Fehlt sie, ist es während oder kurz nach der Geburt gestorben. Mit dieser sehr genauen Methode der Bestimmung des Todeszeitpunktes konnten die Forscher 26 Kinder ausmachen, die tatsächlich tot gebo­ren worden waren - und damit auch ganz be­stimmt nicht dem Baal-Hammon als Opfer dargebracht werden konnten“. (Ende Zitate von Angelika Franz).</div> &nbsp;<div>Sehr ähnlich, nur in anderen Wor­ten, berichet <b><i>Dr. Heike Talkenberger</i></b> auf Wis­­­sen­schaft.de am 08.05.2010: </div> &nbsp;<div>„Im 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr. war die reiche nordafrikanische Stadt Kar­tha­go Roms ärgste Konkurrentin, bis den Römern 146 v.<span class="ff2"> </span>Chr. im dritten Punischen Krieg ihre Zerstörung gelang. Die römi­schen Geschichtsschreiber hatten Grausiges über den Feind zu berichten: Die Karthager hätten, so liest man bei Diodorus oder Plu­tarch, ihrem Gott Baal-Hammon Kinder­op­fer dargebracht. Anlässlich einer Belage­rung im Jahr 310 v. Chr. seien vor allem männ­liche Nachkommen der Elite in großer Zahl geopfert und auf dem Kinderfriedhof Toph­et bestattet worden.</div> &nbsp;<div>Jeffrey Schwartz von der University of Pittsburgh hat nun Knochen aus 348 Ur­nen des Kinderfriedhofs untersucht und kommt zu interessanten Ergebnissen: Er konn­­te an den Knochen keinerlei Spuren von Gewaltanwendungen entdecken, dazu brachte eine verglei­chende Analyse von 70 Skeletten ans Licht, dass 38 von 70 Verstor­benen nicht etwa Jungen, sondern Mädchen waren. Schwartz fand außerdem heraus, dass sehr viele Kinder bereits zwischen dem zweiten und dem fünften Lebensmonat ver­storben waren, Hinweis auf die in der An­ti­ke übliche hohe Kindersterblichkeit. Am meis­ten aber spricht gegen die Kinderopfer-These der Befund, dass 20 Prozent der Kin­der Totgeburten waren. So diente Tophet wohl lediglich der Bestattung von Kindern, die noch nicht in die Gemeinschaft hatten aufgenommen werden können, und die Mär vom Kinderopfer ist nichts als römische Pro­paganda“. (Ende Zitate von Heike Tal­ken­berger).</div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs38lh1-5">D</span><span class="fs12lh1-5">efinition des Menschenopfers. Das Wis­senschaftliche Bibellexikon im In­ternet gibt ausführlich Auskunft da­rü­ber, was unter einem „Menschenopfer“ zu ver­stehen ist. Ich gebe hier den vielbeachteten Artikel von </span><b class="fs12lh1-5"><i>Michaela Brauks</i></b><span class="fs12lh1-5"> (2016) wie­der:</span></div> &nbsp;<div>1. Einführung</div> &nbsp;<div>1.1. Definition</div> &nbsp;<div>Der Begriff „Menschenopfer“ wird im Blick auf den Mittelmeerraum in einem weiteren und in einem engeren Sinne ver­wen­det. Im engeren Sinne versteht man unter einem Menschenopfer ein regelmäßig oder bei besonderen Gelegenheiten, z.B. in einer Notzeit, vollzogenes Opferritual („sa­crificium“), bei dem ein Opfergeber ei­ner Gottheit als Opfergabe („victima“) einen Men­schen darbringt, der dabei als Opfer ri­tu­ell getötet wird (vgl. G. Schwartz, 11-13; Cancik-Lindemann 1999, 1254).</div> &nbsp;<div>In einem weiteren Sinne versteht man unter „Menschenopfer“ verschiedene Formen ritueller Tötungen (Ritualmord), wie z.B.:</div> &nbsp;<div>a) Bauopfer (ein Mensch wurde bei der Grundsteinlegung eines Gebäudes viel­leicht getötet und unter dem Grundstein be­graben);</div> &nbsp;<div>b) Gefolgeopfer (Menschen aus dem Umfeld eines Verstorbenen wurden getötet und mit ihm begraben oder sogar lebendig mit ihm begraben);</div> &nbsp;<div>c) Gefangenenopfer (rituelle Tötung von Feinden);</div> &nbsp;<div>d) Toten- und Heldenopfer (rituelle Tötungen für Tote oder getötete Helden; häu­fig als Racheakt);</div> &nbsp;<div>e) Fruchtbarkeitsritual (Tötung der Erstgeborenen; Erstlingsopfer);</div> &nbsp;<div>g) Kannibalismus und Nekrophagie, sofern sie zu einem Ritual gehören;</div> &nbsp;<div>h) Selbstopfer / Märtyrertod.</div> &nbsp;<div>1.2. Quellen</div> &nbsp;<div>Während das Thema Menschenopfer in Griechenland literarisch häu<span class="ff3">fi</span>g belegt ist (Scheid, 1256f.; Henrich; Hughes), <span class="ff3">fi</span>ndet es sich in Ägypten, Mesopotamien und der Le­van­te nur selten. Sehr umstritten bleibt in der Forschung, wie verbreitet die Durch­füh­rung von Menschenopfern in den ge­nann­ten Kulturen war.</div> &nbsp;<div>1.2.1. Literarische Belege. </div> &nbsp;<div>Die Schwierigkeit vieler literarischer Belege besteht darin, dass es sich um Be­richte philosophisch oder historiographisch interessierter klassischer Autoren handelt, die über Riten oft fremder Völker oder zu­rück­liegender Epochen berichten. Die mit­unter ausladenden Beschreibungen verfol­gen eine bestimmte Intention der Kultur­beschreibung und sind häu<span class="ff3">fi</span>g als Polemiken zu bewerten (Roig Lanzillotta 2007; Bauks 2010). Daher bleibt unklar, ob es sich um die Beschreibung realer Opfer­praxis oder aber lediglich um kulturelle Zu­schreibungen han­delt. Insofern ist man für die Auswer­tung des Befunds, ob und in wel­chem Kontext Menschenopfer tatsäch­lich durchgeführt wur­­­den, zusätzlich auf arch­ä­ologische Be­lege (inklusive Ikonogra­phie und Epigra­phik) angewiesen, um die litera­rischen und narrativ eingebetteten Über­lie­fe­rungen his­torisch und inhaltlich besser zu­ordnen zu können.</div> &nbsp;<div>1.2.2. Archäologische Belege. </div> &nbsp;<div>Sie stammen vor allem aus Grab­kon­texten. Belegbar sind auch Bauopfer bzw. Grün­dungsbeigaben. Ikonographische Bele­ge gehören zum Teil in den Kontext der jeweiligen kulturell bedingten Herrscheriko­no­graphie. Aus dem Kerngebiet Israel-Judas sind jedoch kei­ne archäologischen Belege vor­handen.</div> &nbsp;<div>1.2.3. Epigraphische Belege. </div> &nbsp;<div>Inschriften aus Karthago und Susse, (4.-2. Jh. v.Chr.) bieten eindeutige Belege für Menschenopfer bzw. Ersatzrituale für den phönizisch-punischen Raum der zwei­ten Hälfte des ersten Jahrtausends (Abou­Sam­ra; Xella; Roschinski; Bauks; <span class="ff2">→</span> Mo­loch). Zu nennen sind hier auch die puni­schen Weihinschriften aus el-Hofra bei Con­­s­tantine [= Cirte, Algerien] des 3.-1. Jh.s v. Chr. adressiert an Baal Hamon und Tanit und in römischer Zeit für Saturn / Kronos und Caelestis aus Calama/Guelme und Ngaus (lat.) (dazu Abou Samra; Ro­schinski; Xella; Donner / Röllig, KAI; vgl. Bauks 2010, 29-40). Forschungsgeschichtlich ein­schlägig wirken Arbeiten wie die von Green (1975), Aldhouse-Green (2003) und auch Brem­mer (2007), die eine große Anzahl von Beispielen für Ritualmord und Men­schen­opfer in verschiedenen Kulturen kata­lo­gi­sie­ren, ohne aber beide Typen weiter zu di<span class="ff3">ff</span>e­ren­zieren (anders Burkert [1972, 9] zum an­thro­pologischen Verhalten des Jagd-Op­fer-Toten-Rituals und der Opfertötung als „Grund­erlebnis des ‚Heiligen’“; s. auch Hu­ghes 1991, 1ff.).</div> &nbsp;<div>1.3.1. Menschen. </div> &nbsp;<div>Die Opfergabe besteht nach vielen Tex­ten aus Kindern oder Jugendlichen (Kö­nigs­­söhnen) bzw. – verstärkt im griechi­sch­en Kulturraum – aus Jungfrauen, wes­halb die Bezeich­nung „Kinderopfer“ ver­brei­tet ist.</div> &nbsp;<div>1.3.2. Ritual. </div> &nbsp;<div>Über die Art und Weise, wie Men­schenopfer dargebracht wurden, machen die Quellen sehr unterschiedliche Angaben: Im Alten Testament werden sie als Ganz- bzw. Brandopfer ( <span class="ff2">עֹלהָ</span> ‘olāh; Holocaust) beschrie­ben (Gen 22; Ri 11; 2Kön 3,27). Ob es sich bei dem Begri<span class="ff3">ff</span> <span class="ff2">מֹלֶך</span> molækh bzw. <span class="ff2">מלך</span> molkh um einen semitischen Ter­minus für einen bestimmten Opferritus han­delt (Eißfeldt; Mül­ler; Noort; Bauks) oder den Namen bzw. die Bezeichnung der Gott­heit, der man opferte (Heider; Day), ist um­stritten. Im jüngeren punischen Kontext begegnen Men­schenopfer archäolo­gisch und literarisch als Brandopfer (Xella 2009; Bonnet 2010, 165f.) an­lässlich eines Gelübdes (auch in Notlage), wobei der Vor­gang durch eine Stele erinnert wird (Abou Samra, 257-269; Bauks 2010, 24-31). Dem Feuer scheint eine besondere Be­deu­tung für die Transformation des Opfers zuzukom­men.</div> &nbsp;<div>In griechischen Texten begegnet das Opfer als Schlachtopfer (thúein, spházein u.a.). Von Iphigenie kann ausgesagt werden, dass sie wie eine Ziege (Aischylos, Agamem­non 232) oder ein Kalb (Euripides, Iphigenie bei den Taurern, 359) geopfert wird. Die „olympische Opfer­form“ (thusía) umfasst das Schlachten und Verbrennen von ausge­wählten Knochen, Gallen­blase, Fett und ei­ni­gen Fleischstücken für einen Gott, wäh­rend das übrige Tier von der Kult­gemeinde im Rahmen der großen Feste verspeist wird. Das zieht im Fall eines Menschenopfers das Problem der Anthropophagie nach sich (vgl. Erzählsto<span class="ff3">ff</span>e zu Tantalos-Pelops; Thyestes; da­­zu Burkert, 114-123). Heldenopfer indes wur­den nicht verzehrt, sondern deponiert oder gänzlich verbrannt (holókaustos) (Hu­gh­es, 4f.; vgl.Burkert, 10-14). Verbrennung ist auch bei Totenopfern und Opfern für chtho­nische Götter der Regelfall. Bei Gelüb­deopfern (tómia; hórkion ) wird das getötete Opfergut deponiert (Hughes, 4-5).</div> &nbsp;<div>In Mesopotamien fehlen in den sonst sehr ausführlichen Texten zur Opferpraxis so­wohl Hinweise auf die Opferterminologie als auch Ausführungsberichte zum Men­schen­­­opfer. Stattdessen lassen sich Beispiele für Ritualmorde (wie z.B. Gefolgebe­stat­tungen; s. archäo­logische Befunde; zur Ka­te­go­risierung Hughes, 8) oder Stellvertre­tungs- und Substitutionsriten (wie Ersatz­könig­tum) oder Sündenbock- bzw. Pharma­kos­riten als Eliminationsriten bei­bringen (Pon­gratz-Leisten 2007, 9.32; Hughes, 11f. 140-165), die aber keine Menschenopfer im engeren Sinne darstellen.</div> &nbsp;<div>2.2. Mesopotamien, Anatolien und Syrien</div> &nbsp;<div>Auch in Mesopotamien und Südost­anatolien sind Gefangenenopfer und Gefol­ge­bestattungen belegt. Der berühmteste Fall für eine Gefolgebestattung <span class="ff3">fi</span>ndet sich in den von Sir Leonard Woolley 1934 publizierten sechzehn prädynastischen „Königs“-Grä­bern aus Ur (Tell el-Muqajjar) bis in die Ur IIIAPeriode (2600-2450 v. Chr.) im Mauso­leum von König Schulgi und Amar-Sin. Die Grabarchitektur weist jeweils Varianten auf, aber in allen steinernen Grabkammern mit Schachtgräbern <span class="ff3">fi</span>ndet sich neben dem Leich­­nam eine Reihe weiterer menschlicher Überreste von Gefolgsleuten und Familien­mitgliedern des Grabherrn (bzw. in zwei Fällen der weiblichen Leichname), die mit ihm zusammen bestattet wurden (vgl. auch Dietrich, 266-281). Andere deuten den Be­fund so, dass die übrigen Menschen bereits vor dem König gestorben waren und später mit ihm zusammen zweitbestattet wurden (Charvát 2002; Sürenhagen 2002). Dagegen scheint die Anordnung der Skelette in der Grube als Gefolge mit Soldaten, Bediens­te­ten etc., zumal ausgestattet mit Objekten wie Schmuck und Keramik, für ein Kon­ti­nuität stiftendes Totenbankett zu sprechen (Porter 2012, 207f.). </div> &nbsp;<div>Verletzungen an einigen Schädeln wie­sen zudem auf Tötung durch eine Spitz­hacke hin und somit auf die „Opferung“ des Gefolges mit der Bestattung des Grabherrn (Baadsgaard / Monge / Zettler, 137-144). Ein ähnlicher Befund könnte in Kisch vorliegen (Green, 53f., vgl. Recht, 171). Weitere Belege stammen aus Syrien wie z.B. von Tell Umm el-Marra (ca. 2300 v. Chr.), wo man Gräber mit Welpen- / Hunde-, Pferde- (kunga) und Menschenknochen ohne Brandspuren neben weiteren Objekten in kultisch anmutenden Installationen fand (Schwartz 2012, 15-23; Porter, 201f.; Recht, 171 mit Hinweis auf eine vergleichbare hurritische Installation in Tell Mozan ). Andere interpretieren das En­semble als sukzessiv gewachsene Elite-Grä­ber mit Toten- bzw. Ahnenkultfunktion, in denen die afrikanischen Esel (kunga) in ihrer Eigenschaft als königliche Tiere Substitu­tions­opfer darstellen (Weber 2012, 170<span class="ff3">ff</span>.). Für die Grabfunde aus Tell Brak / Nagar, Nu­zi, Aslantepe (Porter), Tepe Gawra und Chagar Bazar ist die Deutung als Menschen­opfer sehr umstritten, da zwar ein gewalt­samer Tod nachzuweisen ist, der sakrifizielle Kontext aber fehlt (Recht, 172f., gegen Green, 59-80). Misshandlungen und Opfer von Gefangenen sind ein gängiges Motiv, das z.B. auf Siegelabdrücken der Uruk-Zeit be­geg­net (Edzard 1997, 60; vgl. Green, 27-43, der von Menschenopferdarstellungen aus­geht), ohne dass ein deutlicher Opferkontext vorausgesetzt werden könnte.</div> &nbsp;<div>Die Bestattung von toten Kindern als Bau- bzw. Gründungsopfer ist ein verbrei­teter Ritus, doch bleibt sehr umstritten, ob es sich nicht um natürlich gestorbene Kin­der handelt (Meyer, 225f.), die als „Opfer­gut“ dienten, ohne unter die „Menschen­opfer“ zu fallen (anders Moses 2012, 72f. am Beispiel der neolithischen Funde von Çatal­höyuk mit Ziel der Fruchtbarkeit im Rah­men der Dynastiegründung).</div> &nbsp;<div>Die meisten der genannten Belege stammen aus dem Grabkontext. Anders als z.B. im aztekischen Raum lassen sich keine ikonographischen Hinweise auf Menschen­opfer­rituale beibringen. Überhaupt fehlen Hin­­weise auf Menschenopfer als einer ö<span class="ff3">f­f</span>ent­lich begangenen Ritualhandlung. Die An­­­­ge­­wiesenheit auf den Grabkontext macht es notwendig, nicht nur die mitbestatteten Ob­jekte zu analysieren, sondern auch die genaue Position, den Zustand und die Bezo­genheit auf andere Skelette bzw. Knochen sowie die Unterscheidung in Erst- und Zweit­­­bestattung zu berücksichtigen, um Be­stat­tungspraktiken von Opferpraktiken di<span class="ff3">f­f</span>e­ren­zieren zu können (Porter 2012, 192ff.).</div> &nbsp;<div>3.1. Außerbiblische Belege</div> &nbsp;<div>Der sumerische Text Gilgamesch<span class="cf1"> </span>in der Unterwelt (1. Hälfte 2. Jt. mit älteren Wurzeln) enthält in der aus Nippur erhal­te­nen Fassung eine Liste derer, die den toten Gilgamesch in sein Grab be­glei­teten, darun­ter seine Frauen, seine Kin­der, sein Musi­ker, Entertainer und Friseur. Die Beschrei­bung erinnert an die Gefolgebe­stat­tungen wie sie in den Königsgräbern von Ur belegt sind, ohne dass von einem Men­schen­opfer im engeren Sinn auszugehen ist (vgl. Recht, 7; Green, 86f.).</div> &nbsp;<div>Ein weiterer Beleg für Gefolgebe­stat­tung stammt aus der Ur III-Zeit aus Girsu / Tel­loh, dem Grab der Königin Ninenise, Frau des Urtarsirsira (Recht). Weitere Bele­ge wie z.B. ein Bittgebet aus Ugarit<span class="cf1"> </span>(KTU 1.119, 26’-36’), das in einen Opferkalender Baals eingefasst ist, sind wegen der Textqua­lität uneindeutig, da nicht sicher ist, ob dkr „männliches Wesen“ oder bkr „erstgebo­re­ner Mensch“ zu lesen ist (Bauks 2010, 39f.).</div> &nbsp;<div>In dem hethitischen Brief KBo. 12,62, Zeile 13’-15’ wird missbilligend auf ein Men­schen­opfer Bezug genommen (Wilhelm 1976-80, 61). Besser belegt ist hingegen ein Ersatzkönig (šar pū<span class="ff4">ḫ</span>i )-Ritual, das erstmals in der altbabylonischen Chronik zur Regie­rungszeit des Erra-Imittī aus Isin begegnet (19. Jh. v. Chr.; Glassner 1993, 219f., no. 38-39). Der Text belegt, dass anstelle des Kö­nigs sein Gärtner namens Enlil-bāni in­stal­liert wurde, der, als der König plötzlich starb, in seiner Eigenschaft als Ersatzkönig an seiner Stelle weiterregierte (Green, 88-91; Heller, 413-420 zu Alexander d. Gr.). Wei­tere Beispiele sind hethitischer (Küm­mel 1967) oder neuassyrischer Herkunft, z. Zt. von Asarhaddon<span class="cf1"> </span>und Assurbanipal<span class="cf1"> </span>im 7. Jh. (s. Maul 2000, 10-12). Eine Reihe assyrischer Briefe geben Aufschluss über die Umstände des Ersatz­königtums: Aufgrund bestimmter Sternenkonstellationen wird für einen be­stimm­ten Zeitraum ein Ersatzkönig gewählt, der herrschaftlich ausstaffiert und nach sei­nem Tode königlich bestattet wird und des­sen Tod dazu dient, den amtierenden König vor den angezeigten Übeln zu retten (Küm­mel 1967, 169- 186; vgl. auch Diodor XVII, 116,4). Der Ritus changiert zwischen Ritual­mord und Eliminationsritus und ist da­rin von Menschenopfern zu unter­schei­den.</div> &nbsp;<div>3.2. Alttestamentliche Belege</div> &nbsp;<div>Weiterhin ist 1Kön 16,34 (vgl. Jos 6,26) zu nennen. Der Vers wurde als Bau­opfer zur Neugründung bzw. zum Ausbau von Jericho verstanden, bei dem Hiel aus Bethel seine erst- und letztgeborenen Söhne Abiram und Segub opfert (Stavrakopoulou, 186f., weist darauf hin, dass die Namen der Söhne – ähnlich wie der Name Abraham „[mein] Vater ist erhaben“ – sprechend sind und Erhabenheit signalisieren). Kritisch äu­ßert sich zu alttestamentlichen Bauopfern Fritz (1996, 161, mit Rekurs auf Kaiser 1984; vgl. Noort, 110ff.).</div> &nbsp;<div>Ez 20,25-26 unterstreicht zwar, dass das Kinderopfer (gemeint ist hier ein Erst­lingsopfer; vgl. Mi 6,7) ein nicht mehr JHWH-gemäßer und illegitimer Ritus ist, lässt aber auch erkennen, dass er in der Ver­gang­enheit JHWH – und nicht etwa frem­den Göttern – gegolten hat. Weiterhin wird in Ez 16,20-21 und Ez 23,37-39 auf Kinder­opfer angespielt, diesmal aber im Kontext eines zu verabscheuenden Fremdgötterkults. O<span class="ff3">ff</span>ensichtlich nutzen auch biblische Texte das Potenzial des Menschenopfermotivs, um in religiöser und ethischer Hinsicht kultur­bedingte Differenzierungen zu behaupten bzw. einzuführen (Stavrakopoulou, 187-189). (Ende Zitate aus Wibilex).</div> &nbsp;<div>Da es sich bei den „Menschen­op­­fern“ in Sumer in sämtlichen Fällen nicht um Opfer im engeren Sinne, sondern um Ge­folg­schafts­be­stattungen handelt, die in al­len frühen Kul­turen der Welt nicht re­gel­­mä­­ßig, aber in Ein­zelfällen nachgewiesen werden konnten, sollten wir Mesopotamien, also die Kulturen der Sumerer, Akkader, Ba­by­lonier und Assyrer aus den „Verdachts­fällen“ ritu­eller Menschenopferkulte aus­son­­­dern. Ob es Gefolgschaftsbestattungen tat­­­sächlich gab und in wieweit sie unter Zwang oder freiwillig durchgeführt wur­den, wird heute noch diskutiert, und die­se Dis­kussion wird im Weiteren zum Ver­ständnis der Prob­lematik schlaglicht­ar­tig aufgezeigt.</div> &nbsp;<div>Auf mögliche Menschenopfer in Kar­tha­go möchte ich nicht näher eingehen, da dies den geographischen Rahmen sprengen würde, den ich mir gesetzt habe. Nur so viel sei abschließend gesagt: Abgesehen von den erwähnten - allerdings fiktiven – Kinder­op­fern auf dem Tophet-Friedhof sind wohl ei­ni­ge Inschriften gefunden worden, die sehr schwer zu verstehen sind und die man so le­sen könnte, dass man daraus auf Men­schen­opfer schließen könnte - nach anderen Les­arten wiederum nicht. Es bleiben also er­heb­­liche Zweifel an der Rolle Karthagos als „Menschenopferkultur“, aber in Einzel­fäl­len kann man sie nicht völlig ausschlie­ßen. Soweit der Stand der Dinge.</div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs38lh1-5">F</span><b class="fs12lh1-5"><i>ranz</i></b><span class="fs12lh1-5"> </span><b class="fs12lh1-5"><i>Böhl</i></b><span class="fs12lh1-5 ff1">[3]</span><span class="fs12lh1-5"> stellt kritische Überle­gun­gen an zu den Befunden in den “Royal Tombs“ in Ur (Woolley):</span></div> &nbsp;<div>Nun muß auch, was die ältesten Gruft­­­anlagen betrifft, ein Unterschied ge­macht werden. Die Zahl der Gräber ist gross; aber nur in zwei eng zusammen­häng­enden Grabgewölben der untersten Schicht fand man die deutlichen Spuren zahlreicher Menschenopfer. Selbst im Grabe des Für­sten Mes-kalam-dug fand sich zwar präch­tigster Goldschmuck, aber keine Spur ge­töteter Menschen. Letztere fanden sich wäh­rend der Kampagne 1927/28 in grosser Zahl lediglich in den beiden ausserge­wöhn­lich grossen und unmittelbar nebeneinan­der, wenn auch auf etwas verschiedenem Niveau liegenden Gruftgewölben… Schon hieraus folgt zugleich die Un­wahr­scheinlichkeit der landläufigen Erklä­rung. Das einem König Harem und Hof­staat ins Grab und ins Jenseits mitgegeben werden, hat Analogien, wenngleich nicht im mesopotamischen Kulturkreis. Das dasselbe von der Königin gelte, ist trotz der hohen Stellung der Frau und Fürstin bei den Sume­rern kaum anzunehmen. Sollte man sie sich als Witwe denken? Oder als selbständige Fürs­tin ? Denn dass es sich bei den Gräbern PG/789 und 800 um ein nacheinander ver­stor­benes Ehepaar handeln sollte, erscheint (selbst bei Annahme eines männlichen Be­gräb­nisses im ersteren) schon durch die Verschiedenheit der Niveaulage ausgeschlos­sen.</div> &nbsp;<div>Über die Vorstellungen der Sumerer vom Zustand nach dem Tode wissen wir wenig. Das man das Leben im Jenseits als direkte Fortsetzung des diesseitigen gedacht hatte, so dass der Fürst seinen Hofstaat, Lu­xus, Dienerschaft im Totenreich nicht ent­behren kann, hat keinen Halt an litera­ri­schen Quellen oder sonstigem archäolo­gi­schem Befund. Selbst von Survivals oder Er­satzzauber nach Art der ägyptischen Uscheb­tis findet sich hier keine Spur.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Noch unwahrscheinlicher ist die Auf­fassung als Opfer im engeren Sinn, zu Ehren des vergotteten Königs. Dann hätte man die Menschen und Tiere auf einem Altar ge­schlachtet und nicht in der Haltung und mit den Attributen des täglichen Lebens. Blut spielt im babylonischen Opfer überhaupt eine geringe Rolle. Die für Menschenopfer an­geführten Stellen — hauptsächlich Fluch­formeln neuassyrischer Kontrakte — gehö­ren in den nördlich-semitischen Kultur­kreis, ebenso wie auch die Spuren von Erst­geburtsopfern. Wenn Assurbanipal er­klärt, er habe den Rest der Überlebenden von Ba­by­lon als Totenopfer für seinen ermordeten Großvater Sanherib niederge­met­zelt, so ist das bildlich gemeint. Der Ausdruck <i>kispu</i> be­deutet sonst stets das vege­tative Opfer. Woolleys Argument, nur bei der Haupt­person, Sub-ad selbst, stünden die Schalen und Becher des Mahles, so dass nur mit ich­rem Weiterleben gerechnet sei, findet nach unserer Hypothese bessere Erklärung: es ist das Hochzeitsmahl des Gottes oder seines Stell­vertreters, welches in diesem Fall zugleich das Totenmahl war.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Das Band lag aufgefaltet; kein Schä­del wurde gefunden. Auf Grund dieser Tat­sa­chen hat schon S. Smith die Vermutung aus­gesprochen, dass es sich hier nicht um das Begräbnis einer regierenden Königin, son­dern einer <span class="ff5">„</span>Gottesbraut<span class="ff5">“</span> gehandelt habe. Es handelt sich um die Hochzeitsfeier des unsichtbaren Gottes mit einer menschlichen Priesterin oder Hierodule und um deren Fol­gen: die dramatische Darstellung des [alt­griechischer Ausdruck], welcher für die Braut und ihr Gefolge die höchste Ehre, aber zugleich Tod und Bestattung bedeutet.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Bekannt sind von den frühesten bis zu den spätesten Zeiten literarische Anspie­lungen und Erwähnungen dieser Götter­hochzeiten, sowie des Raumes, in welchem sie stattfanden. Selbst Herodot wuß­te ja noch, dass sich in der obersten Kapelle des Tempelturms von Babylon ein großes und wohl zubereitetes Ruhebett, sowie ein gol­dener Tisch befanden, und daß der Gott — selbst unsichtbar — hier zu bestimmten Zei­ten mit einer erkorenen Jungfrau den sa­kra­len Hochzeitsritus beging. Dies <span class="ff5">„</span>Haus des Ru­hebetts<span class="ff5">“ </span>wird in der keilschriftlichen Be­schreibung des Marduktempels aus der Se­leu­kidenzeit erwähnt; es muß der Ort sein, wohin der Gott am letzten Tag des Neu­jahrsfestes „zur Brautschaft eilt“. Ein ent­spre­chendes Gemach und Zeremonien sind für den Nebotempel Ezida bezeugt. </div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Der Gedankenkreis scheint uralt. Aus der neusumerischen Periode sind am bekanntesten die Erwähnungen der sakralen Hochzeit des Gottes Ningirsu mit der Him­melstochter Ba'u in der Zylinderinschrift B des Gudea. Anschaulich wird hier beschrie­ben, wie der Krieger Ningirsu gleich einem Wirbelwind in seinen Tempel einzieht, und wie Ba'u gleich der aufgehenden Sonne ne­ben ihn an sein Lager tritt, und wie die Ver­ei­nigung der beiden gleich dem Tigris, wenn sein Wasser hoch ist, an Lagas% Überfluß schenkt. Im folgenden werden dann die Per­sonen namentlich aufgezählt, welche Gu­dea bei dieser Gelegenheit <span class="ff5">„</span>bei Ningirsu unter seinen Befehlen Platz nehmen<span class="ff5">“</span> läßt: Krieger und hohe Beamte, der Wagenlenker und der Eselshirt mit dem heiligen Wagen, Schäfer, Musiker und Sänger, ferner die sie­ben Hie­rodulen.</div> &nbsp;<div>Eine weitere Beschreibung der Göt­ter­hochzeit findet sich in einer Neujahrs­liturgie aus der Zeit des Idin-Dagan von Isin, welche Witzel soeben neu bearbeitet hat. Freilich spielen diese Texte in der Göt­ter­welt, und wir vernehmen nichts über die kultische Nachbildung. Ein Punkt aber ist für unseren Zweck bemerkenswert: die Stät­te, wo das Throngemach mit dem Ruhebett für den <span class="ff5">„</span>König<span class="ff5">“</span> (Dagal-usumgalanna d. i. Tammuz) und die <span class="ff5">„</span>Herrin<span class="ff5">“</span> Innini errichtet wird, ist nicht der Himmel oder ein den Himmel abbildendes Brautgemach auf der Spitze des Tempelturms, sondern die Unter­welt, der <span class="ff5">„</span>Kerker des Landes<span class="ff5">“</span>. Die braut­liche Göttin wird gepriesen als der Venus­stern, der in der Unterwelt zur Ruhe geht.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>So löst sich vom Standpunkt des astra­len Kreislaufs der scheinbar schroffe Widerspruch zwischen Hochzeit und Tod: der Gegensatz zwischen der Freudenfeier auf dem <span class="ff5">„</span>Berge<span class="ff5">“</span>, dem Brautgemach auf luftiger Höhe einerseits und dem Schrecken und Tod im tiefen Grabgewölbe andrerseits, um wel­ches herum ein Friedhof angelegt ward. Der­selbe Tempel, in welchem nach Herodot die Hochzeit des Gottes gefeiert wurde, er­scheint nach anderen (Ktesias, Aelian) als das <span class="ff5">„</span>Grab des Bel<span class="ff5">“</span>. Mit Recht wies S. Smith (a. a. O., p. 149 ff.) in eingehender Unter­suchung auf die doppelte Bedeutung des Ausdrucks <i>gigunu</i>. Es ist seiner ursprüng­lichen Bedeutung nach das <span class="ff5">„</span>dunkle<span class="ff5">“</span> oder <span class="ff5">„</span>nächtliche<span class="ff5">“</span> Gemach (geg-unu), welches man — wo es in Verbindung mit dem Tem­pelturm genannt wird — geradezu mit „Grab­mal<span class="ff5">“ </span>oder <span class="ff5">„</span>Göttergrab<span class="ff5">“</span> zu übersetzen pflegt. Vor allem an Stellen, die das gigunu im Sonnentempel von Sippar erwähnen, er­scheint es wie eine Laube auf der luftigen Hö­he des Turmes, wahrscheinlich aus ver­gol­detem Zedernholz erbaut, in welche die Götterprozessionen mit Freude und Jubel einziehen: das Gemach der Braut des Son­nen­gottes, welches Hammurabi, wie er sich in der Einleitung zur Gesetzessammlung (H, 28) rühmt, mit Grün bekleidet hat. Doch an anderen Stellen erscheinen diese <span class="ff5">„</span>dunklen Gemächer<span class="ff5">“ </span>der ursprünglichen Bedeutung gemäß als Grabstätten, welche in der Nähe des Flusses unter den Fundamenten großer Gebäude angelegt waren. Aus einer Bauin­schrift Sanheribs aus Nineve kann man er­schlie­ßen, dass zu einem solchen <i>gigunu</i> noch weitere Gräber {kimalj.f}e) gehörten, welche &nbsp;gelegentlich bei Überschwem­mung­en des Flusses zerstört und bloßgelegt wur­den. Wir müssen somit im Sinn des Kreis­laufgedankens zwei sakrale Gemächer unter­scheiden, die nur gelegentlich durch dassel­be Wort angedeutet wurden. Hochzeit ent­spricht Tod; dem Brautgemach auf luftiger Hohe des Turmes entspricht das Toten­ge­mach in der Tiefe eines unterirdischen Ge­wöl­bes eben auserhalb der Temenosmauer. </div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>In der Inschrift Zyl.B, die wir so­eben wie einen Kommentar zu den Funden in den drei Gräbern aus Ur benutzten, er­wähnt Gu­dea das Beilager des Gottes zwei­mal: erst beim festlichen Einzug in das Hei­ligtum, und dann am Schluß im Haus der Ruhe, wo das Wasser strömt. Dasselbe wird, mutatis mutandis, auch vom Mond­tem­pel in Ur gelten. Auch der Mondgott — <span class="ff5">„</span>Frucht, die sich selber erzeugt<span class="ff5">“</span>, der aber als Neumond Lebenskraft braucht, um wie­der zum Vollmond zu werden — ist nicht ausschließlich eine freundliche Gottheit. Der göttliche Samen beim ispbc, yapioc; ist das Symbol der jährlichen Überschwem­mung: des Wasserschwalls, welcher die brautliche Erde einerseits zwar befruchtet, der jedoch das Kulturland zugleich mit Tod und Verderben bedroht. Die Frau, welche in den Armen des Gottes geruht hat, darf mit ihrem Gefolge nicht am Leben bleiben. Mit Frohlocken zieht sie, gleich der Göttin Ba'u, in den Tempel ein, und ihr Tod bedeutet (vielleicht im Sinne der Stellvertretung) die Befruchtung des Ackerlandes. Hier läßt sich zur weiteren Illustration das Ritual des ba­by­lonischen Neujahrsfestes vergleichen, des­sen Verständnis vor allem Zimmern er­schlos­­sen hat. Im großen Mardukfest, wie es seit Hammurabi gefeiert wurde, sind die lokalen Götterfeste aus alter Zeit, vor allem auch die aus dem Kreis der Tammuz-Mys­terien, zusammengeflossen. In einer 1928 auf holländisch erschienenen Studie über <span class="ff5">„</span>Neujahrsfest und Königstag in Babylon und in Israel“ versuchten wir nachzuweisen, daß hier drei Feiern verbunden wurden : 1. Marduks Leiden und Erlösung, 2. sein Sieg und Thronbesteigung und 3. das Hochzeits­fest. Hiervon dauerten die beiden ersten Feiern je drei Tage, die letzte einen Tag, das Ganze also eine Woche. Was in den fünf Tagen geschah, welche dieser Festwoche vor­hergingen, trug vorbereitenden Charak­ter. Nun ist auffallend, das weder die erste noch die dritte Feier (also weder das Lei­dens- noch das Hochzeitsritual) im großen Textbuch des Neujahrsfestes Enuma elisch berücksichtigt sind. Letzteres steht mit dem Leidensritual geradezu im Widerspruch. Wäh­rend hier (KAR 143 und 219) der im <span class="ff5">„</span>Berge<span class="ff5">“</span> eingeschlossene Marduk durch Ne­bo und die übrigen Götter befreit wird, ist nach dem Epos umgekehrt Marduk der Er­löser der übrigen Götter aus der Gewalt der Chaosmächte. Diese Erlösung erscheint als das Thema der zweiten Feier: der Prozes­sion zum bit akitu, der pantomimischen Dar­­stel­lung des Kampfes und Sieges, der Thron­be­stei­gung und Schicksalsbestim­mung. </div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Beim israelitischen Thron­bestei­gungs­­­­fest, wie Mowinckel dies scharfsinnig aus alttestamentlichen Psalmen und Liedern abgeleitet hat, sind Ritual und Gedanken­kreis gleichfalls auf diese Punkte be­schränkt; an die Stelle der Schicksalsbe­stim­mung trat hier die Bundeserneuerung. Das Leidensritual und das Hochzeitsritual aber gehörten ursprünglich, wie es scheint, nicht zu Marduk und noch weniger zu Jahwe. Das Drama beginnt mit der Darstellung des Leidens und Todes, wobei das Wort <span class="ff5">„</span>Tod<span class="ff5">“</span> jedoch absichtlich vermieden oder vorsichtig umschrieben wird. Kraftlos und mit Blut bedeckt weilt der Gott in den beiden <span class="ff5">„</span>Ber­gen<span class="ff5">“</span>, d. i. im Totenreich, der unterirdischen Gerichtsstätte; Wächter sind zu seiner Be­wa­chung bestellt, ein <span class="ff5">„</span>Verbrecher<span class="ff5">“</span> (sein Mörder?) wird mit ihm zugleich abgeführt und getötet. <span class="ff5">„</span>Eine Frau (Göttin?), welche ne­­ben ihm kauert, ist zu seiner Pflege hinab­gestiegen<span class="ff5">“</span>. Die Stadt gerät in Aufruhr; nach der mythologischen Erklärung des Ritus ist die Meinung, das die übrigen Götter das Grab stürmen, um den Götterherrn zu be­freien. Nach seiner Auferstehung erfolgt die feierliche Prozession zum Festhaus außer­halb der Stadt, wo der Kampf mit den mit Tiermasken dargestellten Unterweltsmäch­ten pantomimisch dargestellt wird. Nach der triumphierenden Rückkehr erfolgt im Tem­pel die Thronbesteigung und dann als Hö­he­punkt die Götterhochzeit auf der Spit­ze des Tempelturmes. Sodann wird — so müs­­sen wir für die alte sumerische Periode ergänzen — der Kreislauf wieder geschlos­sen. Daß die Götterbraut mit ihrem Gefolge nicht am Le­ben bleiben konnte, versteht sich für die alte Zeit von selbst. Im tiefen Grabgewölbe er­lei­det sie den Tod in den Armen des unsicht­baren Gottes. (Ende Zitate von Franz Böhl).</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Zu den Überlegungen Franz Böhls zum Königsfriedhof in Ur ist noch anzu­mer­ken, dass Böhl und seine Zeit die Zuver­lässigkeit des Babylon-Berichtes Hero­dots noch nicht in Frage stellten. Dies hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten geän­dert, so dass Herodot nirgends mehr als Zeuge für die Verhältnisse in Babylon ange­führt wird. Siehe dazu mein Aufsatz „Über den Infor­ma­tionswert antiker Quellen“ im Blog der Sumeria-Website (sumeria.at).</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs36lh1-5">W</span><span class="fs12lh1-5">o und wie wurde Baal verehrt? Nicht in Mesopotamien selbst, sondern in den Randgebieten und in den Teilen der Me­so­potamien umgebenden Welt, mit denen Me­so­potamien in ständigem Kontakt stand. </span><b class="fs12lh1-5"><i>Prof. Dr. Sebastian Grätz</i></b><span class="fs12lh1-5"> hat zu diesem The­­ma auf Wibilex seinen ausführlichen Text „Baal“ (2006) beigesteuert, aus dem ich im Folgenden auszugsweise zitiere. Von Men­schen­­­­opfern ist allerdings nirgends die Re­de:</span></div> &nbsp;<div>Dafür, dass „Baal“ ursprünglich kei­ne eigenständige Gottheit bezeichnet, spricht, dass die ältesten Belege einer Gottes­bezeichnung „Baal“ aus Götterlisten und vor allem Onomastika stammen, der eigene Kult eines Gottes Baal hier aber nicht belegt ist (Tell Abū <span class="ff4">Ṣ</span>alābīch: DINGIR ba4-al, früh­dynastisch; Ebla: theophores Element in Per­sonennamen ba-al 6, logographisch: BE; altakkadisch: Personennamen mit theo­pho­rem Element ba-lí , be-lí ; amurritisch: Per­sonennamen der altbabylonischen Zeit ba‘lu als Prädikat und eigenständiges theo­phores Ele­ment; altassyrischer Gottesname Bē­lum, nicht näher zu charakterisieren, aber von Adad unterschieden; Nachweise bei Schwe­mer, 2001, 502f). Der oben beschrie­bene Sub­stitutionsprozess hat demzufolge auch ei­ne religionsgeschichtliche Dimen­s­ion, die als „Synkretismus“ der Wettergott­gestalten Haddu (Addu , Adad ), Teššub und Ba‘lu in Obermesopotamien und Nordsyrien in der Spät­bronzezeit beschrieben werden kann. Wenn im Folgenden von Baal als eigen­stän­diger Gottheit gesprochen wird, dann han­delt es sich um den Wettergott­typus, der seit der Späten Bronzezeit an ver­schiedenen Or­ten Nordwestsyriens verehrt worden ist und dem eindeutig der Name „Baal“ zugeordnet werden kann.</div> &nbsp;<div>2.1. Ugarit</div> &nbsp;<div>Bezeichnend für die tatsächliche uga­ritische Kultpraxis sind, wie oben ange­deu­tet, die Götterlisten, Opferlisten und Ritual­texte, die den Gott Baal zumeist an dritter Stel­le nach El und Dagan nennen; so z.B. die Götterliste KTU 1.118, wo Baal aller­dings als b‘l <span class="ff4">ṣ</span>pn („Baal-Zaphon“) er­scheint und weitere „Baale“ (b‘lm) erwähnt werden. Die Distinktion der Baalsgestalten im Kult entspricht der tatsächlichen Vereh­rung einer Vielzahl von Baalsgestalten, die im mythi­schen Zusammenhang jedoch auf­ge­hoben ist, wenn schlicht von Baal gespro­chen wird. Lipi<span class="ff4">ń</span>ski (1995, 80f) vergleicht die verschie­denen Manifestationen Baals mit de­nen der Jung­frau Maria: „Notre Dame de Lour­des, N.-D. de Fatima, N.-D. de Ban­neux, etc.“</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>2) Chaoskampf und Gewalt: Das Cha­­os­kampf-Mythem „Baal kämpft gegen Jammu" (v.a. KTU 1.2,IV,7-31;), steht in einem engen Zusammenhang mit der kriege­rischen Gewaltbereitschaft des Wetter­got­tes, die auch dessen Darstellung mit einer Waf­fe zum Ausdruck bringt. Während Mar­duks Kampf im baby­lonischen Schöpfungs­mythos Enuma Elisch auf die Erschaffung der Welt zielt, zeigt Baals Sieg über Jammu, dass er des Königs­amtes würdig ist. Eine denk­bare Interpre­tation des Mythos lenkt daher die Aufmerk­samkeit auf den (mensch­lichen) König und dessen kriegerische Akti­vitäten.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>3) Königtum Gottes: Das göttliche Kö­nigtum wird Baal nach dessen Sieg über Jammu von Anat<span class="cf1"> </span>(KTU 1.3,V,32) und Aschi­rat (KTU 1.4,IV,43f) zugesprochen, um El zu motivieren, dem Baal einen Palast zu erbauen. In KTU 1.4,VII,50ff, proklamiert Baal selbst sein Königtum, jedoch nicht im Zusammenhang mit seinen kriegerischen Ta­ten, sondern als Erhalter und Ernährer von Göttern und Menschen. Dieses Motiv steht in engem Zusammenhang mit der Vor­stellung von Baal als Spender von Regen und Tau, die Feldarbeit und Ernte ermög­lichen, sowie mit seiner aktiven Herrschaftsaus­ü­bung, die er – im Aufbau des Baal-Zyklus – in seinem Pa­last antritt und dann wiederum an Mot ver­liert.</div> &nbsp;<div>4) Lebenserhaltung und Schöpfung: Die schöpferische Lebenserhaltung durch die Gabe von Regen und Tau ist die zentrale Funktion des ugaritischen Wettergottes Ba­al. Dies bezeugen zahlreiche Texte (z.B. KTU 1.4, V,6ff; 1.4,VII,25ff; 1.12; 1.19, I, 38ff; 1.101).</div> &nbsp;<div>2.2.1. Emar</div> &nbsp;<div>Die den ugaritischen in etwa zeitge­nössischen Textfunde aus Emar<span class="cf1"> </span>verraten, dass am mittleren Euphrat der Wettergott sowohl Adda als auch Ba‘lu genannt wurde. Nach Schwemer (2001, 552) zeigt dies, dass Baal den ererbten Namen des Wetter­gottes (Adad / Addu) hier, anders als im sy­risch­palästinischen Küsten­streifen, nicht voll­ständig verdrängen konn­te. Konventionell wird das Logogramm DINGIR IŠKUR je­doch Ba‘lu gelesen.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>2.2.2. Ägypten</div> &nbsp;<div>Die Baalsverehrung in Ägypten ist zu­­nächst wahrscheinlich mit den Hyksos ver­­­bunden, wie ein Rollsiegel aus der Haupt­stadt der Hyksos, Avaris (Tell el- <span class="ff4">Ḍ</span>ab‘a) im Nildelta, belegt. Es stammt aus der Zeit um 1800 v. Chr. und zeigt den schrei­­tenden Wettergott auf zwei Berg­gip­feln (s.o. 2.1.4. mit Abb. 2). Eine ägyptische Adaption der Baalsverehrung ist die Iden­ti­fikation Baals mit dem Gott Seth<span class="cf1"> </span>(Sta­del­mann, 1967, 32f), wie sie auch auf der sog. Mami-Stele aus Ugarit greifbar wird. Wei­te­re Evidenz für diese Identifikation bieten Sie­gel und Zeichnungen aus dem (ägyptisch beeinflussten) palästinischen Bereich der Spät­­bronzezeit, die Baal-Seth als Chaosbe­käm­p­fer darstellen: Die Präsentation von Baal-Seth als u.a. Schlangenbekämpfer weist ihn nach Keel / Uehlinger sowohl im ägyp­ti­schen als auch im kanaanäischen Den­ken als Rettergestalt vor den Chaos­mäch­ten aus (Keel / Uehlinger, 1992, 86ff).</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>3. Baalsverehrung im 1. Jt. v. Chr. im syrophönizischen und palästinischen Raum: Die vor allem im Gebiet der syro-phö­nizischen Küste nachweisbare Tendenz der Späten Bronzezeit, den ursprünglichen Titel „Baal“ als Namen des Wettergottes zu verwenden, setzt sich im 1. Jt. fort. Im phö­nizisch-kanaanäischen Bereich wird der Wet­­­ter­gott unter dem Namen Baal verehrt, im aramäischen Bereich dagegen unter sei­nem ursprünglichen Namen Hadad / Adad.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>3.1. Phönizien und Syrien</div> &nbsp;<div>Die Belege weisen insgesamt weiter­hin eine Differenzierung unterschiedlicher, z.T. lokaler Baalsgestalten auf. Die phöni­zisch-hieroglyphenluwische Inschrift von Ka­­ra­­tepe (KAI 26) aus dem späten 8. Jh. v. Chr. zeigt ein Nebeneinander des absoluten Gebrauches von Baal und seiner Manifes­ta­tio­nen, wie z.B. dem seit dem 1. Jt. v. Chr. prominenten „Baal des Himmels“, der hier im Fluchabschnitt dem Schöpfergott El vor­geordnet ist. Auf der ande­ren Seite ist an­scheinend b‘l krntrjš , dessen Statue ja auch die Inschrift trägt, als Stadtgott verehrt wor­den, so dass in der Verehrung, wie bereits in Ugarit, verschiedene Manifes­ta­tio­nen Baals ne­ben­einander standen. Auch b‘l <span class="ff4">ṣ</span>dn („Baal von Sidon“), ist eine Stadtgottheit, für die es, wie die Eschmun‘azar-Inschrift zeigt, ei­nen Tempel gab, die aber hinsichtlich ih­rer Funktionen nicht genau zu bestimmen ist.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Für das Postulat von überregionalen Manifestationen Baals ist der Vertrag Asar­haddons mit dem König Baal von Tyrus aus dem Jahr 683/2 v. Chr. von Bedeutung, der in einer Reihe von Flüchen an erster Stelle der kanaanäischen Götter, noch vor den ei­gent­­lichen tyrischen Stadtgöttern, Melqart und Eschmun, die Baals-Manifestationen „Ba­al des Himmels“ (DINGIR ba-al sa-me­me), „Baal malagê“ (DINGIR ba-al ma-la-ge-e) und „Baal-Zaphon“ (DINGIR ba-al <span class="ff4">ṣ</span>a­pu-nu) nennt. „Baal malagê“ (Lipi<span class="ff4">ń</span>ski, 1995, 243f,: „Baal des traversées“) ist dabei möglicherweise eine maritime Adaption des über Berge schreitenden Wettergottes, der ikonographisch häufig belegt ist. Die vor­rang­ige Nennung des „Baal-Zaphon“ und des „Baal des Himmels“ weist jedoch auf ei­ne überregionale Bedeutung zumindest die­­ser beiden Götter (Timm, 1982, 238f), die sich für „Baal-Zaphon“ ja schon in Memphis zeigte und die sich auch für den „Baal des Himmels“ im Verlauf des 1. Jt.s v. Chr. nach­­weisen lässt (Byblos, 10. Jh.: KAI 4,3; Umm el ‘Awāmīd, 2.Jh.: KAI 18,7; aramä­isch: Afs, 8. Jh.: KAI 202, A,3f u.ö.). Hinzu kommen, durch die Phönizier vermittelt, wei­tere Belege aus dem gesamten Mittel­meer­­raum, die hier jedoch nicht in den Blick genommen werden können.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>3.2. Palästina</div> &nbsp;<div>In Palästina kommt der Gottesname Baal außerhalb der Bibel lediglich epigra­ph­isch in einer Inschrift aus Kuntillet ‘A<span class="ff4">ǧ</span>rūd (im südwestlichen Negev; [Kuntillet Agrud ]) vor: „Gepriesen sei Baal am Tage des Krie­ges“ (HAE, KAgr [9]: 7,2; 9. Jh. v. Chr.). Die verwendete phönizische Schrift weist wohl auf die Herkunft des Schreibers, der in dem antiken Gebäudekomplex Station mach­­­­te. Personennamen, die „Baal“ als theo­­­­pho­res Element enthalten, sind auf­grund der Samaria-Ostraka (8. Jh. v. Chr.) vor allem in Samaria und seiner Umgebung belegt.</div> &nbsp;<div>Dem Baal-haltigen Onomastikon aus Samaria stehen eine größere Anzahl JHWH­haltiger Personennamen gegenüber, so dass allein aus diesem Befund auf eine gewisse, aber nicht dominante religiöse Rolle Baals in Samaria geschlossen werden kann. Das überlieferte Onomastikon insgesamt verrät für das eisenzeitliche Palästina immerhin so viel: Der Gott Baal hatte in der Benennung von Personen eine gewisse Bedeutung, die aber nur für Samaria, die Hauptstadt Isra­els, im 8. Jh. v. Chr. nachweisbar ist. Der Einzelbeleg aus der Küstenebene (M<span class="ff2">ə</span><span class="ff4">ṣ</span>ad Ch<span class="ff4">ă­</span>šavjāhû) zur Zeit Josias (?) besitzt wenig Aussagekraft. Juda selbst ist anscheinend frei von Personennamen, die mit „Baal“ gebil­­det werden (Avigad / Sass, 1997, 489). Der Überblick zeigt, dass im Alten Testa­ment durchaus Baal-haltige Personennamen begegnen, diese aber – entsprechend dem epi­graphischen Befund – vergleichsweise sel­­­­ten sind. Dennoch zeigt das theophore Ele­­ment „Baal“, dass der Kult dieses Gottes in den frühen Zeiten Israels nicht unbe­kannt war oder der Gott vielleicht sogar mit JHWH identifiziert wurde.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>4.2. Baalspolemik</div> &nbsp;<div>Angesichts der Ergebnisse aus 3.2. muss die harsche Polemik gegen „Baal“, die sich an manchen Stellen des Alten Testa­ments findet, etwas verwundern. Ausgangs- oder Kristallisationspunkte der alttesta­ment­­lichen Polemik gegen „Baal“, stets mit Artikel, finden sich in erster Linie in den Erzählungen um Gideon / Je­rub­baal (s.o. 4.1.3.:„Baal-Berit“; 4.1.2.:„Je­­rubbaal“) und um die Dynastie Omri; und zwar hier im Elia-Zyklus und in den Er­zäh­lungen zu der Revolte des Jehu, die da­rauf zielen, den von den Omriden gepflegten Baalskult in Israel zu bekämpfen und auszu­rotten. In der pro­phe­tischen Überlieferung sind die Bücher Je­­remia und Hosea zu nen­nen.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>3) 2Kön 10,15-16.18-30: Die Ausrot­tung des Baalsdienstes durch Jehu. Die iro­ni­sche und blutige Erzählung liegt in der Flucht von 1Kön 16,31.32-33 und 1Kön 18,3ff und schließt den langen Exkurs des Baals­dienstes der Omriden und dessen Bekämp­fung durch Elia (dessen Name „Mein Gott ist JHWH“ bedeutet) ab. Wie oben schon an­gedeutet, tragen diese Erzählungen deute­ro­nomistisches Kolorit und sind deshalb his­­­to­risch nicht ohne weiteres zuverlässig. Dass es eine begrenzte Baalsverehrung im eisenzeitlichen Samaria gegeben hat, zeigen die überlieferten Personennamen aus dieser Region. Doch sowohl die Mehr­zahl der epi­graphischen Personennamen aus Samaria als auch die Tatsache, dass die Söh­ne Ahabs, Aha­sja und Joram, Namen mit JHWH als theo­phorem Element tragen, spricht nicht für einen Vorrang des Gottes Baal in Sama­ria überhaupt und zur Zeit der Omriden im Speziellen. Anknüpfungspunkt für die deu­te­ro­nomistische Baalspolemik, die im Dienst der Untergangsätiologie Isra­els und Judas steht, könnte die Verschwäge­rung Ahabs mit dem sidonischen König Et­baal sein, durch dessen Tochter Isebel quasi das Unheil nach Israel vermittelt wurde.</div> &nbsp;<div><span class="ff6"> </span></div> &nbsp;<div>4.3. JHWH und Baal</div> &nbsp;<div>Das alttestamentliche Palästina war – we­ni­ge Ausnahmen bestätigen die Regel – im 1. Jt. v. Chr. nicht das Land Baals, son­dern das Land JHWHs. Dass die Baals­po­lemik in bestimmten Teilen des Alten Tes­taments einen breiten Raum einnimmt, ist der deuteronomistischen Geschichtssicht ge­schuldet, die nach der theologischen Ursa­che der Zerstörung Israels und Judas fahn­det. So wurde z.B. in der wahrscheinlich histo­ri­schen Verschwägerung Ahabs<span class="cf1"> </span>mit „Et­baal“ von Sidon<span class="cf1"> </span>über dessen Tochter &nbsp;Ise­bel<span class="cf1"> </span>ein generelles Einfallstor des Baals­dienstes nach Israel gesehen und zu einer Geschichte der Konkurrenz von JHWH und Baal stili­siert. Der Konkurrent verführte nach dieser Sicht die Einwohner Israels und Judas zum Abfall vom monola­trischen Haupt­gebot, die theologische Ursa­che des Untergangs der bei­­den Staaten. Die lange beo­bachtete Zeich­nung JHWHs mit Hilfe von Motiven des Chaoskämpfers und Kriegs­herrn (u.a. Ex 15,21; Jes 51,9; Ps 29; Ps 46), „Wol­ken­reiters“ (Ps 68,5), Regen- und Tauspenders (u.a. 1Sam 1,21; 2Kön 18; Jes 5,6; Jer 14f), „verschwundenen Gottes“ (Hos 4ff), theo­phanen Bergnumens (u.a. Dtn 33,2; Ri 5,4-5; Am 4,13b; Hab 3,3-6. Ps 48,3; Ps 97), Gottkönigs (u.a. 1Kön 22,19-22; Jes 6; Ps 47; Ps 93; Ps 97) usw. nimmt auf der anderen Seite Motive auf, die auch für Baal über­lie­fert sind, die aber insgesamt dem „Syn­kre­tismus“ der Wettergottgestalten in Ober­me­sopotamien und Nordwestsyrien seit der spä­ten Bronzezeit (s.o.1.) entstammen dürf­ten. (Ende der Zitierungen von Grätz).</div> &nbsp;<div><span class="fs12lh1-5 ff6"> </span></div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs35lh1-5">N</span><span class="fs12lh1-5">achdem ich bisher mit Hilfe ver­schie­dener namhafter Autoren nachweisen konn­te, dass es Menschenopfer in Mesopota­mien und auch einen auf Menschenopfer aus­ge­rich­teten Baalskult offensichtlich nicht gege­ben hat, möchte ich abschließend noch aus­führlich auf die Bewertung der einzigen Re­likte in Mesopotamien eingehen, die die Kri­te­rien „Menschenopfer“ erfüllen, wenn auch nur sehr speziell und am Rande, und die normalerweise überhaupt nicht in Be­tracht kommen, wenn wir allgemein von Menschenopfern sprechen. </span><b class="fs12lh1-5"><i>Dr. Helga Vogel</i></b><span class="fs12lh1-5"> (FU Berlin) hat sich in ihrer Dissertation von 2008, aus der ich im Folgenden zitiere, ausführlich mit diesem Thema beschäftigt. Es geht wieder um unser Eingangsthema, die Königsgräber von Ur:</span></div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Als Erster äußerte sich <b><i>Sidney Smith</i></b> (1928). Er verband die Befunde der Schacht­gräber RT.789 und RT.800 mit religiösen Riten (Fruchtbarkeitskult), die womöglich an­­läßlich von Neujahrsfeierlichkeiten ausge­führt wurden. Smith hielt es insbesondere für unwahrscheinlich, dass 'Menschenopfer' bei der Bestattung einer Königin zu erwar­ten seien. Smith: " Menschenopfer am Grab einer (verwitweten?) Königin müssen unge­wöhn­lich und in einem östlichen Land schwer zu erklären sein " (Smith 1928: 863).</div> &nbsp;<div><span class="ff7"> </span></div> &nbsp;<div>Zum Beitrag Böhls<!--[if !supportFootnotes]--><span class="fs12lh1-5 ff1">[4]</span><!--[endif]--> &nbsp;äußerte sich 1931 zunächst <b><i>Benno Landsberger</i></b> im Rah­men seiner Besprechung der von C.J. Gadd und L. Legrain 1928 publizierten Texte (Ro­yalInscriptions) aus Ur. Landsberger argu­mentiert, "dass <i>nin</i> in sumer. Zeit Korrelat zu <i>lugal</i> ist, was aus zahllosen, einander kor­respondierenden Personennamen mit Lu­­gal- bzw. Nin- hervorgeht. Dies spricht entschie­den dafür, dass auch die bekannte SUB-at [= Pû-abī] wirklich Königin war und nicht Hohep­riesterin des Mondgot­tes, wie Böhl (...) annimmt. Jedenfalls kennen schon die Gräberfunde für &gt;hohe Priesterin&lt; <i>nin-din­gir</i>; andererseits wurde die Ho­he­pries­terin des Nannar niemals <i>nin-dingir</i>, son­dern <i>en</i> genannt (...)" (Landsberger 1931: 126-127).</div> &nbsp;<div>Wenig später reagierte <b><i>Friedrich Blo­­me</i></b> in seinem 1934 erschienenen Werk <i>Die Opfermaterie in Babylonien und Israel </i>auf die Vorschläge von Böhl. Blome notiert hin­sichtlich der 'Leichenfunde in Ur': "Nach allem möchte man es für wahrscheinlicher halten, dass die in den Grabgewölben getö­teten Menschen ihr Leben lassen mussten anlässlich des Begräbnisses der fürstlichen Herrschaften. Eine andere Frage ist dann aber, ob solche Massenschlachtungen als Men­­schenopfer zu gelten haben. Zwar be­stand die Neigung, die Könige nach ihrem Tode, wenn auch wohl in einem unterge­ord­neten Range, dem Pantheon einzureihen. Aber wenn das die ratio gewesen wäre für die ­Tötung von Menschen, so würden wir erst recht für die Götter höheren und höchsten Ranges dies wertvollste Opfer er­war­ten. Nun treffen wir aber auch anderswo den Brauch, verstorbenen Kriegern und Kö­ni­gen ihre Frauen, ihren Hofstaat und ihre Dienerschaft ins Grab nachzuschicken, da­mit sie in den himmlischen Gefilden Bedie­nung haben; in diesem Falle ist es nicht berechtigt, von Menschenopfern zu spre­chen. Man wird immer noch am besten von hier aus die Leichenfunde in denGräbern von Ur erklären dürfen" (Blome 1934: 413).</div> &nbsp;<div><span class="ff7"> </span></div> &nbsp;<div>Im gleichen Jahr - 1934 -, in dem Blomes vorgenannte Monographie erschien, legte <b><i>Sir Leonhard Woolley</i></b> die Endpubli­ka­tion des <i>Royal Cemetery </i>vor. Für Woolley sind, wie schon erwähnt, neben den Beson­derheiten der Anlage der Gräber (tiefer Schacht und Grabkammer) vorrangig die 'Men­­schenopfer' ("human sacrifices" respek­tive "victims") das wichtigste Argument für seine von Anfang an vertretene Ansicht, dass es sich bei den 16 Schachtgräbern des <i>Royal Cemetery </i>um <i>Royal Tombs </i>handelt. "Human sacrifices", so der Ausgräber, kommen aus­schließ­lich in Verbindung mit Grabkam­mern vor, sie sind kein Vorrecht einer ledig­lich wirtschaftlich priviligierten Klasse, da sie in überaus reich ausgestatteten sog. Pri­vatgräbern niemals vorkommen und sie sind auch kein Privileg eines Geschlechts. Da­rum: "Es muss ein Attribut des Königtums sein, und da da Opfer Gottheit bedeutet, im­pliziert dies, dass für die Sumerer das Kö­nig­tum, das, in den Worten der Königs­listen 'von oben herab gesandt wurde', ein Element der Göttlichkeit war (...)"(Woolley (UET II) 1934: 41). Hinsichtlich des Status der sog. Gefolgsleute notiert Woolley zu­nächst: "(...) Der Hauptbewohner der Stein­kammer war mit genau den Dingen aus­gestattet mit eben jenen Dingen, die in den Privatgräbern unveränderlich sind und als notwendiges Mobiliar der Toten erscheinen, während die Untergebenen nichts derglei­chen haben; sie befinden sich nicht einmal in der Haltung, in der die Toten immer auf­gebahrt wurden; er behält also seine Persön­lichkeit, sie aber nicht - Sie sind ebenso sein Eigentum wie die Becher und die Speere, die Ochsen und die Harfen; es ist nicht ihr Begräbnis, und deshalb bedürfen sie nicht der Versorgung, die ihm zusteht: die Haupt­person wird begraben; die übrigen werden nicht begraben, sondern zu seiner Ehre ge­opfert" (Woolley (UET II) 1934: 38). Wool­ley geht davon aus, dass die 'mitbestatteten' sog. Gefolgsleute durch eine Gifttrankgabe zu Tode kamen.Nachdem Woolley einerseits die 'Gottähnlichkeit' der sumerischen Köni­ge in seiner Argumentation weiter befestigt hat (in Auseinandersetzung mit den Ideen von Smith und Böhl), andererseits - und zwar aufgrund der Befunde der RTs.789/800 – das Erscheinungsbild der sog. Gefolgsleute als das eines Hofstaates (respektive des Haus­halts des Königs oder der Königin) bestimmt hat, hinterfragt er jedoch den 'Opfer-Status' der Menschen, die mit einer Hauptbestattung 'mitbestattet' wurden, und postuliert, " dass es sich um ein Privileg und nicht um ein über sie verhängtes Unheil han­delt " (Woolley(UET II) 1934: 42). Woolley argumentiert: "Möglicherweise ist das Wort 'Opfer' in diesem Zusammenhang irrefüh­rend. Ich habe darauf hingewiesen, dass den Männern und Frauen, die sich in der Todes­grube drängen, offenbar keine Gewalt ange­tan wurde, sondern dass sie in aller Ruhe von der bereitgestellten Droge tranken und sich zum Schlafen niederlegten. Mir scheint es wahrscheinlicher, dass sie nicht zu Ehren des toten Königs getötet wurden, auch nicht, weil ihre Dienstzeit mit seinem Leben enden musste, sondern dass sie mit ihrem gött­lichen Herrn mitgingen, um ihren Dienst unter neuen Bedingungen fortzuset­zen, wobei sie sich möglicherweise sogar ei­ner weniger nebulösen und elenden Existenz in der jenseitigen Welt versicherten, als es das Los der Menschen war, die auf gewöhn­liche Weise starben (...) Es scheint mir wahr­scheinlich, dass die Mitglieder des königlichen Hofes, die mit ihrem König ging­en, in eine höhere Sphäre des Dienstes versetzt wurden und so einen Vorteil gegen­über den einfachen Menschen hatten." (Wool­ley (UET II) 1934: 42). Hinsichtlich der weiblichen Hauptbestattungen veran­kert Woolley sein Argument, dass diese re­gierende Königinnen gewesen seien, vor­rang­ig im sumerischen Titel 'nin', der in der Inschrift des Siegels der Pû-abī bezeugt ist; der '<i>divine status</i>' der Königinnen wird in Woolleys Argumentation aber weiterhin nicht näher besprochen. </div> &nbsp;<div><span class="ff7"> </span></div> &nbsp;<div><b><i>Anton Moortgat</i></b> hat sich im Rahmen seiner Monographie <i>Tammuz – der Unsterb­lich­keitsglaube in der altorientalischen Bild­kunst</i>, erschienen 1949, im Abschnitt "Sume­rischer Totenglaube" zu einzelnen <i>Royal Tombs </i>geäußert. Grundsätzlich geht Moort­gat hinsichtlich der Interpretation der <i>Royal Tombs </i>davon aus ,dass "ihre Gesamtanlage und die in ihnen festgestellten Massen­be­stattungen nur aus einem mit dem Tammuz-Mysterium zusammenhängenden Totenglau­ben zu begreifen sind" (Moortgat 1949: 54). Ausführlich beschäftigt sich Moortgat mit dem Grab RT.789. Im Gegensatz zum Aus­gräber vertritt Moortgat die Annahme, dass das Grab nicht bei der Anlage des Schachtes respektive der Grabkammer der Pû'abī (RT.800) durch die Kuppel der Grabkam­mer ausgeraubt wurde, sondern dass die Grab­kammer dieses Grabes absichtlich im Zusammenhang eines Ritus des 'Tammuz-Glaubens' geöffnet wurde. Moortgat: "PG 789 muss das Grab eines Königs sein, der bei Neujahrsfesten der Vertreter des Tammuz war, der bei seinem Tode nicht als König, sondern als Gott Tammuz sein gesamtes Ge­folge mit in die Unterwelt nahm. Er stirbt nicht endgültig, wird vielmehr wie der Gott seine Auferstehung feiern. Diese wird sym­bolisch vollzogen durch Aufbrechung seiner Gruft und Enfernung seines Sarges und seiner Leiche. (...) Sie [die Okkupantin der Gruft RT.800, ob Königin oder Hohepries­terin lässt Moortgat offen] hatte im Leben die <i>Innin</i>, die Muttergottheit zu vertreten. Ihr Tod mag als diejenige Episode im Tam­muz-Mythus empfunden worden sein, die wir aus den spätsumerischen Liedern der Höllenfahrt der Ischtar kennen. Die tote Kö­nigin fährt zu ihrem Gatten in die Un­terwelt; auch sie nimmt als Vertreterin der Innin ihr gesamtes Gefolge mit in das Jen­seits. Vielleicht feiert sie mit ihm dort noch einmal symbolisch die Hochzeit, bleibt dann aber beigesetzt in ihrer Gruft 800, ebenso wie auch sämtliche Gefolgsleute in der Un­ter­welt bleiben. Sie feiern keine Wieder­geburt. Wenigstens werden sie nicht sym­bolisch in das Leben heraufgeholt" (Moort­gat 1949: 65-66). Hinsichtlich der sog. Ge­folg­schaftsbestattungen notiert der Autor: "Alles wird verständlich mit Hilfe dessen, was wir über den Tammuz-Glauben und sei­nen Kult, vor allem die Feier der heiligen Hochzeit wissen. Auch versteht man, warum so viele Menschen ohne Bedenken in den Tod gehen konnten; sie gehen nicht in einen Tod, der ein Endzustand ist, sondern Über­gang zu neuem Leben, sowie es ihr König und Gott Tammuz verkörpert. Wir brau­chen also bei der Deutung derSchachtgräber nicht mehr an ein barbarisches Menschen­opfer zu denken, das in seiner Primitivität zu einer so hohen Kulturstufe wie sie die Ur I-Zeit erreicht hatte, nicht mehr passen will" (Moortgat 1949: 66). Moortgat versucht sei­ne Ideen im weiteren Verlauf der Darstel­lungen des vorgenannten Werkes anhand der Grabanlagen RT.1050 und RT.1054 und der sog. Todesschächte zu verifizieren, je­doch will Moortgat dies nicht so recht gelingen; er kann <i>de facto </i>keinen weiteren 'Beweis' für ein absichtliches Aufbrechen eines Grabes und die Heraufholung eines 'Tammuzvertreters' erbringen.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Die Diskussion über die Befunde des <i>Royal Cemetery </i>startete erst wieder 17 Jahre nach Moortgats vorgenannter Publikation mit der 1966 erschienen Dissertationsschrift von <b><i>Hans J. Nissen</i></b>. Nissen hat in seinen verschiedenen Beiträgen zum <i>Royal Ceme­te­ry </i>(vgl.Nissen 1966, 1990, 1991, 1999a, 1999c, 2000a) den Reichtum an Gegen­stän­den aus Edelmetallen, Kupfer, Bronze und Elektron, aus Halbedelsteinen und anderen farbigen Steinen, aus Muschel und verschie­denen Steinsorten, die in den Gräbern des Friedhofes entdeckt wurden, als Zeugnis für weitgespannte und offensichtlich ungestörte Handelsbeziehungen in den frühdynasti­schen Perioden gedeutet. So gut wie alle vor­genannten Rohstoffe kommen in Babylonien bekanntlich nicht vor und müssen also im­por­tiert werden. Nissen erkennt im Zeugnis der vorgenannten wertvollen Inventare der Gräber des <i>Royal Cemetery </i>darum auch ein Gegenargument zum Bild des Frühdynasti­kums als einer Zeit der äußeren Unruhe, wie es die Herrscherinschriften, die vorrangig Be­richte über militärische Erfolge ent­halten, entwerfen. Weiterhin vertritt Nissen die These, dass, weil man wertvolle Gegen­stände aus Edelmetallen und Halbedel­stei­nen nicht nur in den <i>Royal Tombs </i>fand, son­dern zum Teil auch in Privatgräbern, "man von einer größeren Streuung des Reichtums ausgehen können wird" (1999a: 55). Nissen kommt vor diesem Hintergrund zu dem Schluss, dass der von Woolley aufgedeckte <i>Royal Cemetery </i>eine kommunale Begräb­nis­stätte war und folgerichtig also nicht nur "als Begräbnisstätte (...), beschränkt auf Bestat­tungen von Personen die mit den Bewoh­nern der Königsgräber institutionell ver­wandt waren [genutzt wurde]" &nbsp;1991: 186). Nissen hält die sog. Gefolgschaftsbestat­tung­en für eine Sitte, da sie immerhin mehrere Generationen umspannen. Nissen erklärt, dass "ganz offenbar (...) die Absicht bestand, den Hauptpersonen einen angemessenen Die­­nerstab mit ins Jenseits zu geben. Das lässt uns darauf schließen, dass es sehr kon­kreteVorstellungen über ein Leben nach dem Tode gab, denen zufolge das Leben in ähnlichen Bahnen wie auf der Erde nur in einer anderen Welt verlief" (Nissen 2000a:7). Im Verlauf seiner weiteren Argumentation bezieht Nissen sowohl die Grabanlagen selbst als auch ihre Inventare und auch die 'Mitbestattungen' der <i>Royal Tombs </i>auf den Ausbau von persönlichem Prestige der Macht­haber Urs sowie ganz insgesamt auf das Ziel der Machterhaltung der Herrschen­den. Die letztgenannten Vorgänge bleiben, so Nissen, vor einem sich verändernden so­ziopolitischen Hintergrund zu rezipieren, der durch starke Landflucht, ausgelöst durch klimatische Veränderungen, einer Kon­zentration der Bevölkerung in den urba­nen Zentren sowie der Notwendigkeit, den Umfang an bewässerbarer Ackerfläche zur Versorgung der Bevölkerung zu erhöhen, gekennzeichnet ist. Die vorgenannten Fak­to­­ren führten dazu, dass die jeweiligen städtischen Eliten "ihre bereits bestehende weit­reichende Kontrolle über die Produk­tion von Nahrungsmitteln und sonstigen Gü­­tern weiter (...) ausdehnen konnten. Gleichzeitig bedeutet das aber einen unge­heu­eren Zuwachs an Macht und Reichtum für die zentralen Stellen bzw. für den Herr­scher" (Nissen 2000a: 13). Nissen weiter: "Die weitere Anhäufung von Reichtümern in den vorgenannten Institutionen führte zu einer Art von demonstrativem Konsum, der lediglich den Zweck verfolgt, Prestige zu erhö­h­en und andere auszustechen. In die­sem Sinne sind vermutlich die prächti­gen Bei­gaben aus edlen Metallen und Steinen ne­ben einer großen Fülle alltäglicher Gegen­stände zu verstehen, die in den Königs­grä­bern in Ur lagen. Aber auch dieser demons­tra­tive Konsum lässt sich nicht uferlos stei­gern, so dass es dann in einer maßlosen Über­steigerung zum demonstrativen Kon­sum von menschlichem Leben kommt: die Gefolgschaftsbestattung wäre somit als letzte Steigerung eines nach außen gezeigten Pres­ti­ge­bedürfnisses zu verstehen" (Nissen 2000 a: 13-14). Das Ende der großen Schacht­grab­anlagen in Ur und damit auch das Ende der sog. Gefolgschaftsbestattungen bringt Nis­sen mit einer während der FD-IIIB-Zeit sich verändernden politischen Landschaft in Verbindung. Das Prestigebedürfnis der Herr­­scher findet in den Kämpfen um die Durchsetzung territorialer Machtansprüche neue Ventile. Nissen nimmt an, dass "die ge­nannten Übersteigerungen nicht zu dem neu­en Bild der Herrschaft passten" (Nissen 2000a: 14).</div> &nbsp;<div>11 Jahre nach der 1966 publizierten Dissertation von Nissen, wurde die Diskus­sion über die Befunde des <i>Royal Cemetery </i>erneut aufgenommen. <b><i>P.R.S. Moorey</i></b> veröf­fentlichte 1977 in der Zeitschrift <i>Expedition </i>einen längeren Artikel zu den Befunden der <i>Royal Tombs </i>in Ur mit dem Titel "<i>What do we know about the people buried in the Royal Cemetery?"</i>, der recht einflussreich werden sollte. Moorey problematisiert in dem vorge­nannten Artikel die Annahme Woolleys, dass in den großen Schachtgrabanlagen Kö­ni­ge und Königinnen bestattet worden sei­en. Stattdessen erscheint Moorey ein sakra­ler Hintergrund (Kult um den Mond- und Stadtgott Nanna) für die aufwendigen Be­stat­tungen wahrscheinlicher. Die weibli­chen Hauptbestattungen der <i>Royal Tombs </i>seien darum möglicherweise doch Priester­in­nen, genauer Priesterinnen, die für einen begrenzten Zeitraum als Gattin des Gottes Nan­na fungierten. Für die männlichen Haupt­­bestattungen der <i>Royal Tombs </i>nimmt Moorey hingegen (mit Woolley) einen ver­gött­lichten Status an. Moorey geht zunächst von den Befunden der steinernen Grabkam­mer, die Woolley auf dem Boden des Schach­tes RT.1054 freilegen konnte, aus. In dieser Grabkammer fand man eine ungestör­te weibliche Hauptbestattung, im Zentrum der Kammer liegend und bedeckt mit Gold­schmuck, in den Händen ein Goldgefäß hal­tend und weiterhin ausstaffiert mit einem Gold­siegel, welches mit Bankettszenen de­ko­riert ist. Sie war von vier sog. Gefolgs­leu­ten umgeben. Moorey fragt: " Ist es möglich, dass diese königliche Dame sie [= die männ­lichen Hauptbestattungen der Schachtgrab­an­lagen] kraft eines anderen Amtes als das der Königin von Ur verdient hat?“ (Moorey 1977: 33). Seine Argumentation führt Moorey fort, indem er die Geschlechterverhältnisse der sog. Gefolgschaftsbestattungen unter­sucht und zu dem Schluss gelangt: "Die gro­ße Anzahl von Frauen unter den Opfern ist trotz dieser unregelmäßigen Belege eindeu­tig und möglicherweise ein wichtiger, wenn auch schwer fassbarer Hinweis auf den besonderen Charakter einiger dieser Bestat­tungen " (Moorey 1977: 35). Das vorgetragene Argument führt Moorey nunmehr aber nicht weiter aus, sondern er wendet sich Texten zu, die einerseits Auskunft über den Tod von Hohenpriesterinnen des Nanna, andererseits über mögliche sog. Gefolgschaftsbestattung­en beim Tod eines Stadtfürsten/Königs ge­ben können sollen. Er zitiert eine Passage aus der Dichtung <i>The Exaltation of Inanna </i>= NIN ME ŠARA der akkadischen Prinzes­sin und Hohepriesterin des Mondgottes Nan­na, En<span class="ff4">ḫ</span>eduanna. Die entscheidende Zei­le (= Zeile 99) lautet in der von W.W. Hallo besorgten Übersetzung von 1968: "(...) Beim Klang meines heiligen Liedes sind sie bereit zu sterben" (Hallo 1968, zit. n. Moo­rey 1977: 38); es spricht En<span class="ff4">ḫ</span>eduanna. Moo­rey weiter: "Der Übersetzer hat die Vermu­tung geäußert, dass es sich bei der letzten Zeile um eine Anspielung auf das Begräb­nis­ritual handeln könnte, an dem ein ganzes Gefolge zusammen mit einer "Königin" oder Hohepriesterin beteiligt war, wie Woolley festgestellt hat " (Moorey 1977: 38). Es ist bekannt, notiert Moorey, dass die Hohen­pries­terinnen des Mondgottes von könig­li­chem Blut waren und in einem besonderen Gebäude, dem <i>gipāru</i>, als "menschliche Frau von Nanna, die seine göttliche Frau Ningal vertritt", residierten. "Es gibt spärliche ar­chä­o­logische Beweise für die Existenz der gipāru bereits in der frühdynastischen Zeit; aber es gibt keine inschriftlichen Belege aus dieser Zeit, die mit Sicherheit eine Hohe­pries­terin von Nanna nennen" (Moorey 1977: 37). Anschließend diskutiert Moorey die berühmte Stelle aus der sumerischen Dich­tung <i>Gilgamesh's Dream and Death </i>respek­tive '<i>The great wild bull is lying down'</i>, wel­che von der Bestattung des Gilgameš in seiner steinernen Grabstätte, die unterhalb des Flußes Euphrat liegen soll, handelt. Strittig ist, ob mit Gilgameš auch sein sog. Hof­staat beigesetzt wird oder eben nicht. Moorey argumentiert, dass wegen Unsicher­heiten in der Übersetzung und vor allem auf­grund der Tatsache, dass die Grabkammer der Pû-abī einige Zeit nach der Bestattung ihres Gatten in RT.789 (wird mit Woolley nunmehr wieder vorausgesetzt) angelegt wur­­de, keine weitreichenderen Schlüsse aus den zuletzt genannten Texten gezogen wer­den können. Moorey: "Kurzum, der "Tod des Gilgamesch" lässt nicht vermuten, dass die sumerischen Herrscher ihre Haus­halte wie selbstverständlich in die "Todes­gruben" nahmen. Der Schlüssel zu diesen Gräbern in Ur, die anderswo im Irak immer noch ohne Parallele sind, liegt vielleicht nicht so sehr in Fragen des "Königtums oder der Monar­chie", wie wir sie uns heute vor­stellen, son­dern in einer speziellen Kult­praxis in Ur, die sich insbesondere auf den Gott Nanna be­zieht" (Moorey 1977: 39). Zu­sam­menfassend kommt Moorey zu folgen­dem Ergebnis: "Die Bestattung mit mensch­lichen Opfern wie auch die Primärbe­stattung ist eindeutig ein besonderer Ritus für besondere Men­schen - aber was machte sie so beson­ders? (...) Bei den Männern mag es eine Frage des Ausmaßes sein, in dem sie im Leben einen göttlichen oder halbgött­li­chen Status ange­nommen hatten, wie einige der Herrscher der späteren Dritten Dynastie von Ur. Bei den Frauen ist der Fall noch kom­plexer und hängt möglicherweise nicht so sehr davon ab, ob sie 'Königinnen' im modernen Sinne waren oder nicht, sondern eher davon, ob sie für einen bestimmten Zeit­raum ihres Lebens 'Frau von Nanna' oder einen ver­gleich­baren Rang in der Tem­pelhierarchie von Ur innehatten oder nicht." (Moorey 1977: 40). Als einzigen Beleg für die letzt­genannte Annahme kann Moorey aber nur die oben zitierte Zeile aus der Dichtung der En<span class="ff4">ḫ</span>eduanna in der zitierten Überset­zung von Hallo anführen.</div> &nbsp;<div><span class="ff7"> </span></div> &nbsp;<div>Etwa zeitgleich mit Moorey beschäf­tigt sich <b><i>Charles L. Redman</i></b> in seiner Mono­gra­phie <i>The Rise of Civilization </i>(1978) auch mit dem <i>Royal Cemetery </i>in Ur, jedoch von ande­ren Problemstellungen als Moorey aus­gehend. Redman bezieht die Befunde der <i>Royal Tombs </i>auf Fragen der Konstituierung von Herrschaft und bemerkt, dass "auch wenn nachgewiesen werden kann, dass reli­giöse Zeremonien mit dem Auftauchen und Verschwinden von Menschen- (und Sach-) opfern in großem Umfang in der zweiten Hälf­te der frühdynastischen Zeit zusammen­hingen, so erklärt diese Dokumentation doch nicht hinreichend, warum das Phäno­men auftrat" (Redman 1978: 297). Seine zentrale These lautet: Die aus den materiel­len Befunden deduzierbaren Bestattungsri­tu­ale der <i>Royal Tombs </i>sind politische Ritua­le, die der Stabilisierung und der Fort­setz­ung bestehender Herrschaftsverhält­nis­se dien­ten (dienen sollten). Die Strategie der Verschwendung respektive Zerstörung von Res­sour­cen (Waren und Menschen) muss folgerichtig in Hinblick auf die symbolische Konstruktion von Herrschaft im frühdynas­ti­schen Ur untersucht werden. Seine Argu­men­te zusammenfassend notiert Redman: " Die besondere Bedeutung, die diese opulen­ten Bestattungen für die Entstehung der welt­lichen Macht hatten, war wohl eines von vielen Instrumenten [Redman geht davon aus, dass in der <span class="ff4">Ğ</span>emdet-Na<span class="ff4">ṣ</span>r-Zeit und in der FD-I-II-Zeit die Macht bei den Tempel­eliten lag]. Die Könige waren mächtig ge­nug, um während ihrer Regentschaft große Mengen an Reichtum anzuhäufen, aber die Institution war nicht so mächtig und gere­gelt, dass sie sich selbst erhalten konnte. Es waren immer noch Rituale erforderlich, um die Autorität des Königs in Zeiten der Nach­folge aufrechtzuerhalten. (...). Die kurze Periode der Menschenopfer zeigt auch die Macht und den Reichtum der neuen herr­schenden Klasse und wie weit sie gehen wür­de, um ihre Macht zu erhalten. Was in klei­nem Rahmen begonnen hatte - das rituelle Op­fern von Reichtum im Tausch gegen einen anerkannten Status - wurde immer wei­ter ausgebaut, bis es schließlich große Bedeu­tung erlangte. Die Nachfolge der Kö­ni­ge schien gesichert zu sein, allerdings zu einem hohen Preis in wirtschaftlicher und mensch­licher Hinsicht" (Redman 1978: 298). Und weiter: "Als die Position des Königs in der zweiten Hälfte der frühdynastischen Pe­ri­ode fester etabliert war, gab es weniger Not­wendigkeit für diese verschwenderische Form der rituellen Bestätigung". (Redman 1978: 298).</div> &nbsp;<div><span class="ff7"> </span></div> &nbsp;<div><b><i>Petr Charvát</i></b> hat sich 1982 zum <i>Roy­al Cemetery </i>in einem längeren Aufsatz geäu­ßert. In seiner 2002 publizierten Monogra­phie <i>Mesopotamia before History </i>befasst er sich mit diesem noch einmal unter verän­der­ter Perspektive. Im 1982 veröffentlichten Ar­tikel <i>Early Ur - War Chiefs and Kings of Early Dynastic III </i>beschäftigt sich Charvát mit dem Zustandekommen der reichen In­ven­tare der <i>Royal Tombs </i>und mit der Frage der Identität der Hauptbestattungen. Das Ergebnis seiner Untersuchungen lautet: "Der "königliche Friedhof" zeugt von der immensen Menge an Schätzen, die in frem­den Ländern gewonnen wurden, während die Gräber, in denen die Reichtümer kon­zen­triert sind, als die der Kriegshäuptlinge oder ihrer engsten Verwandten gedeutet wer­den können" (Charvát 1982: 52). Die Argu­mente lauten: 1. Es fehlen Hinweise für eine Intensivierung der Landwirtschaft im ED-III-zeitlichen Ur. Im Gegenteil, so Char­vát, "Es wurde festgestellt, dass die zu­nehmende Versalzung des Bodens, die durch intensive Bewässerung verursacht wurde, zu unerwünschten Ergebnissen führte, die be­reits um 2500 v. Chr. spürbar waren: Die landwirtschaftlichen Erträge gingen zurück, es gibt Hinweise auf Unkraut im Mais und die Umstände, die dazu führten, dass die Ger­ste, die toleranter gegenüber dem Salz­gehalt des Bodens ist, dem Weizen vor­ge­zogen wurde." (Charvát 1982: 45). Die Erwirt­schaftung eines ökonomischen <i>surplus </i>wäre aber die Voraussetzung für eine Aus­weitung und Verstärkung des Handels gewe­sen. Charvát: "Nun ist bekannt, dass die Sume­rer im Austausch gegen fremde Mate­rialien nur landwirtschaftliche Produkte anbie­ten konnten. Um alle genannten Mate­rialien [= Metalle und Halbedelsteine] zu erhal­ten, hätte die Landwirtschaft in Ur erheb­lich intensiviert werden müssen. (...) Kurzum, es scheint unwahrscheinlich, dass der Reichtum von ED III Ur durch wirt­schaftliche Intensivierung oder durch Han­del angehäuft wurde" (Charvát1982: 45). Wahr­scheinlich ist deswegen, so der Autor, dass der in den Gräbern des <i>Royal Cemetery </i>angetroffene Reichtum zustande kam durch "militärische Ausbeutung fremder Länder, mög­licherweise direkt durch bewaffnete Ak­tionen gegen sie und indirekt durch die Erhe­bung von Tributen und den Erhalt von Geschenken als Zeichen politischer Bünd­nisse" (Charvát 1982: 46). Charvát weiter: "Abgesehen von den tatsächlichen Waffen­funden hilft uns hier die Standarte von Ur, eine Bildquelle von größter Bedeutung. Dies wird durch mehrere Darstellungen von Kampf- und Tributszenen (?) auf Siegelab­drücken unterstützt, die im SIS 4-5 gefun­den wurden und die das Substrat mit "Kö­nigs­­gräbern" unterlegen und zeigen, dass der Prozess der Militarisierung während ED II begann." (Charvát 1982: 47). Charvát führt nunmehr aus, dass die Darstellung der urä­ischen Armee in den entsprechenden Bilder­folgen der 'Standarte' " ihre erklärte Rolle als Angriffstruppe zeigt und ihre Aggressivität deutlich macht. Da die Ur-Armee in erster Linie als Angriffstruppe konzipiert war, fehl­te es ihr an geeigneten Einrichtungen zur Verteidigung." (Charvát 1982: 47). Insbe­sondere weist Chárvat in diesem Zusammen­hang auf das Fehlen von Schildern hin und führt weiterhin an, dass Kampfwagen, wie er meint, zwar eine ausgezeichnete Angriffs­waffe seien, nutzlos aber in Hinblick auf ei­ne Verteidigung. Charvát weiter: "Erfolgrei­che Feldzüge im Ausland müssen das An­sehen und die Autorität von fähigen und effi­zienten Kriegsführern erhöht haben (...) und sie müssen Veränderungen in der Um­ver­teilung des Reichtums durch eine diffe­renzierte Aufteilung der Beute und der Ge­win­ne aus den Tributen der eroberten Län­der bewirkt haben. (...) Die ungleiche Ver­tei­lung des Reichtums innerhalb der Gesell­schaft gab reicheren Individuen die Mög­lich­keit, private Grundstücke zu erwerben." (Charvát 1982: 50). Die bereits in der ED-II-Zeit beobachtbare soziale Stratifizierung der uräischen Gesellschaft schreitet solcher­weise voran. Gleichzeitig eröffnen sich für den "war chief", der ursprünglich ein Ange­hö­riger des Tempelhaushaltes gewesen sein muss, so Charvát, sukzessiv Möglichkeiten zum Ausbau seiner Machtbasis mit der Op­tion, ein vom Tempel unabhängiges Macht­zentrum zu erschaffen, welches auf militä­rischer Macht und der Abhängigkeit, der Treue und der Verpflichtung von Individuen basiert, die ihre Privilegien dem "war chief" verdanken. </div> &nbsp;<div><span class="ff7"> </span></div> &nbsp;<div>20 Jahre später spricht Charvát im Rah­men seiner oben genannten großen Mono­­graphie hinsichtlich der Identität der Hauptbestattungen der <i>Royal Tombs </i>nur noch sehr unspezifisch von "charismatic per­sons" respektive "charismatic leaders" (Char­vát 2002: 227-228). Die Befunde der <i>Royal Tombs </i>bezieht Charvát nunmehr auf Prozes­se der Institutionalisierung von Herrschaft und zwar auch im Sinne einer Selbstdefi­nie­rung und Ausformulierung des Statuses der gesellschaftlichen Elite(n) Urs. Die in den Befunden sich abzeichnenden Glaubensvor­stellungen verbindet Charvát dabei mit eli­tä­ren Anstrengungen, welche auf eine Sakra­lisierung von Herrschaft abzielen. Charvát: "Wir können unsere Beobachtungen zusam­menfassen, indem wir vermuten, dass die Generation charismatischer Persönlichkei­ten beiderlei Geschlechts - Begriffe wie Kö­ni­ge oder Priester entbehren jeglichem nach­weisbaren sozialen Kontext für das fragliche Zeitsegment -, die in den 'Königsgräbern' von Ur bestattet wurden, eine komplexe so­zia­le Operation durchführten, deren ulti­ma­tive strategische Perspektive (...) eine radi­ka­le Transformation der aktuellen sozialen Si­tu­a­tion und die Aufrechterhaltung ihres ei­ge­nen Status war. Ausgehend von ihrem Pres­tige, das sowohl auf traditionellen (ver­wandtschaftlichen?) Werten als auch auf persönlichen Leistungen beruhte (...), ging­en sie dazu über, die Masse der Bürger von Ur - oder zumindest ihre eigenen Haushalte - in einen gigantischen Oikos einzuordnen, in dem sie sich selbst die zentralen Positio­nen zuwiesen und der einen beträchtlichen wirtschaftlichen Aufwand entwickelte, um seine soziale Struktur in den äußerlich sicht­baren Zeichen kostbarer Materialien zu ver­schlüs­seln. Indem sie die (übernatürlichen?) Kräfte vor allem des weiblichen Teils der Be­völ­kerung mobilisierten, sorgten sie für die Heiligung des entstandenen Gesell­schafts­körpers, indem sie sein postmortales und damit ewiges Modell in die Unterwelt stell­ten. Einige der auf dem Friedhof von Ur aufgebahrten Verstorbenen sollten sich zu­min­dest eine Zeit lang von der Nahrung er­näh­ren, die sie erhalten hatten (als 'viati­cum'?), wie z.B. Schalen mit Fisch, Schaf-/Ziegenkeulen und getrockneten Äpfeln oder alternativ Äpfeln und Brot (...) und sogar Fei­gensaft in einem silbernen Gefäß, das ei­ne Wasserschale imitierte (...). Die Toten setzten also ihre Existenz in der Unterwelt fort, und die gesamte Ur-Situation erhält Zü­ge, die auf eine Vergötterung der lokalen Elite hindeuten, die als Konstrukteur der be­ste­henden sozialen Ordnung wahrgenom­men wird (...)" (Charvát 2002: 228).</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Hinsichtlich der 'Mitbestattung' der sog. Gefolgsleute vertritt Charvát die Mei­nung, dass die Hauptbestattungen "könnte von Leichen umgeben gewesen sein, die "für diesen Anlass aufbewahrt" wurden und zu Menschen gehörten, die unbedingt in der Nä­he von Personen beigesetzt werden woll­ten, deren charismatische Bedeutung wahr­scheinlich von der gesamten Gemeinschaft anerkannt wurde" (Charvát 2002: 226). Begründung: DieArgumentation Woolleys hin­sichtlich des Zustandekommens des To­des der sog.Gefolgsleute (Gifttrankgabe) ist hinfällig, denn zwischenzeitlich steht fest, dass ein Trinkgefäß zur Grundausstattung ei­nes bzw. einer Toten gehörte (gehören soll­te). DieTrinkgefäße, welche bei den sog. Gefolgsleuten gefunden wurden, können so­mit nicht als Beweis für eine Gifttrankgabe interpretiert werden.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Aufgrund der Befunde des Dorf­fried­hofes von Tall Ahmad al Hattu (ED I; Ost­tigrisgebiet) und deren Interpretation durch Sürenhagen und Eickhoff, kommt <b><i>Dietrich Sürenhagen</i></b> in seinem 2002 in der Festschrift Oates veröffentlichten Beitrag <i>Death in Meso­potamia: The 'Royal Tombs' of Ur Revisited </i>in Hinblick auf die Befunde der <i>Royal Tombs </i>zu zwei grundsätzlichen Frage­stellungen: 1. Handelt es sich bei diesen Grä­bern tatsächlich um die Gräber von "high ran­king people with 'servants'"? 2. Fanden die Bestattungen einer Schachtgrabanlage tat­sächlich gleichzeitig statt? Sürenhagen verneint und vertritt stattdessen die Auf­fas­sung, dass die <i>Royal Tombs </i>"multiple buri­als, i.e. collective graves" waren; die Bestat­tung­en einer Anlage seien nicht simultan er­folgt. Bezogen auf RT.1054 schlägt Süren­hagen in Verneinung der Vorgaben Wool­leys vor: "(...) Eine viel plausiblere Annahme ist, dass die so genannte Hauptbestattung nur die der zuletzt bestatteten Person ist und die Skelettreste im Vorhof (vielleicht auch die Opfergaben) frühere Bestattungen in der Kammer darstellen. Eine entsprechende Interpretation erscheint auch für das Zweikammergrab RT.777 möglich, dessen kleinere Kammer Schädeldepots enthält " (Sürenhagen 2002: 332). Bezogen auf die RTs.789/800 argumentiert Sürenhagen, dass im Falle von RT.789 das Skelett der Haupt­bestattung nicht im Zusammenhang einer Beraubung der Grabkammer mitgenommen wurde, sondern: "Die Überführung des Leich­nams in ein anderes Grab ist ebenso denk­bar. Daraus folgt, dass es sich bei den zahlreichen Schädeln außerhalb der Grab­kammer eher um Ablagerungen von Schä­deln handelt als um ursprünglich intakte Über­reste von In-situ-Bestattungen. Wenn diese Interpretation (...) zutrifft, dann kön­nen die Mehrfachbestattungen in Ur nicht als Überreste von Höflingen oder könig­li­chen Dienern angesehen werden, die zusam­men mit ihrem Herrn oder ihrer Herrin in den Tod gingen, sondern als Zweitbestat­tungen von Leichen, die möglicherweise ursprünglich an einem ganz anderen Ort bestattet worden waren. Wenn diese Inter­pretation zutrifft, dann ist die bisherige Zu­ord­nung zum Hauptbegräbnis der Soldaten und der beiden am Ende des Dromos bestat­teten Wagen ungültig" (Sürenhagen 2002: 336). Bezogen auf RT.800 vertritt Sürenha­gen den Standpunkt, dass das Skelett auf der Bahre – also die Bestattung der Königin Pû'­abī - lediglich die zuletzt in der Grab­kam­mer beigesetzte Bestattung sei. Süren­ha­gen: "Es wäre nicht gerechtfertigt, alle Opfer­ga­ben in der Kammer, die zu einem Haufen zu­sammengeschoben worden waren, dieser Leiche zuzuschreiben. Es waren auch die Überreste anderer Skelette vorhanden, und einige der Gegenstände könnten ursprüng­lich zu ihnen gehört haben. Die Situation im Vorhof und im unteren Teil des Dromos (...) spricht eher gegen als für eine gleichzeitige Bestattung aller Leichen und Ablage aller Opfer­gaben" (Sürenhagen 2002: 336).</div> &nbsp;<div><span class="ff7"> </span></div> &nbsp;<div>Jüngst hat <b><i>Gianni</i> <i>Marchesi</i></b> die Frage "<i>Who Was Buried in the Royal Tombs of Ur?</i>" (2004) erneut gestellt und sie vorrangig mit­tels einer Untersuchung des epigraphischen Quellenmaterials zu beantworten gesucht. Mar­chesi beginnt mit einem Resümee des Forschungsstandes zur gestellten Frage. Sei­ne Argumentation entwickelt er dann vor­rang­ig in Auseinandersetzung mit den von Moo­rey 1977 eingenommenen Positionen. Hinsichtlich Mooreys Argument, dass der Status und damit die zugestandene Form der Grabanlage sowie die Anzahl der sog. Ge­folgs­leute einer männlichen Hauptbestat­tung abhängig gewesen sein mag von ihrem "divine or semi-divine status", bemerkt Mar­chesi nach ausführlicher Sichtung der ein­schlägigen schriftlichen Quellen, dass es für die Zeit vor Narām-Sîn (von Akkade) keiner­lei Hinweise auf eine Vergöttlichung von Herr­schern zu ihren Lebzeiten gibt. Mar­che­si: "Der König wurde in der ED-Zeit ideo­logisch noch als derjenige konzipiert, der von der Gottheit unter vielen auserwählt worden war. Er war "der gute Hirte", der Amts­träger, der dazu berufen war, das Ver­mögen der Gottheit zu verwalten. Natürlich war er eine herausragende Persönlichkeit, die von den Göttern selbst geschaffen und erzogen wurde, aber dennoch ein Mensch." (Marchesi 2004: 168-169). </div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Die von Moorey erneut ins Spiel ge­brachte Möglichkeit, dass die sog. Gefolg­schafts­­bestat­tungen aufgrund eines gött­li­chen oder gottähnlichen Status der männ­li­chen Hauptbestat­tungen vorgenommen wur­­­­den, weist Marchesi somit zurück. Er argu­mentiert in diesem Zusammenhang, dass es aber wahrscheinlich ist, dass die herr­schende Elite von Ur sicherlich Ver­su­che unternommen hat, den hierarchischen Abstand zwischen ihrer Position und der 'Gemeinschaft' zu vergrößern; die <i>Royal Tombs </i>seien wahrscheinlich vor diesem Hinter­grund zu interpretieren. Wie darge­legt erklärt Moorey den Status einer weibli­chen Hauptbestat­tung über deren Beziehung zum Gott Nanna, also darüber, ob sie in ihrem Leben als "wife" dieses Gottes fun­gier­te und somit die Position einer Hoheprieste­rin des Gottes erfüllte. Marchesi notiert hier­zu: "Das Amt der Hohepriesterin des Nanna ist in der Tat für die ED-Zeit belegt. Damals wurden Frauen, die mit diesem Amt ausgestattet waren, als (nu)nunusx (MUNUS) (nus)-zi-(d)nanna bezeichnet. Doch keine der Damen, deren Siegel auf dem königli­chen Friedhof von Ur gefunden wurden, trägt diesen Titel" (Marchesi 2004: 170). Bezüglich des im RT.1237 gefundenen Siegels mit der Inschrift "dumu-giparx (KI­SAL)" argumentiert Marchesi, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Personen­namen handelt und nicht um einen Titel. Der Name "Kind des Gipar" würde dann belegen, dass es im Frühdynastikum in Ur ein <i>gipāru </i>(später: Wohnsitz der Pries­ter­innen des Nanna) gegeben hätte, jedoch sei ein einzeln im Grabschacht liegendes Sie­gel mit dieser Inschrift keinesfalls ein Be­weis dafür, dass die Hauptbestattung dieser Anlage respektive weibliche Hauptbestat­tung­en der <i>Royal Tombs </i>schlechterdings Hohe­priesterinnen gewesen seien. In jedem Fall bedeutet das Zeichen 'NIN', laut Mar­chesi besser als 'ereš' zu lesen, "lady" (akk. <i>bēltu</i>) oder "queen" (akk. <i>šarratu</i>) - es gibt keinen Beleg für "EREŠ/NIN as a logogram for 'high priestess'" (Marchesi 2004: 177). Vergleiche beispielsweise die Inschrift des Sie­gels der Nintur (auch Ninbanda gelesen): nin-tur ereš / dam mes-an-né-pà-da, "Nintur, Königin, Gattin (dam) von Mesanepada" so­wie die schon zitierte Inschrift eines Metall­gefäßes aus dem Grab PG.755: nin-tur ereš, "Nintur, Königin". "Daher", so Marchesi, "kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass Pū-abum459 [= Pû-abī; HV] auch eine Königin von Ur war " (Marchesi &nbsp;2004: 176). Selbstverständlich lässt sich spekulieren, ob die Königin nicht auch als eine Hoheprie­ste­rin des Nanna agierte. Tatsache ist aber: " Das Siegel von Pū-abum weist sie als König­in und nicht als Hohepriesterin aus, und als Königin wurde sie mit solcher Pracht und mit der Ermordung ihrer Dienerschaft be­stat­tet." (Marchesi 2004: 176).</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Hinsichtlich der von Moorey zitier­ten Passage aus <i>The Exaltation of Inanna </i>= NIN ME ŠARA - Mooreys argumentativer Hauptstütze - notiert Marchesi, dass die betreffenden Zeilen inzwischen anders gele­sen werden. Wie Marchesi ausführt, grün­de­te die Übersetzung von Hallo auf einem einzigen Manuskript. Zwischenzeitlich sind mindestens sechs weitere Manuskripte dieses Textes bekannt, die aber in der entschei­den­den Zeile (Z. 99) nicht ì-ug5-ge-dè-e· schrei­ben, sondern vielmehr ì-ug5-gedè- en "Ich werde sterben". Šìr kù-g̃á-ke4-e· bedeutet auch nicht, so Marchesi, "bei (dem Klang) meines heiligen Liedes", sondern vielmehr "wegen meines heiligen Liedes". Folglich müsste die betreffende Zeile erst recht re­kon­struiert und übersetzt werden: ·ìr kù-g̃á-ke4-e· ì-ug5-ge-dè-en Soll ich wegen meiner heiligen Lieder sterben?" (Marchesi 2004: 173).</div> &nbsp;<div>Zurecht notiert Marchesi: "So inter­pre­tiert, hat es eigentlich überhaupt keine Verbindung zu dem was einige Jahrhunderte zuvor auf dem königlichen Friedhof von Ur geschah " (Marchesi 2004:174).</div> &nbsp;<div><span class="ff7"> </span></div> &nbsp;<div>Marchesi: "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die verfügbaren epigraphi­schen Zeugnisse es uns erlauben, nur zwei der Hauptbewohner der sogenannten Kö­nigs­gräber mit Sicherheit zu identifizie­ren: beide waren Königinnen [Pû-abī (RT. 800); Ašusikildingir462 (RT.1050)]. Der un­be­nann­­te Mann, der in PG 755 bestattet wur­de, war aller Wahrscheinlichkeit nach kein König, sondern ein Kronprinz. So spär­lich die Belege auch sein mögen, die für die­se Gräber vorliegen, so sehr stützen sie doch die ursprüngliche Annahme Woolleys, dass es sich bei den durch rituelle Tötungen und gebaute Kammern gekennzeichneten Grä­bern tatsächlich um königliche Denkmäler handelt." (Marchesi 2004: 185-186).</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs37lh1-5">U</span><span class="fs12lh1-5">rsula Hellwag (1998) berichtet über die Funde von Menschenopfern durch </span><b class="fs12lh1-5"><i>Leh­­­mann-Haupt</i></b><span class="fs12lh1-5"> in Urartu: Von Lehmann (damals noch ohne -Haupt) stammt auch die erste Mitteilung über das sogenannte "To­ten­haus" aus Toprakkale, das Zimansky mit den Knochenfunden von Bastam vergleicht, er zitiert jenen wörtlich: "Dasselbe befindet sich auf dem westlichen Hang des Toprak­kaleh-Felsens, südlich von der Südwestfront des Tempels gelegen, etwa auf der halben Höhe des Hanges, und repräsentirt eine lang gestreckte Anlage. "Haus" darf man es ei­gentlich nicht nennen, weil nur an der öst­lichen, sich an den Fel­senhang anlehnenden Seite Mauerwerk, und zwar solches aus schö­nen Hausteinen, strek­kenweise bemerk­bar ist, während auf den anderen 3 Seiten bisher keinerlei Mauerwerk nachzuweisen, höchst wahrscheinlich auch keins vorhanden gewesen ist. In dem hier am Bergeshange aufgehäuften Erdreich be­merkt man grosse Lagen von menschlichen Knochen, unter­mischt mit zahlreichen Thier­knochen; diese Lagen laufen mit dem Berghange parallel, also schräg hinab, und sind von einander durch 30 bis 40 cm tiefe Erd- und Lehm­schich­ten geschieden. Wir zähl­ten an einer Stelle 4 solcher Schichten; an anderen, tie­feren, mögen 6 bis 7 Schich­ten vorhanden ge­wesen sein." Lehmann be­schreibt im Fund­zusammenhang zahlreiche Gefäßscher­ben von Pithoi und Krügen, ver­ziert und mit Maßangaben, von denen er vermutet, daß sie schon vor den "Leichen" hier zer­schla­gen abgelegt worden waren. Dann fährt er fort: "Die einzelnen Knochen­schich­ten sind für eine Lage menschlicher Leichen meist viel zu dick; es scheint, dass dort meh­rere Körper übereinander liegen. Was be­son­ders auffäl­lig ist, ist der Umstand, dass fast gar keine menschlichen Schädel oder Überreste der­selben hier gefunden wer­den; es scheint danach fast so, als ob alle, oder doch fast alle hier beigesetzten Leichen (mit verschwindenden Ausnahmen) die von Ent­haupteten gewesen seien, deren Köpfe an­der­weitig placirt wurden." Weil der Tempel so nahe liegt, denkt Lehmann an Menschen­opfer, die man dort dem Gott ijaldi darge­bracht habe. Diese Interpretation wird von den Fachleuten inzwischen allgemein abge­lehnt. Aus seiner Fundortbeschreibung und dem Material selbst lassen sich nur schwer sachliche Schlüs­se ziehen oder Vergleiche an­stellen, eher lädt beides zu weiteren Spe­kulationen ein.</span></div> &nbsp;<div>1931 wiederholt Lehmann-Haupt sei­nen Erstbericht, das "Totenhaus" tauft er um in "Totenterrasse", sonst aber reichert er die Interpretation weniger mit sachlichen Er­­gän­­zungen als mit zahlreichen Vermu­tung­en über das "urartäische Menschen­op­fer" an, das er auch in der urartäischen Lite­ra­tur nachweisen möchte (468-477). Dieser Be­leg beruht aber auf einer falschen Lesung (van Loon 1966, 41; vgl. auch Zimansky 1979, Ar­chaeology 32 11/12, 53; 1988, Bastam II, 120).</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs37lh1-5">G</span><span class="fs12lh1-5">ing es bereits an anderer Stelle</span><span class="fs12lh1-5 ff1">[5]</span><span class="fs12lh1-5"> um die Assyrer, genauer um Assurbanipal und sein Zitat vom „Dahinschlachten der Fein­de“ als Menschenopfer für seinen Großvater Sanherib, so sieht das </span><b class="fs12lh1-5"><i>Akio Tsukimoto</i></b><span class="fs12lh1-5"> in seinem Bericht „Untersuchungen zur Toten­pflege (</span><i class="fs12lh1-5">kispum</i><span class="fs12lh1-5">) im alten Mesopotamien“ in der Zeitschrift „Alter Orient und Altes Tes­tament“ Band 216, etwas anders:</span></div> &nbsp;<div>Assurbanipal hat später in seinen An­nalen berichtet, daß er bei der Eroberung der sich gegen ihn empörenden Stadt Baby­Ion die Leute, die dort noch am Leben ge­blie­ben waren, bei den Kolossen nieder­metzelte, und zwar "bei der Totenpflege für ihn", nämlich für seinen Großvater Sanhe­rib, der wahrscheinlich auch bei den Kolos­sen ermordet worden war: „Die übriggeblie­benen Leute - beim Stierkoloß, wo man (od. sie) Sanherib, meinen Großvater, meinen Erzeuger, niedergeschlagen hatte(n), diese Leute habe ich nun dort bei der Totenpflege für ihn niedergeschlagen.“</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Das Hinschlachten der Leute "bei der Totenpflege" ist hier meiner Meinung nach eine literarische Formulierung von dem Vergeltungsakt Assurbanipals für sei­nen ermordeten Großvater. Der Text soll nicht so gedeutet werden, daß Assurbanipal hier seine Feinde hingeschlachtet und sie als "Menschenopfer" zum <i>kispum</i> für Sanherib dargebracht hat. Das Hinschlachten der Fein­­de und das Darbringen des <i>kispum</i> für Sanherib sind zwei verschiedene Taten des Assurbanipals. Auf jeden Fall kann man aus dieser Stelle des Textes das Ehrfurchtsgefühl Assurbanipals gegen seinen verstorbenen Großvater ablesen<span class="fs9lh1-5 ff2">.</span></div> &nbsp;<div><span class="fs9lh1-5 ff2"> </span></div> &nbsp;<div>A.R.W.Green hat versucht, die Spu­ren des Menschenopfers in Mesopotamien hauptsächlich archäologisch festzustellen. Ders., <i>The Role of Human Sacrifice in the Ancient Near East</i>, Missoula 1975. Als ein­zi­gen schriftlichen Beleg für das Men­schen­opfer in Mesopotamien zitiert er offen­sicht­lich diese Stelle (Asb. Pr.A iv 70ff.), oh­ne daß er den Text nachprüft (er verwechselt dabei Assurbanipal mit Asarhaddon). Wie­ter in denselben Annalen trifft man auf den auffallenden Bericht über eine Vernich­tungs­aktion Assurbanipals, der die Gräber der elamischen Könige zerstörte: „Die Grä­ber von ihren früheren und späteren Köni­gen, die Assur und Ischtar, meine Herren, nicht gefürchtet hatten, die die Könige, mei­ne Väter, beunruhigt hatten, habe ich zer­stört, zerkratzt und die Sonne sehen lassen. Ihre Knochen schleppte ich nach Assur. Ich gab ihren Totengeistern Ruhelosigkeit. Ich beraubte sie ihrer ‚Totenpflege‘ (und) Was­serlibation“ (Ende Zitate von Tsukimoto).</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Ich möchte ergänzen, dass Assurba­ni­pal die gefangenen Prinzen der besiegten Elamer dazu zwang, selbst die Knochen­müh­le zu betätigen, in welche die Gebeine ihrer Vorfahren geschüttet wurden, um sie zu zermahlen, zu zerstreuen und so ihrer Toten­ruhe zu berauben. Das ist es, was er mit denWorten umschreibt, „Ich gab ihren Totengeistern Ruhelosigkeit“.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</div><div><span class="fs36lh1-5">Z</span><span class="fs12lh1-5">usammenfassend lässt sich sagen, dass die älteste Religion der Menschheit, der sumerische Urglaube, ein humanistischer Glau­­­be war und daher natürlich keine Men­schenopfer kann­te. Diese Praktiken sind – wenn überhaupt - wohl erst in den späteren semi­tischen und hamitischen Reli­gio­nen ent­­stan­den. Die semitischen Völker in der unmittelbaren Umgebung der Sume­rer, also die Akkader, Babylonier und Assy­rer, waren gegen solche Entartungen ebenso gefeit wie die Sumerer selbst, denn sie folg­ten den su­me­­rischen Kulten und der dahin­ter ste­hen­den Theologie getreu. In Syrien oder Kar­­t­ha­go mag es vereinzelt Menschenopfer­kulte gegeben haben. Aber selbst das ist wis­sen­schaftlich keineswegs unumstritten, und der Beweis steht und fällt manchmal nur mit der "Lesart" einzelner Worte einer Inschrift.</span></div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div>Zu einem massiven Problem wird die Praxis der Menschenopfer groteskerweise in der histo­risch jüngeren griechischen Antike, die sonst gemeinhin als human und philoso­phisch aus­gerichtet gilt. Eine besondere Rol­­le, ja oft den einzigen Anlass zur Dis­kus­sion, spielt die Polemik einiger alttesta­ment­licher Autoren, die nicht müde wurden, die anti­ken altorientalischen Religionen als min­derwertig und absto­ßend darzustellen, natürlich regelmä­ßig gar­niert mit dem er­fun­denen Vorwurf von Men­­schenopfer­kul­ten.</div> &nbsp;<div>Dank der unermüdlichen Arbeit der Religions­wis­sen­­­schaf­ten, der Altorientalistik und der vor­­derasia­ti­schen Archäologie in den letzten 100 Jah­ren, hat sich der Schleier über einer Epoche gelüftet, von der man uns glauben machen wollte, sie sei dunkel und grausam gewesen. Heute können wir die Wirk­lich­keit unver­zerrt sehen, und sie zeigt sich überall hell und licht. Es ist eine große Genugtuung und ein Zei­chen für bessere Zeiten, dass es den JHWH-Eiferern und Ver­leumdern des tra­ditio­nel­len Glaubens nicht gelungen ist, die Wahr­heit für immer unkenntlich zu ma­chen. Ebenso müssen wir denen dankbar sein, die uns darauf auf­merk­sam gemacht ha­ben, dass Herodot und ande­re griechische Auto­ren sich in ihren mesopo­tamischen Reise­beschreibungen jeden Bären aufbinden ließen, ohne sich auch nur die gerings­te Mühe zu machen, eigene Nachfor­schungen anzustellen. Es bleibt ein Rätsel, warum sich selbst moderne Wissenschaftler so lange auf diese Schwindeleien verlassen haben.</div> &nbsp;<div>In beiden Fällen stellt man mit Be­stürzung fest, wie hartnäckig sich Tradi­tio­nen halten und wie wenig der Einzelne da­gegen gewappnet ist, willkürlich erfunde­nen Geschichten auf den Leim zu gehen - man muss da die aktuellen Gefahren einer "künst­lichen Intel­ligenz" gar nicht erst heraufbe­schwö­­ren. Man kommt wohl nirgendwo um­hin, bei der Erschließung historischer Wis­sens­gebiete künftig im besten Sinne dekon­struk­­­tivis­tisch vorzugehen.</div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div> </div> &nbsp;<div><!--[if !supportFootnotes]--><br clear="all"> &nbsp;<hr align="left" size="1" width="33%"> &nbsp;<!--[endif]--> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div><div><!--[if !supportFootnotes]--><span class="fs10lh1-5 ff1">[1]</span><!--[endif]--> Jan Assmann, „Vom Poly- zum Mono­theis­mus. Originalveröffentlichung in: Volker Ger­hardt, Klaus Lucas, Günter Stock (Hg.), Evolution. Theorie, Formen und Konsequenzen eines Para­dig­mas in Natur, Technik und Kultur, Berlin 2011, S. 153-164</div><div> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div><div><!--[if !supportFootnotes]--><span class="fs12lh1-5 ff1">[2]</span><!--[endif]--> <span class="fs12lh1-5">Morris Jastrow, 1893, The Religion of Baby­lon and Assyria.</span></div><div> &nbsp;</div><div> </div><div> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div><div><!--[if !supportFootnotes]--><span class="fs10lh1-5 ff1">[3]</span><!--[endif]--> Zeitschrift fürAssyriologie und verwandte Gebiete Bd. 39 (1930) „Menschenopfer bei den alten Sumerern“.</div><div> &nbsp;</div><div> </div><div> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div><div><!--[if !supportFootnotes]--><span class="fs10lh1-5 ff1">[4]</span><!--[endif]--> Franz Böhl wurde ab S. 10ff hier ausführ­lich zitiert.</div><div> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div><div><!--[if !supportFootnotes]--><span class="fs10lh1-5 ff1">[5]</span><!--[endif]--> Franz Böhl, „Menschenopfer bei den alten Sumerern“, zitiert hier auf sSeite 11.</div><div> &nbsp;</div><div> &nbsp;</div></div>]]></description>
			<pubDate>Tue, 26 Dec 2023 13:46:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Inanas Tod und Auferstehung - Ein Ostergeschehen.]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000012"><div class="imTAJustify"><span class="fs18lh1-5 cf1">"I</span><span class="fs14lh1-5">nanas Gang in die Unterwelt" war eine wichtige Erzählung im alten Mesopotamien und handelt von der Göttin Inanna, die sich auf eine gefährliche Reise in die Unterwelt begibt. Diese Erzählung hat im Laufe der Zeit viele Deutungen und Interpretationen erfahren, eine davon hat mit der christlichen Passion und dem Osterfest zu tun. In diesem Aufsatz soll dieser Zusammenhang näher beleuchtet und mögliche Parallelen zwischen den beiden Ereignissen untersucht werden.</span></div><div><br><div class="imTAJustify"><span class="fs18lh1-5 cf1">I</span><span class="fs14lh1-5">nana ist die
sumerische „Königin der Erde und des Himmels“. Sie ist eine Göttin, deren Popularität
seit Jahrtausenden ungebrochen ist. Sie ist eine Persönlichkeit der schärfsten
Gegensätze, weshalb sich an ihr und ihren Kultanhängern die Geister scheiden.
Inana kann sich mit den Huren von Uruk einlassen, aber auch die sittsame
Geliebte ihres göttlichen Freundes sein. Sie tritt als zartes Mädchen auf, aber
auch als wilde Kämpferin in der Schlacht, um den Feinden persönlich den Kopf
abzuschlagen. Den Waisen und Verlassenen ist sie eine zärtliche Freundin und
Ratgeberin, die sich selbstlos für ihre Schützlinge opfert; wer sie sich zum
Feind macht, muss um sein Leben fürchten. Inanas Umzüge und Prozessionen werden
von Transvestiten beherrscht, die mit zotigen Ausrufen und lasziven Bewegungen
den Abscheu der Bevölkerung erregen, ihre Priester müssen mit Fistelstimme
singen und sich weiblich bewegen. Inana selbst verwandelt sich ab und zu in
einen Mann, um später als Frau in Gestalt einer Hure mit 70 Männern zu
schlafen. Inana ist auch eine sehr ehrgeizige Göttin. Um möglichst viel Macht
auf sich zu vereinen, stiehlt sie Enkis „göttliche Kräfte“, nachdem sie ihn
unter den Tisch getrunken hat. Dennoch wagt es kein Mesopotamier, ihr nicht den
höchsten Respekt zu zollen.</span></div></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs18lh1-5 cf1">J</span><span class="fs14lh1-5">esus Christus ist uns allen aus der Bibel bestens bekannt, so dass wir seine Persönlichkeit nicht weiter herausarbeiten müssen. Lassen wir dagegen die Beschreibung der Inana auf uns wirken, so erkennen wir, dass Christus und Inana zwei Wesen sind, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Dennoch wollen wir es wagen, aus dem Kontext des Neuen Testaments wie aus dem der altorientalischen Mythologie zwei Ereignisse, zwei Erzählungen herauszulösen und nebeneinander zu stellen: Die Passion Christi und Inanas „Gang in die Unterwelt“. Trotz aller Unterschiede in Motiv und Handlung finden wir die gleiche Botschaft:</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5">Bereits formal gibt es Parallelen. So ist Christi Passion bekanntlich in 14 Stationen gegliedert. Ebenfalls 14 Stationen finden wir bei „Inanas Gang in die Unterwelt“:</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5"><br></span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">1. &nbsp;&nbsp;&nbsp;Inana begehrt Einlass am Unterwelt-Palais Ganzer</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">2. &nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie durchschreitet das erste Tor und verliert ihren Turban</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">3. &nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie durchschreitet das zweite Tor und verliert ihre Lapislazuli-Kette</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">4. &nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie durchschreitet das dritte Tor und verliert ihr Geschmeide mit den eiförmigen Steinen</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">5. &nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie durchschreitet das vierte Tor und verliert ihr Brustband</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">6. &nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie durchschreitet das fünfte Tor und verliert ihren Ring</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">7. &nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie durchschreitet das sechste Tor und verliert Maßstab und Maßband</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">8. &nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie durchschreitet das siebte Tor und verliert ihr Staatsgewand</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">9. &nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie entkleidet sich vollständig und kauert nieder</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">10. &nbsp;<!--[endif]-->Sie wird vor ihre Schwester Ereschkigal geführt</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">11. &nbsp;&nbsp;<!--[endif]-->Sie stößt Ereschkigal vom Thron und nimmt selbst dort Platz</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">12. &nbsp;&nbsp;<!--[endif]-->Die sieben Anuna-Richter beschließen ihren Tod</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">13. &nbsp;&nbsp;<!--[endif]-->Inana wird getötet</span></div><div class="imTAJustify"><!--[if !supportLists]--><span class="fs14lh1-5">14. &nbsp;&nbsp;<!--[endif]-->Inanas Leiche wird an einen Haken gehängt.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5">Der am Kreuz gestorbene Christus wird ins Grab gelegt. Drei Tage später überwindet er den Tod und erscheint seinen Jüngern. Ähnlich ergeht es Inana: Drei Tage nach ihrem Tod sucht ihre Ministerin Ninschubur die Götter Enlil, Nanna und Enki auf. Die ersten beiden wollen nicht helfen, weil sie der Meinung sind, dass Inana durch ihr törichtes Handeln selbst schuld ist. Nur Enki spricht nicht von Schuld, sondern vom Leid, das ihn berührt. Er erschafft zwei winzige Wesen, die durch jede Ritze und jedes Schlüsselloch dringen können, und stattet sie mit dem Kraut und dem Wasser des Lebens für Inana aus. So versorgt, kann Inana am dritten Tag auferstehen und in einem Triumphzug über den besiegten Tod die Unterwelt lebendig verlassen. Damit ist die Geschichte zwar noch nicht zu Ende, aber in unserem Zusammenhang nicht weiter von Interesse. Wenden wir uns daher gleich der Bedeutung zu, die dieser Erzählung in Sumer und seinen kulturellen Nachfolgern beigemessen wurde.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs18lh1-5 cf1">D</span><span class="fs14lh1-5">azu muss man wissen, dass die gesamte sumerische Mythologie nicht nur ihre regelmäßigen Leser hatte, sondern auch den Rahmen oder Inhalt besonderer Gottesdienste und Feste bildete, bei denen die Erzählungen zum Teil konzertant, szenisch oder opernartig aufgeführt wurden. Ebenso ist belegt, dass die Mythologie auch in besonderen Umzügen thematisiert und vom Volk gefeiert wurde. Man darf sich die sumerische Mythologie also nicht als eine Sammlung von Geschichten vorstellen, die man beliebig wahrnehmen konnte oder auch nicht, sondern muss sie als wesentlichen Bestandteil der Religion begreifen.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5">Wie bei allen Zeugnissen der sumerischen Religion wurden auch zu den mythologischen Erzählungen keine Kommentare gefunden, die die psychologische oder theologische Deutung der Texte erleichtern könnten. So bleibt die Auslegung leider uns überlassen. <i>Hermann Hesse</i> notierte beispielsweise: „Es ist ein Abstieg in die verworrenen Tiefen der Seele, der uns den Weg nach oben weist“. So mag sich Inana gefühlt haben, als sie ein Attribut nach dem anderen abgeben musste, bis sie schließlich schutzlos und nackt vor dem Hauptmann der Torwächter kauerte. Dieses Schicksal hatte ihr ihre Schwester Eresch­kigal bestimmt. Wollte sie damit Inanas Stolz brechen? Wollte sie Inana zur Besinnung bringen? Es wäre naheliegend, aber das haben schon andere vor ihr versucht. So resigniert Enki gegenüber der Göttin bei anderer Gelegenheit: „Du wirst deiner Bewunderer, die zu dir aufschauen, nie müde, schöne Inana: Aber wie man die Seile knüpft, um in die TIEFE zu gelangen - davon weißt du nichts“. Und das bewahrheitet sich sogleich in der Unterwelt. Kaum wird Inana vor Ereschkigal geführt, stößt sie ihre Schwester vom Thron und setzt sich selbst darauf. Archaisch und bedrückend klingt die Schilderung dessen, was dann geschah: „Die Anuna - die sieben Richter - trugen ihren Beschluss gegen sie vor. Sie blickten auf sie - es war ein Blick des Todes. Sie sprachen zu ihr - es war eine Rede des Grolls. Sie schrien sie an - es war ein Geschrei von Beschuldigungen. Die gequälte Frau wurde schließlich in einen Kadaver verwandelt und an einen Haken gehängt“.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs18lh1-5 cf1">D</span><span class="fs14lh1-5">ie spirituelle Bedeutung dieser Erzählung wird heute gern als eine Reise der Selbstentdeckung be­trach­tet. In dem Moment, wo Inana das erste Tor der Unterwelt durchschreitet, verlässt sie die Welt des Lichts und geht ins Dunkel hinab. Dieser Abstieg wird oft als symbolische Reise in die Tiefen unseres Bewusstseins verstan­den. In dieser Erfahrung entdeckt Inana verschiedene Aspekte ihrer Identität und Natur auf eine Weise, die sie zuvor noch nicht gekannt hat. Der Prozess der Unterwelt-Reise kann als Weg der Transformation verstanden werden. Er ist ein spiritueller Leitfaden dafür, dass das Durch­schrei­­ten von dunklen und schwierigen Erfahrungen zu Wachstum und Selbsterkenntnis führen kann.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5">Zum Beispiel hat die bekannte Mythologin und Anthropologin <i>Dr. Clarissa Pinkola Estés</i> diese Geschich­te in ihrem Buch "Die Wolfsfrau – Die Kraft der weiblichen Urinstinkte" aufgegriffen. Sie deutet die Erzählung als einen Weg, um die tiefsten Aspekte unseres Inneren zu erforschen und zu heilen. Auch der Psychologe und Autor <i>Carl Gustav Jung</i> hat Inanas Gang als eine Reise in unser Unterbewusstsein interpretiert. Er sah die Geschichte als einen archetypischen Prozess der Selbstfindung, bei dem die Men­schen sich mit dem Schatten ihrer Persönlichkeit auseinandersetzen müssen, um schließlich ge­stärkt aus dieser Erfahrung hervorzugehen.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs18lh1-5 cf1">D</span><span class="fs14lh1-5">as Prinzip der Selbstheilung und Selbstbefreiung, wie es in modernen Vorstellungen vorkommt, ist der sumerischen Religion unbekannt. Dort kann nur Gott durch seine Gnade und Liebe den Menschen heilen und retten. Auch wenn man nicht generell sagen kann, dass mit der Wende zum Christentum die Macht der eigenen Kräfte höher eingeschätzt wird als der Einfluss Gottes, so zeigen sich doch unter­schiedliche Interpretationen. So sagt Jesus von sich selbst: „Ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33) und „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Johannes 11,25). Eine mögliche Auslegung ist, dass Jesus die Macht hatte, sich selbst von den Toten aufzuerwecken, da er als Sohn Gottes göttliche Kräfte besaß. Man geht also davon aus, dass Jesus sich bewusst entschieden hat, wiederzukommen, um seine Botschaft zu verbreiten. Eine andere, entge­gen­gesetzte Interpretation ist, dass sein göttlicher Vater im Himmel Jesus von den Toten auferweckt hat. Dabei wird angenommen, dass Jesus selbst passiv war und seine Auferstehung das Ergebnis von Gottes Plan war, die Menschheit zu erlösen. Wir sehen also: Der sumerische Glaube an die primäre Allmacht Gottes ist mit der Wende zum Christentum keineswegs verschwunden. Erst mit der Aufklä­rung und erst recht im weiten Spektrum heutiger Psychologie und Esoterik wird Selbstheilung und Selbstbefreiung allgemein ins Auge gefasst und in diesem Zusammenhang nicht mehr von gött­lichen Mächten gesprochen.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs18lh1-5 cf1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs18lh1-5 cf1">H</span><span class="fs14lh1-5">ermann Hesse, Clarissa Estès, Carl Gustav Jung u.a. liefern daher moderne Deutungen der Unter­weltserzählung, die vom sumerischen Verständnis erheblich abweichen. Inanas Selbsterkenntnis auf ihrer Reise führte aber nicht zu ihrer Auferstehung vom Tode. Ihre Existenz wäre beendet gewesen, hät­te sie nicht die Liebe des Gottes Enki wieder zum Leben erweckt. Während die Götter Enlil und Nanna dis­tan­ziert darauf hinweisen, dass Inana selbst an ihrem Schicksal schuld sei und sie deshalb keinen Finger für sie rühren würden, erbarmt sich Enki der Leiden Inanas, ohne nach dem Warum zu fragen, und rettet sie. Sofort beginnt Inanas Aufstieg aus der Unterwelt, und plötzlich treten die schönen und menschlichen Seiten ihres Charakters in den Vordergrund. Das ist die Verwandlung, die sie während ihres Abstiegs erfahren hat.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs18lh1-5 cf1">W</span><span class="fs14lh1-5">enn wir Ostern als das Fest der Auferstehung verstehen, dann ist „Inanas Gang in die Unterwelt“ zweifellos ein Osterereignis, das seinen Platz gleichberechtigt neben der Passion und Auferstehung Christi einnehmen muss. Es ist das viel ältere, ursprünglichere Ostergeschehen, und es fällt auf, dass Tod und Auferstehung Christi, wie sie die Bibel erzählt, nur mühsam in den Ablauf des 3000 Jahre älteren Inana-Mythos eingepasst zu sein scheinen. Wenn wir Ostern über die Auferstehung hinaus auch mit der Rettung der Menschheit durch die Verheißung des ewigen Lebens durch Christus verbinden, dann finden wir keine Parallele mehr zu Inana. Das christliche Osterereignis wäre dann einzigartig.</span></div><div class="imTAJustify"> </div></div>]]></description>
			<pubDate>Wed, 26 Apr 2023 22:11:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Zauberei und Hexenbrut - Der Kampf gegen das Böse]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_00000000B"><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">W</span><span class="fs14lh1-5 ff1">enn man sich die riesige Menge mesopotamischer Schriften zum Thema </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Hexerei und Zauberei</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> vergegenwärtigt - allen voran die heute noch die Fantasie erhitzende Sammlung </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Maqlû</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, auf die wir hier besonders eingehen wollen - wird verständlich, warum viele Gelehrte aus der Anfangszeit der "Assyriologie" glaubten, dass der altorientalische Mensch sich so arg von Zauberern und Hexen bedrängt fühlte, dass er buchstäblich bei jedem Schritt aufpassen musste, sich nicht im Netz des Bösen zu verheddern. Ganz so schlimm war es aber wohl doch nicht. Zu viele Mythen und Erzählungen zeugen von Lebensmut und Lebensglück, als dass man eine permanent angsterfüllte Grundstimmung unter den Menschen des Alten Orients voraussetzen müsste. Dennoch ist richtig, dass Zauberei und Hexerei - also die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">schwarze Magie</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> - für viele Krankheiten und Schicksalsschläge verantwortlich gemacht und unzählige Rezepte und Rituale gesammelt wurden, um diesen unsichtbaren Angreifern Paroli zu bieten. Soweit mir bekannt, findet sich in den Keilschrifttexten aber keine einzige Aufzeichnung zu Praktiken der schwarzen Magie selbst. Es wäre auch ein Wunder, waren doch Hexerei und Schadenzauber im ganzen Alten Orient zu allen Zeiten verboten und mit schwersten Strafen belegt.</span><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ie </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Beschwörungsliteratur</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> gegen Schadenzauber nennt immer wieder </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Hexer und Hexe, Zauberer und Zauberin</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> als Verursacher körperlichen und seelischen Verfalls, wirtschaftlichen Unheils und schwerster materieller Verluste. Der plötzliche Niedergang einer Person und ihrer gesamten Existenzgrundlage wird oft in sogenannten </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Diagnosetexten</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> bis in alle Einzelheiten beschrieben und mit diesen </span><em class="fs14lh1-5 ff1">bösen Mächten</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> in Verbindung gebracht. Aber überraschender Weise wird nie eine Hexe, ein Hexer aufgegriffen, vor Gericht gestellt und bestraft, nie ein Schadenzauberer identifiziert und überführt. Grausame Hexenverfolgungen und -Prozesse wie in Europa in der Renaissance und der Barockzeit waren in Sumer, Agade und Babylonien unbekannt. Aber der Lebenswandel der Hexe, ihre Herkunft, ihre Psychologie, ihre Ränke und Machtmittel werden unter Schaudern allenthalben geschildert. In den unzähligen Beschwörungstexten wird zwar vom </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Hexengesindel</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> der Zauberer wie die Zauberin erwähnt, das Hauptaugenmerk sitzt aber eindeutig doch mehr auf der weiblichen Hexe. Sie wird mit Attributen versehen wie die Überlegene, die Herumtreiberin, Hure, der Göttin Ischtar bzw. Inana &nbsp;Geweihte, die Samen vergiftende Zerreißerin und Zischerin.</span><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">as </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Hexengesindel</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> wird mit dem Bösen an sich gleichgesetzt. Im Herzen der Hexe wird das </span><em class="fs14lh1-5 ff1">unheilvolle Wort</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> ersonnen, auf ihrer Zunge nistet das </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Verderben</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, von ihren Lippen träuft </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Gift</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, aus ihren Fußstapfen sprießt der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Tod</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Sie ist von Natur aus den gewöhnlichen Menschen weit überlegen. Ihre Augen sind lebhaft und scharfsichtig, ihre Füße laufen behend, Kniee und Gelenke sind weit ausschreitend und ihre Hände ungewöhnlich kunstfertig und beweglich. Dadurch huscht die Hexe mit auffallender Leichtigkeit von Stelle zu Stelle und fängt ohne Schwierigkeit ihre Beute ein. Sie wandelt auf Straßen und Plätzen einher, hält den Verkehr auf, schleicht sich in Privathäuser und öffentliche Gebäude ein. Überall verfolgt sie ihre Opfer. Sie postiert sich an schlecht einsehbaren Stellen, wirft ihr Fangnetz über die Straße, verstrickt darin die Füße des ahnungslosen Wanderers und bringt ihn zu Fall. Ihr Treiben übt sie vorzugsweise des nachts aus, weswegen sie auch die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Fängerin der Nacht</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> genannt wird, und sie hat es besonders auf </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Männer</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> abgesehen. </span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">In allen Ländern ist die Hexe zuhause, und selbst vor dem Gebirge schreckt sie nicht zurück. Wo aber die Hexe eigentlich ansässig ist, bleibt stets ein Rätsel. Weder ihre Stadt noch ihr Haus - ja, nicht einmal ihren Namen - kennt jemand. Daher fragt der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Beschwörungspriester</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> wieder und wieder: "Wer bist du, Hexe?", aber die Antwort bleibt aus. Häufig treibt sie sich an düsteren, lichtarmen Orten herum, in Ruinen und schattigen Winkeln alter Gemäuer beispielsweise, wo sie ihre perfiden Anschläge ausheckt und vorbereitet. Oft ist sie Ausländerin - eine sowieso schon verdächtige Spezies. "Meine Verhexerin ist eine Gutäerin!" schreit verzweifelt der vom Wahnsinn Gepeinigte, "meine Bezauberin ist eine Elamerin!" flüstert der Zerschmetterte auf dem Totenbett.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">H</span><span class="fs14lh1-5 ff1">exen greifen in alle gefestigten Verhältnisse störend ein und rufen Verwerfungen und Unglück hervor. Sie schonen an ihren Opfern nichts: vom äußeren Habitus bis zu den innigsten Gefühlen, sondern nehmen sie ganz - mit </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Leib und Seele</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> - in ihre Gewalt. Die Hexe zerreißt die Kleidung, zerrupft die Haare, reibt die Haut mit schädlichen Salben ein. Sie nimmt dem Menschen den Atem, verstopft ihm den Mund mit Zauberschnüren und Zauberkräutern, verdirbt sein Essen und Getränk. Sogar in seinem Inneren nistet sich die Hexe ein und ruft dort Krankheiten und Leiden sowohl physischer als auch psychischer Art hervor. Mit Fieber, Wahnsinn, Panik und Herzbeklemmung, Niedergeschlagenheit, Weinen und Wimmern, bösen Träumen und vielem mehr plagt sie ihre Opfer Tag und Nacht </span><em class="fs14lh1-5 ff1">bis zum Tod</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Familienleben und Gesellschaft schont die Hexe ebensowenig. Sie ruft vergiftete Liebe und Hass, Kränkungen und Verleumdungen hervor. Sie stachelt Freund gegen Freund, Bruder gegen Bruder, Kinder gegen ihre Eltern auf und schürt Verfeindungen zwischen Untergebenen und Vorgesetzten. Selbst die Götter reizt sie zum Zorn gegen die Menschen. Mit besonderer Vorliebe stört die Hexe den ehelichen Umgang zwischen Mann und Frau. Unter Vorspiegelung falscher Identitäten verführt sie den Mann - oder der Hexenmeister die Frau - zum außerehelichen Geschlechtsverkehr und bringt sie in ausweglose Situationen. Die Hexe kann selbst die Naturkräfte in Aufruhr versetzen und die Ratschläge der hohen Götter zunichte machen, was bedeutet: sie kann das menschliche Gewissen außer Kraft setzen. Daher hat sie auch die Beinamen "Ermüderin des Himmels" und </span><em class="fs14lh1-5 ff1">"Umstürzerin der Erde</em><span class="fs14lh1-5 ff1">". Übernatürliche Kräfte befähigen die Hexe, sowohl Menschen der Gewalt von </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Dämonen</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> zu überantworten, als auch Dämonen für ihre eigenen Absichten einzuspannen. Die Leiden, die die Hexe herbeiruft, sind häufig typische Erscheinungen des Werks ziemlich genau bestimmbarer Dämonen.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-0" src="https://sumeria.at/images/Daemonen-Beschwoerung.webp"  title="" alt="" width="673" height="243" /><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div></div> <div class="imTACenter"><em>Erscheinung eines Dämons während einer Beschwörung</em></div><div class="imTACenter"><em><br></em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">H</span><span class="fs14lh1-5 ff1">auptmittel der Hexe ist das Wort - in diesem Fall natürlich </span><em class="fs14lh1-5 ff1">das böse Wort</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Auch von Zaubertränken, Zauberschnüren und -Knoten ist verschiedentlich die Rede, womit möglicherweise auch Knebel gemeint sind, mit denen sie ihre Opfer an der Artikulation hindert. Zentrale Bedeutung hat jedoch das "Bild". Das heißt, es wird ein </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Bildwerk</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> des Opfers angefertigt - meist wohl eine Figur - an dem sie dann die verschiedensten symbolischen Handlungen vornimmt bis zur Zerstörung desselben. In Verbindung mit </span><em class="fs14lh1-5 ff1">schwarz-magischen Beschwörungen</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> überträgt sich das Ergebnis solchen Handels dann unmittelbar auf das Opfer selbst. Die Hexe begräbt auch Symbolfiguren ihres Opfers unter Toten, manipuliert sie in Särge oder versteckt sie in verlassenen Gegenden. Sie legt sie nieder auf Türschwellen, in Torwegen oder auf Brücken, damit nichtsahnende Passanten sie versehentlich zertreten, wodurch sogleich der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Tod des Opfers</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> eintritt.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">er </span><em class="fs14lh1-5 ff1">gigantischen Dynamik</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> der Hexenmacht etwas entgegenzusetzen erfordert erfahrene Beratung, klaren Kopf und jeglichen Verzicht auf eigene Machtphantasien. Gleiches mit Gleichem zu vergelten darf niemals ein Thema sein, denn die Hexe, der Hexer, sie enden in der Verdammnis; kann das der Weg der guten Seite sein? Es kann der Hexe zwar gelingen, einen Menschen bei den Göttern zu verleumden, so dass sie ihre Hand von ihm zurückziehen, oder - schlimmer noch - Zorn gegen ihn entwickeln. Doch Wahrheit und Lauterkeit sind dennoch stets zu den Göttern emporgedrungen und haben letztlich über alle falschen Zeugnisse gesiegt. Es ist kein Gott, der nicht von Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe durchseelt wäre. Entsprechend dieser Annahme versuchen alle Rituale gegen Hexerei, die verlorene Gunst der Götter wiederzugewinnen, die Götter zu entschiedenem Handeln gegen die Hexen aufzufordern und die auferlegten Sanktionen zu beenden.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">N</span><span class="fs14lh1-5 ff1">achdem die Maqlû-Tafeln entdeckt wurden, glaubte man lange, es handele sich um eine </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Serie</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, das heißt eine zufällige Zusammenstellung. Heute ist sicher, dass man es mit der vollständigen Liturgie eines kolossalen Großrituals gegen Hexerei und Schadenzauber zu tun hat, die auf 8 Tontafeln mit insgesamt etwa 1.600 Zeilen Text niedergeschrieben wurde. Es sind an verschiedenen Orten etliche Exemplare von Maqlû gefunden worden, so dass es über die zentrale Bedeutung dieses Großrituals keine Zweifel gibt. Aus den Texten erschließt sich, dass diese aufwändige Liturgie zu nächtlicher Stunde mit Fackelschein und Gebet feierlich abgehalten wurde - gerade zu der Tageszeit, in der die Hexen und Hexenmeister ebenfalls am aktivsten waren. Die Gliederung der Maqlû-Tafeln unterstreicht ihren Charakter als </span><em class="fs14lh1-5 ff1">in sich geschlossene Ritualkette</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, in der das Fortschreiten des Rituals über seine verschiedenen Stationen gut verfolgt werden kann, das schließlich nach der "</span><em class="fs14lh1-5 ff1">Lösung von dem Bann</em><span class="fs14lh1-5 ff1">" mit angemessenem Lobpreis an den einbezogenen Gott endet.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">M</span><span class="fs14lh1-5 ff1">aqlû bedeutet </span><em class="fs14lh1-5 ff1">"Verbrennen"</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Im Verlauf der Ritualnacht werden Hexenmeister und Hexe auch tatsächlich verbrannt: Als präparierte Figuren in einem Tiegel. Die symbolische Handlung soll jedoch </span><em class="fs14lh1-5 ff1">magische Wirkung</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> entfalten und mit Hilfe der Gottheit den realen Schädigern ein </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Ende mit Schrecken</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> bereiten. Das dies tatsächlich geschieht, läßt sich daran nachweisen, dass der allgemeine Niedergang des betreffenden Patienten aprupt gestoppt wird und er körperlich und seelisch wieder gesundet. </span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Im Fall, dass dies ausbleibt, kommen verschiedene Fehlerquellen dafür in Betracht: Haben die am Ritual Beteiligten die erforderliche Reinheit besessen? Gab es Ritualfehler? Hat einer der angerufenen Götter aus welchem Grund auch immer die Mitwirkung verweigert? Das fehlgeschlagene Ritual ist nach sumerischer Auffassung als </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Tatsache</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> in die Welt gesetzt worden, das </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Wort</em> <em class="fs14lh1-5 ff1">ist Realität</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Somit kann es auch ausgebessert oder repariert werden. Für solche Vorkommnisse existieren wiederum spezielle (kürzere) Rituale, die dem fehlgeschlagenen Ritual im Nachhinein zum Durchbruch verhelfen sollen, eine mehrfache Anwendung ist möglich.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-1" src="https://sumeria.at/images/Raucherung_2.webp"  title="" alt="" width="713" height="237" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">An manchen Stellen der Maqlû-Rituale muss geräuchert werden.</em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">B</span><span class="fs14lh1-5 ff1">eteiligte an den Ritualen gegen Hexerei sind der Patient und ein spezialisierter Geistlicher, der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Beschwörungspriester</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Es liegt auf der Hand, dass je nach gesellschaftlicher Stellung des Patienten auch mehrere Priester, Pfleger und </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Musiker</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> beteiligt sein konnten um die Zeremonie aufzuwerten. Häufig hat man es mit bereits Schwerkranken zu tun, weshalb oft das </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Bett</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> des Patienten erwähnt wird, um das herum beispielsweise ein magischer Kreis aus Mehl gestreut wird. Wenn es auch nicht immer die Bettstatt ist, an der die Beschwörungen stattfinden, so wird doch meist das "Haus" erwähnt, womit Haus oder Palast des Patienten gemeint ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch manchmal der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Tempel</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> die Kulisse bildete, zumindest für den Personenkreis, der das Privileg hatte, das Heiligtum betreten zu dürfen. Erwähnt werden muss, dass sich natürlich jeder Mesopotamier der Hilfe eines Beschwörungspriesters versichern konnte, der Aufwand aber - und damit die Kosten - der finanziellen Leistungsfähigkeit des jeweiligen Bürgers angepasst wurde.</span> </div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Es entspricht der Logik mesopotamischen Denkens, dass Rituale gegen Zauberei - etwa Maqlû - nicht nur in akuten Fällen, sondern gewissermaßen auch <em>prophylaktisch</em> abgehalten wurden. Denn es konnte ja sein, dass Zeichen für nahendes Unheil übersehen wurden, so dass rechtzeitiges Einschreiten während der <em>Inkubationszeit</em> den <em>Ausbruch der Katastrophe</em> verhindern konnte, bevor sie offenkundig wurde. Das galt regelmäßig für besonders gefährdete Personen auf allen <em>systemrelevanten</em> <em>Positionen</em>. Extrem gefährdet war natürlich der König, die Regierungs- und Ratsmitglieder, sowie die Generalität. Es mußte stets damit gerechnet werden, dass ausländische Mächte oder Agenten im Inneren versuchen würden, den König mittels schwarzmagischer Praktiken zu Fall zu bringen, oder die Reaktionsfähigkeit des Staates durch <em>schadenzauberischen Befall</em> seiner Schalt- und Kommandostellen zu lähmen. </span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Aus den Gebeten von Maqlû wird deutlich, dass man sich solche "<em>Sabotage-Zauberei</em>" wohl nicht so primitiv vorstellen darf, als dass sich etwa ein bösartiger feindlicher Herrscher persönlich zu seinen Hexenmeistern begeben hätte, sondern "man ließ zaubern". Das heißt, es gab Abteilungen mit genügend <em>hexerischem Personal</em>, die nichts weiter taten, als im Auftrag der Staatsführung permanent <em>Schadenzauber</em> ins gegnerische Lager zu "<em>funken</em>". So etwa wie heutige <em>Spezialeinheiten</em>, die den <em>Cyberkrieg</em> vorbereiten oder in Geheimoperationen bereits führen. Und ebenso, wie man heute in aller Welt ängstlich nach <em>Sicherheitslücken</em> in den IT-Systemen späht, wurde beim Militär in Mesopotamien permanent nach Lücken im Schutz vor <em>feindlichem Schadenzauber</em> geforscht und dieser regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht. Schließlich galt als unumstösslich, dass die eigenen Götter diesen Schutz immer gewähren würden, war man nur wachsam genug gegenüber Zeichen, die das Unterlaufen desselben signalisierten.<br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">N</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ach der mesopotamischen Zeitrechnung endet der Tag mit dem Sonnenuntergang. Entsprechend fängt danach </span><span class="fs14lh1-5 ff1">der neue Tag an. Genau dies ist der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Beginn</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> der Beschwörungshandlung </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Maqlû</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> mit der Anrufung der großen Götter der Nacht, </span><em class="fs14lh1-5 ff1">pullulu rubu</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, oder auf deutsch "Die Mauern sind gut bewacht". Diese Einleitung wurde bereits vollständig abgedruckt in dem Artikel Sumer, seine Religion, seine "Bibel". Sie wendet sich in feierlicher Form an die vergöttlichte Nacht und ihre Götter, also die als Astralgestalten der Götter betrachteten Sterne. Weitergeführt wird dieser Gedanke mit der nächsten Beschwörung </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Alsikunuschi ilu muschiti</em><span class="fs14lh1-5 ff1">:</span><br></div> <div class="imTAJustify"></div> <blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><i><span class="cf2 ff1"><span class="fs14lh1-5">I</span><span class="fs12lh1-5">ch rufe euch an, ihr Götter der Nacht. Mit euch</span></span></i></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Rufe ich an die Nacht selbst, die verhüllte Braut.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ich rufe die Abenddämmerung an, </i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Mitternacht und die Morgendämmerung.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Weil eine Hexe mich behext hat.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Eine hinterlistige Frau hat mich beschuldigt.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Sie hat damit erreicht,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Dass mein Gott, meine Göttin mir entfremdet sind.</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Zuwider bin ich jedem, der mich sieht.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Weder tags noch in der Nacht kann ich mehr ruhen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ein Knebel verstopft meinen Mund immerzu.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Keine Mahlzeit kann ich mehr einnehmen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Kaum noch Wasser kann ich trinken.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mein Freudenlied hat sich in Jammerklage verkehrt</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Und meine Fröhlichkeit in Trauer.</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Steht mir bei, oh ihr großen Götter</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Und leiht meiner Klage euer Ohr.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Richtet über meinen Fall </i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Und gewährt mir eine Entscheidung.</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ich habe eine Figur hergestellt</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Von meinem Zauberer, meiner Hexe,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Meinem Hexenmeister und der Frau,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Hexerei gegen mich in Gang gesetzt hat.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ich setze sie nieder vor eure Füße</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Und trage euch meine Klage vor.</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Weil sie Unheil gegen mich entfacht haben</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Und pausenlos grundlose Angriffe gegen mich führen:</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mögen sie sterben - ich aber leben.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mögen ihre Zauberei, ihr Gegeifer,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ihre Hexenfesseln von mir gelöst sein.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="cf2"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i>Möge die Tamariske, die fruchtbar bis zur Krone ist, </i></span><i class="fs12lh1-5 ff1">mich freimachen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Möge die Dattelpalme, die allen Winden widersteht, mich heilen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Möge das Seifenkraut, das die Erde füllt, mich reinigen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Möge die üppig fruchtende Akazie mich erlösen.</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>In eurer Gegenwart bin ich nun rein wie frisches Gras geworden,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Makellos und unschuldig wie Nardenöl.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ihre Zaubersprüche, die einer bösen Hexe, sind zurückgekehrt</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>In ihren Mund und schnüren ihre eigene Zunge ab.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Als Lohn für ihre Hexerei mögen die Götter der Nacht sie peinigen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mögen die Wächter der Nacht ihren schlimmen Bann auflösen.</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ihr Mund werde zu Talg, ihre Zunge zu Salz:</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Möge das, was Übles gegen mich hervorspie abtropfen wie Talg.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="cf2"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i>Möge das, was gegen mich Zaubersprüche sprach, </i></span><i class="fs12lh1-5 ff1">sich auflösen wie Salz.</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ihre Fesseln seien zerrissen, ihre Machenschaften nichtig.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Alle ihre Worte mögen in der Steppe verhallen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Durch das mächtige Wort der Götter der Nacht!</i></span></div> </blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">I</span><span class="fs14lh1-5 ff1">n diesem Text wird mit der Erwähnung der Abenddämmerung, Mitternacht und Morgendämmerung bereits auf die zeitliche Länge des Ritualgeschehens hingewiesen. Es dauerte nämlich tatsächlich die ganze Nacht über bis in den Morgen. Auf die Einleitungsbeschwörungen folgt ein Abschnitt, der im weiteren Sinn noch zur Einleitung gehört: Die kosmische Verortung des Großrituals vom Himmel bis zur Unterwelt. Während es gerade noch die großen Götter im Himmel waren, die zur Zeugenschaft gerufen werden, wird in der folgenden Anrufung </span><em class="fs14lh1-5 ff1">"Erzetu, erzetu, erzetuma"</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> auf das </span><span class="fs14lh1-5 ff1"><i>Land ohne Wiederkehr</i></span><span class="fs14lh1-5 ff1"> abgehoben und auch auf </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Gilgamesch</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, der als Richter in der Unterwelt eingesetzt worden war (s. die Dichtung Gilgameschs Tod):</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <blockquote> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Unterwelt, Unterwelt, ja Unterwelt!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Gilgamesch ist der Herr über eure Flüche!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Alles was ihr getan habt, das weiß ich.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Alles was ich tun werde, das wißt ihr nicht!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Was meine Hexen tun, ist nicht mehr greifbar,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Und niemand kann es ungeschehen machen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Keinen gibt es, der es lösen kann!</i></span></div> </blockquote> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">M</span><span class="fs14lh1-5 ff1">it dem nächsten Spruch sind wir jedoch schon wieder auf der Erde zurück und in der Stadt </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Zabban</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Den Himmelsgöttern wird Erfrischung und Reinigung angeboten, während sie vermutlich durch das östliche Tor einziehen:</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <blockquote> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Meine Stadt Zabban, meine Stadt Zabban,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Meine Stadt Zabban hat zwei Tore:</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Eines nach Osten, das zweite nach Westen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Eines nach Sonnenaufgang, eines nach Sonnenuntergang.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Einen frischen Zweig des Maschtakalbaumes </i></span></div><div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>halte ich euch entgegen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Den Himmelsgöttern biete ich frisches Wasser dar.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Wie ich euch reinige, so reinigt auch mich!</i></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> </blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Diese letzten beiden Vorbereitungs-Beschwörungen sind sehr kurz, mithin die kürzesten in Maqlû überhaupt. Wenn ich bedenke, welche große Rolle <em>Gesang und Instrumentalmusik</em> in der mesopotamischen Religion spielen, kann ich mir gut vorstellen, dass diese kurzen Sequenzen wiederholt gesungen wurden; vielleicht in einer Mischung von Arie und Rezitativ und mit Instrumentalbegleitung, falls verfügbar. </span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">War bisher Himmel, Unterwelt und Erde angesprochen worden, so wird nun der Umgriff erweitert, indem vorsorglich - wie bei einer Pandemie - das Eindringen aus fremden Ländern gesperrt, der Aktionsradius von Hexer und Hexe eingeengt und ein <em>Auftrag</em> offengelegt wird:<br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <blockquote> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ich habe die Fähre gesperrt, die Anlegestelle geschlossen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ich habe ihre Zaubereien, die aus allen Ländern kommen, zurückgehalten!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Anu und Antu haben mich gerufen. Wen soll ich zu Belet-Seri schicken?</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Vor den Mund meines Hexenmeisters und meiner Hexe hänge ich ein Schloß.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Wirf auf sie die Beschwörung des Weisen der Götter, Marduk!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Sollten Sie nach dir, Belet-Seri, rufen - antworte ihnen nicht.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Sollten sie dich um etwas bitten, erhöre sie nicht!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Hingegen wenn ich dich anrufe, dann antworte mir,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Wenn ich dich um etwas bitte, dann erhöre mich!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Denn das ist der Befehl, den Anu, Antu und Belet-Seri gegeben haben.</i></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"></div> </blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Mit dem "<em>Weisen der Götter</em>" wird der Gott <em>Ea</em> (auf sumerisch <em>Enki</em>) identifiziert. Eine Vorbereitung steht jetzt noch aus: Bewegungen von Zeit und Erde, Natur und fortwährende göttliche Beurteilung des Menschen müssen angehalten, gestoppt, <em>eingefroren</em> werden. Erst wenn gewährleistet ist, dass der Fortgang von Erde und Schicksal gestoppt ist, können Hexer und Hexe konkret verklagt, bloßgestellt und mithilfe der Götter vernichtet werden, denn nur dann haben sie keine Möglichkeit mehr, ihr Wirken fortzusetzen. Das hört sich in der Fortsetzung <em>Schapraku allak'uraku</em> so an:<br></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ich bin gesandt, also gehe ich.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ich habe einen Auftrag, also spreche ich denn!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Gegen meinen Hexer, und meine Hexe hat Asalluhi,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Der Herr der Geisteraustreibung, mich gesandt.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Bewohner des Himmels, habt acht!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Bewohner der Unterwelt, hört.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ihr am Fluß, achtet auf mich.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ihr im trockenen Land, paßt auf auf meine Rede!</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Der heulende Wind ist verstummt - blase nicht!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Er, der Stecken und Stab trägt, ist geschlagen - Du sollst nicht blasen!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Stehen bleiben möge die Straße, die Tochter der großen Götter!<br></i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Während ich über meinen Hexer und meine Hexe vortrage,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Soll der Ochse den Richter hinhalten, soll das Schaf den Richter hinhalten.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ihr Wort möge wieder ungeschehen werden, </i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Aber meine Worte sollen nicht ungeschehen werden.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Während ich mein Wort spreche, </i></span></div><div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>wird ihr Wort mir nicht in den Weg kommen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Auf Befehl des Asalluhi, dem Herrn der Geisteraustreibung.</i></span></div> </blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">A</span><span class="fs14lh1-5 ff1">salluhi ist einer der 50 Namen Marduks, des Hauptgottes Babyloniens. Er ist mithin </span><em class="fs14lh1-5 ff1">ein Aspekt Marduks</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Mehr über Marduk im Artikel "Der Aufstieg Marduks als Schritt zum Monotheismus". Was nun folgt, sind in breiter Front die Anschuldigungen gegen Hexenmeister und Hexe und ihre symbolische Vernichtung. Dazu werden in Dutzenden weiterer Beschwörungen Figuren der Widersacher aus den verschiedensten Materialien aufgeboten von Wachs bis Bronze, verschiedene Verbrennungs- Versengungs-, Schmelzungs-, Ertränkungs- und Zerstückelungshandlungen durchgeführt und die unterschiedlichsten Götter angerufen, bemerkenswert viele Dämonen in Marsch gesetzt und immer wieder wird die Zeremonie unterbrochen durch das ausserhäusige Entsorgen von Rückständen des Zauberers und der Zauberin, die mal nur auf dem Kehrichthaufen im Hof, mal im Fluß oder auch mal in einer "verlassenen Gegend" landen.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-2" src="https://sumeria.at/images/Menge_Leiber-denoise.webp"  title="" alt="" width="715" height="205" /><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">Hexenmeister auf dem Weg in die Verdammnis</em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">W</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ir werden hier Schluß machen mit den Einzelheiten zu Maqlû, denn alle Aspekte dieses berühmtesten R</span><em class="fs14lh1-5 ff1">ituals gegen Zauberei</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> und Hexenbrut auszuloten, stünde einem ganzen Buch besser an. Erwähnt soll aber noch werden, dass die Beschwörungsreise erst jetzt richtig an Fahrt gewinnt. </span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Die Beschwörungen geizen nicht mit Wortspielen, die typisch für die akkadische Literatur sind. Bei der deutschen Übersetzung kommt man deswegen oft in die Bredouille, weil sich im akkadischen Text die Synonyme derart häufen, dass es wirklich schwierig wird, im Deutschen noch passende Pendants zu finden. In der folgenden Beschwörung der Götter </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Nuska und Girra</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> haben wir uns in dieser Beziehung bei der Übersetzung alle Mühe gegeben, und das liest sich so:</span></div> <div class="imTAJustify"></div> <blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Nuska, dies sind die Figuren meines Zauberers, </i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Dies sind die Figuren meiner Zauberin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Hexers und meiner Hexe,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Zauberers und meiner Bezauberin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Schadenswollers und meiner Schadenswollerin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Behexers und meiner Behexerin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Unheilmachers und meiner Unheilmacherin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Widersachers und meiner Widersacherin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Verfolgers und meiner Verfolgerin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Prozeßgegners und meiner Prozeßgegnerin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Verklägers und meiner Verklägerin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Verleumders und meiner Verleumderin,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Figuren meines Übelbringers und meiner Übelbringerin,</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die du, Richter Nuska, kennst, die ich aber nicht kenne,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die gegen mich Hexerei, Zaubereien, magische Handlungen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Böse Machenschaften, Zauberei, Aufstand, böse Rede,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Liebeszauber, Haßzauber, Rechtsverdrehung, Lebensabschneidung,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Sowie Mundlähmung, Zornentschwindung, Verstörung, </i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Schwindel und Wahnsinn zauberten, zaubern ließen, </i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Anstrebten, anstreben ließen:</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Das sind sie, das sind ihre Figuren! Da sie nicht anwesend sind,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Strecke ich dir ihre Figuren entgegen und bitte dich:</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Du Richter Nuska, der den Feind und den Bösen überwältigt,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Überwältige sie, so daß ich nicht Schaden nehmen möge.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Sie, die Figuren von mir herstellten, meine Gesichtszüge nachahmten,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die meinen Mund packten, meinen Nacken zucken ließen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Meine Brust preßten, mein Rückgrat krümmten,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mein Herz schwächten, mir meine Manneskraft stahlen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mich gegen mich selbst erzürnen ließen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Meine Kräfte erschöpften, meine Arme erschlaffen ließen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Meine Kniee fesselten, meine Sehkraft minderten,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mein Gehör schädigten, mich mit Fieber, Steifheit und Schwäche schlugen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mich mit behexter Speise speisten,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die mir behextes Wasser zu trinken gaben,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die mich mit verseuchtem Waschwasser wuschen.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die mich mit Salben aus schädlichen Kräutern salbten,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mich mit einem Toten verlobten, mein Lebenswasser in ein Grab vergossen,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Die Gott, König, Vornehme und Anführer gegen mich aufbrachten.</i></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Du, Girra, du bist es, der Hexenmeister und Hexen verbrennt,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Der das Böse, die Saat des Hexers, die Saat der Hexe vernichtet,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Der Zerstörer der Übeltäter.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Ich rufe dich an anstelle von Schamasch, dem Helden.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Am heutigen Gerichtstag steh du mir bei!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Sprich mir Recht! Verfasse du das Urteil.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Verbrenne den Hexer und die Hexe, vertilge meine Feinde,</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Friß die auf, die mir Böses wollen!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Lasse sie durch deinen rasenden Feuersturm vernichten!</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mögen sie verenden wie das wegsickernde Wasser </i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Eines geplatzten Wasserschlauchs.</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Mögen ihre Finger abgeschnitten werden wie von scharfen Steinen -</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Durch deinen erhabenen Befehl, den niemand in Zweifel zieht</i></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>Und deine Zusage, die unabänderlich ist.</i></span></div> </blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">W</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ie bereits erwähnt, wollen wir hier die Zitate aus Maqlû beenden Noch anzumerken wäre, dass </span><em class="fs14lh1-5 ff1">die letzte Tafel</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> des Großrituals ausschließlich knapp gefasste Anweisungen darüber enthält, was bei den einzelnen Beschwörungen vom Priester neben der Textzitierung noch zu tun ist. Auch, was der Kranke und was der Priester handlungsmäßig beiträgt, wird ausreichend verständlich behandelt. Um abschließend noch einen Eindruck zu verschaffen, wie ein </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Aschipu</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, ein Beschwörungspriester, gegen Zauberei und Hexenbrut materiell ausgestattet sein mußte, um für alle Einsatzfälle gewappnet zu sein, möchte ich noch diese interessante Materialliste "für Rituale gegen Hexerei" zur Kenntnis bringen:</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Für einen Reisealtar mit Töpferausstattung hier alle dazugehörigen Materialien:</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Eine Figur der Tochter von Anu, geschaffen aus Ton </span></i></span><i class="fs12lh1-5 ff1"><span class="cf2">von der Tongrube,</span></i></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Ein purpurrotes Wollgewand, </span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">zwei Ledertaschen mit Lebensmitteln,</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Ein Silberring, ein Silberkorn, ein Siegel aus Haltustein, </span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">eine Parfümflasche,</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Eine Tasse, ein Brotbackofen, ein Bierbrauerofen </span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><i class="fs12lh1-5 ff1"><span class="cf2">sowie ein Töpferbrennofen </span></i></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><i class="fs12lh1-5 ff1"><span class="cf2">Und ein Schmelzofen, auch ein Röstofen,</span></i></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">ein Schmelztiegel und ein neues Kohlebecken.</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Zwei Figuren aus Tamariskenholz, </span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">zwei Figuren aus Zedernholz.</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Zwei Figuren aus Ried, zwei Figuren aus Holz.</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Zwei Figuren aus Blech, zwei Figuren aus Kupfer,</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Sieben Figuren aus Ton, </span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Sieben Figuren aus Ton von der Tongrube, </span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">der mit Erdpech gemischt ist.</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Sieben Figuren aus Gips, sieben Figuren aus Teig,</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Sieben Figuren aus Biermaische, sieben Figuren aus Bierbrot,</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Sieben Figuren aus Turuharz, sieben Figuren aus Obsttrester,</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Sieben Figuren aus Talg, der mit Kresse gemischt ist,</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Sieben Figuren aus Talg, sieben Figuren aus Wachs,</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Sieben Figuren aus Erdpech.</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Heilttausendkraut, Löseholz, ein Trichter, </span></i></span><i class="fs12lh1-5 ff1"><span class="cf2">Maschtakalseifenkraut,</span></i></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Ein gebogener Bronzestab.</span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><i> </i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote> &nbsp;<div class="imTAJustify"></div></blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">E</span><span class="fs14lh1-5 ff1">s ist ganz offensichtlich nach dieser Beschreibung, daß die Grundausrüstung eines </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Aschipu</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> (Beschwörungspriesters) nicht in der Hand oder auf dem Rücken getragen werden konnte. Allein der "Reisealtar", also ein klapptischartiges Ausrüstungsteil, das mit Altar-Utensilien und zumindest einem wie immer gearteten Heiligen- oder Götterbild zu bestücken war, übersteigt schon die mobilen Möglichkeiten des durchschnittlichen Geistlichen, und die verschiedenen Öfen, die unverzichtbar sind, erst recht. Ich nehme daher an, dass der Priester (oder deren mehrere, samt Hilfspersonal) mit einem oder mehreren Wagen (gezogen von Maultieren - Pferde waren noch nicht domestiziert) angereist sein muß. Gemessen am Aufwand können daher die Rituale nicht "billig" gewesen sein, selbst wenn die Vergütungen sozial angepasst waren, wie wir an anderer Stelle schon bemerkt haben. Alle hier zitierten mesopotamischen Quelltexte können übrigens in dem Buch "Ich schreite voll Freude durch Strahlung und Glanz" in deutscher und akkadischer Sprache nachgelesen werden.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">J</span><span class="fs14lh1-5 ff1">etzt aber wirklich die endgültig abschließende Bemerkung zu allem, was Sie, lieber Leser, an schwer verdaulicher Kost über sich ergehen lassen mußten: Stellen Sie sich bitte vor, Sie seien der Teilnehmer an einem solchen nächtlichen Ritual mit Fackelschein, Sternenlicht und rot gewandeten Priestern, die in der scharf akzentuierten akkadischen Sprache wortspielhafte Verse auf Sie einprasseln ließen wie diesen:</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><em class="fs12lh1-5 cf2 ff1">Erzetu, erzetu erzetumma!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs12lh1-5 cf2 ff1">Gilgamesch bel mamitikunu!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs12lh1-5 cf2 ff1">Mimmu scha attunu tepuscha ide.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs12lh1-5 cf2 ff1">Mimmu scha anaku eppuschu attunu ul tida.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs12lh1-5 cf2 ff1">Mimmu scha kaschappatua ippuscha</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs12lh1-5 cf2 ff1">Ega patira paschira ul iraschi!</em></div><div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1"><br></em></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Und dann zerschlägt er plötzlich unerwartet wie aus dem Nichts die Figur, die auf dem Altar steht und Ihr Leiden symbolisiert und die Sie vielleicht wochenlang mit sich herumtragen mußten! Die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Scherben</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> fliegen Ihnen um die Ohren, die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Pauke</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> dröhnt, der Sänger trägt eine Hymne über </span><i><span class="fs14lh1-5 ff1">Erlösung </span></i><span class="fs14lh1-5 ff1">vor, die Harfe setzt leise ein</span><span class="fs14lh1-5 ff1">,</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> Der Weihrauch steigt Ihnen in die Nase, den der Priester jetzt entzündet hat - was geht da in Ihnen vor? Könnte es sein, dass Sie </span><i class="ff1"><span class="fs14lh1-5">vom Gefühl des Geheiltseins </span></i><span class="fs14lh1-5 ff1">ergriffen</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> werden? Mit dieser offenen Frage lasse ich Sie, lieber Leser, nun alleine und wünsche Ihnen gute Gedanken.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-4" src="https://sumeria.at/images/Dingir.webp"  title="" alt="" width="72" height="61" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 21 Aug 2022 19:55:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Der Mann, der die Keilschrift entzifferte.]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Altorientalistik"><![CDATA[Altorientalistik]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_00000000A"><div class="imTACenter"><span class="fs10lh1-5 ff1"><i>Abbildung oben: </i><em class="imTALeft">Die Inschrift B. des Darius aus Persepolis, eine Zeichnung des Orientreisenden Carsten Niebuhr</em></span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">A</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ls am 9. Juni 1775 &nbsp;dem Schuhmachermeister </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Christian Grotefend</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> in Hannoversch-Münden in der Ziegelstraße 37 sein sechstes Kind geboren wurde, ahnte er sicher nicht, dass der kleine </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Georg Friedrich</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> als erster Entzifferer der Keilschrift Weltruhm erlangen würde. Auf den Tag 200 Jahre später ließ deshalb die Stadt Göttingen eine Ehrentafel an jenem Haus in der Gothmarstraße anbringen, das die Stätte seiner genialen wissenschaftlichen Pioniertat war.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Sophie Regine geb. Wolff, seine Mutter und ebenfalls Tochter eines Schuhmachermeisters, drang darauf, dass der junge <em>Georg Friedrich</em> die höhere Schule besuchte. Mit zwanzig Jahren (1795) wurde er an der Universität Göttingen immatrikuliert und studierte zunächst Theologie und Philosophie. Schon damals gewann er die Zuneigung und Förderung bedeutender Gelehrter (Tychsen, Heyne, Heeren). Bereits nach vier Semestern (1797) wurde G.F. Grotefend als Lehrer für Latein und Griechisch am <em>Göttinger Gymnasium</em> angestellt. Sein Gehalt von 46 Talern jährlich ermöglichte ihm die Fortsetzung seines Studiums. Nach acht Semestern (1799) veröffentlichte er eine lateinische Abhandlung über eine Schrift, die allen Völkern verständlich sein sollte. Hier ahnt man schon Grotefends besondere Begabung. Sie befähigte ihn im Jahre 1802, in <em>Göttingen</em> als erster eine <em>Keilschrift</em> zu entziffern - er war damals 27 Jahre alt.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Schon ein Jahr danach erhielt Grotefend eine Berufung als Prorektor an das <em>Gymnasium in Frankfurt</em> am Main. Nach zwei weiteren Jahren, 1805, <em>heiratete er</em> die Göttinger Kaufmannstochter <em>Christiane Bornemann</em>, die ihm fünf Söhne und zwei Töchter gebar. 1820 ernannte ihn die <em>Göttinger Akademie der Wissenschaften</em> zum korrespondierenden Mitglied. Ein Jahr darauf wurde er <em>Direktor am Lyceum von Hannover</em>. Als Grotefend am 2. Februar 1848 dort sein goldenes Dienstjubiläum begehen konnte, wurde er zum Schulrat ernannt, damals ein noch höchst seltener Titel. Die Stadt Hannover erhob ihn zugleich zu ihrem <em>Ehrenbürger</em>. 55 Jahre hindurch war Grotefend wissenschaftlich und literarisch tätig gewesen. Die Universität Marbug hatte ihn zum <em>Dr. phil. ehrenhalber</em> promoviert. Auch war er von verschiedenen Gelehrten-Gesellschaften in Berlin, London, Dublin und Kopenhagen als Mitglied aufgenommen worden. Besondere Verdienste errang sich Grotefend durch seinen Anteil an Gründung und Entfaltung der <em>Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde</em>, die seit 1819 die berühmten <em>Monumenta Germaniae Historica</em> herausgibt - eine umfassende Sammlung von Quellen zur Geschichte des deutschen Mittelalters. Doch trotz seiner zahlreichen Veröffentlichungen blieb Grotefends Ruhm bei Mit- und Nachwelt an der Großtat von 1802 in Göttingen haften, an dem ersten geglückten Versuch, Keilschrift zu entziffern. <br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <h2 class="imHeading2">Der Entzifferungsversuch</h2> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">I</span><span class="fs14lh1-5 ff1">n den Museen und Sammlungen der Welt lagern aus archäologischen Grabungen etwa 600.000 Tontafeln mit </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Keilschrifttexten</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, das ergibt etwa </span><em class="fs14lh1-5 ff1">15.000.000 Wörter</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> Text. Zum Vergleich: Alle lateinischen Schriften bis 300 n. Chr. haben ein Volumen von nur 10.000.000 Wörtern, eine ins Deutsche übersetzte komplette Bibel hat etwa 738.000 Wörter. Der Alte Orient ist folglich die am dichtesten schriftlich dokumentierte Menschheits-Epoche, obwohl sie zugleich die erste geschichtliche Epoche überhaupt darstellt. Dieser ungeheure Quellenstoff zu Geschichte und Kultur des Altertums würde bis heute nutzlos - weil unentziffert - verstauben, wäre nicht seinerzeit der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Achämenidenherrscher Darius</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> der Große auf den Gedanken verfallen, seine Inschriften dreisprachig in Stein meißeln zu lassen, nämlich auf persisch, elamisch und babylonisch. Ohne Darius' Entscheidung wüßten wir so gut wie nichts von Sumerern und Akkadern, Babyloniern, Assyrern, Hethitern, Elamern und Persern. Denn anders als bei der Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen (Stein von Rosetta 1799) kam den Keilschriftforschern keine Urkunde mit griechischer Übersetzung zu Hilfe. Es wäre aber völlig unmöglich gewesen, die babylonisch-assyrische Keilschrift mit ihren Hunderten von Silben- und Wortzeichen aus sich heraus zu entziffern. Auch die aus ihr abgeleitete elamische Keilschrift mit ihren immerhin noch 140 Zeichen hätte sich einem solchen Versuch entzogen.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><img class="image-0" src="https://sumeria.at/images/Grotefend.webp"  title="" alt="" width="528" height="685" /></div> <div class="imTACenter"><span class="fs10lh1-5 ff1"><em>Georg Friedrich Grotefend (1775 - 1853)</em></span></div><div class="imTACenter"><span class="fs10lh1-5 ff1"><em><br></em></span></div><div class="imTALeft"><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">Z</span><span class="fs14lh1-5 ff1">um Glück für die Wissenschaft hatte es</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Dariu</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1">s verdrossen, dass die Perser seines Weltreiches zur Zeit, als er an die Macht kam, noch immer keine eigene Schrift besaßen. Daher gab er</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">im Jahre 520</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs14lh1-5 ff1">v. Chr. seiner Kanzlei den Befehl, unverzüglich eine</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">persische Schrift</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs14lh1-5 ff1">zu entwickeln. Verblüfft über diesen Auftrag setzten sich seine elamischen und aramäischen Schreiber zusammen und schufen eine bisher einmalige Kompromißschrift: Vom weit verbreiteten Aramäisch hatte sie die Eigenschaft geerbt, eine reine Buchstabenschrift zu sein, während das Elamische die äußere Form, nämlich das keilartige Aussehen, beitrug. Für eine besonders einfache Handhabung sorgte die Tatsache, dass die neue Schrift lediglich mit 37 Zeichen auskam. Die altpersische Schrift ist also eine</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Pseudo-Keilschrift</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1">, eine als Keilschrift getarnte Buchstabenschrift und hat mit der eigentlichen Keilschrift, der Schrift der Sumerer und übrigen Mesopotamier, ausser dem ähnlichen Erscheinungsbild nichts gemein. Denn diese</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">"echten"</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs14lh1-5 ff1">Keilschriften sind eine</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Mischung aus Wort- und Silbenzeichen</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs14lh1-5 ff1">und umfassen dadurch mehrere hundert Zeichen. Diese einfache persische Pseudo-Keilschrift konnte also Anfang des 19. Jahrhunderts aus sich selbst heraus entziffert werden. In der Folge gelang es dann bis zur Mitte des Jahrhunderts durch zähe Forschungsarbeit einer großen Riege von Gelehrten, auch die "echten", verwickelten Keilschriften zu entschlüsseln. Aber am Anfang dieser Entwicklung stand die</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Pioniertat Georg Friedrich Grotefends</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs14lh1-5 ff1">aus Göttingen.</span></div></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Das Ganze hatte mit einer Wette begonnen. An einem angenehmen Julitag des Jahres 1802 machte Grotefend einen Spaziergang mit seinem Freund <em>Rafaello Fiorillo</em>, dem Sekretär der Königlichen Bibliothek zu Göttingen. Die beiden gerieten während ihrer Unterhaltung in einen Wortstreit darüber, ob es möglich sei, eine antike Inschrift zu entziffern, von der weder Schrift, Sprache noch Inhalt bekannt wäre. Grotefend, der sich gerne mit Rätseln, Rebus (Bilderrätsel) und Geheimschriften abgab, versteifte sich darauf, dass solches möglich sei. Doch Fiorillo blieb skeptisch und entgegnete ihm: "Dann beweise mir das doch - am besten, indem du eines dieser rätselhaften Keilschriftdokumente entzifferst!". Obwohl Grotefend keine orientalistische Ausbildung besaß, nahm er die Herausforderung an unter der Bedingung, dass Fiorello ihm alle dazu &nbsp;nötigen Unterlagen zur Verfügung stellen müsse. Der willigte gern ein. "Nachdem dies geschehen war", so berichtet Grotefend in der Einleitung zu seiner ersten Abhandlung über seinen Enzifferungsversuch, "habe ich mit Hilfe meines Freundes jene Schriftart, welche bereits der hochberühmte <em>Oluf Gerhard Tychsen</em>, Professor in Rostock, zu lesen versucht hatte, als die leichteste von allen in Angriff genommen." Diese am leichtesten zugängliche Keilschrift war die altpersische.<br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">G</span><span class="fs14lh1-5 ff1">rotefend wohnte damals in der Gotmarstraße 518, einem Haus, das dem Universitäts-Prokurator Oppermann gehörte. Dorthin schleppte nun Fiorillo die benötigten Unterlagen, allen voran den Reisebericht des </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Orientreisenden Carsten Niebuhr</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Dessen Werk enthielt sehr akkurat gezeichnete Inschriften aus Persepolis, darunter auch die am Anfang dieses Essays wiedergegebene Inschrift B. Tab. XXIV. Dieses Haus, in welchem im August 1802 zum ersten Mal auf der Welt eine Keilschrift entziffert wurde, ist allerdings 1932 abgerissen worden; im Neubau - jetzt Gotmarstraße 8 - ist nunmehr ein Teil der Göttinger Stadtverwaltung untergebracht. Wenige Häuser weiter wohnte Professor </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Thomas Christian Tychsen</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, ein Namensvetter des Rostocker Orientalisten. Er war der Vater der damals sechsjährigen </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Cecilie</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, die später als </span><em class="fs14lh1-5 ff1">"bezaubernde Rose"</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> gefeiert wurde - darauf verweist noch heute eine Tafel am Haus Gotmarstraße 3. In </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Thomas Tychsen</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> hatte Grotefend anscheinend einen </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Gönner</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> gefunden, denn er hat am 4. September 1802 dessen ersten vorläufigen Bericht über seinen Entzifferungsversuch auf Latein der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Göttinger Akademie der Wissenschaften</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> vorgetragen. Zwei Wochen später veranlasste er zudem, einen deutschen Auszug davon in den "Göttinger Gelehrten Blättern" zu veröffentlichen. Die lateinische Abhandlung Grotefends allerdings hat die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Akademie der Wissenschaft</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> unverständlicher Weise erst mit einer </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Verzögerung von 90 Jahren</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> in Druck gegeben. Die von </span><em class="fs14lh1-5 ff1">W. Meyer</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> 1893 besorgte Ausgabe "G. Fr. Grotefends erste Nachricht von seiner Entzifferung der Keilschrift" ist 1972 von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt als handliches Bändchen neu herausgegeben worden. Das Original dieses frühesten Aufsatzes von Grotefend wurde im Bestand der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek erst 1974 von </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Prof. Dr. Riekele Borger</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> entdeckt. Grotefend beschrieb darin, wie er – nach heutigem Wissen annähernd richtig – die altpersische Namensform der Achämeniden-Könige Dareios, Xerxes, Hystaspes sowie den Titel "König" in kürzester Zeit erkannte.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-1" src="https://sumeria.at/images/Grotefend_Handschrift.webp"  title="" alt="" width="537" height="817" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs10lh1-5 ff1"><em>Der handschriftliche Aufsatz Grotefends, der 1974 von Prof. Riekele Borger entdeckt wurde.</em></span></div><div class="imTACenter"><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">Z</span><span class="fs14lh1-5 ff1">urück nun zu Grotefends Wette. In einem Zeitraum von sechs Wochen gelang es ihm tatsächlich, in Grundzügen die altpersische "Keilschrift" zu entziffern. Wie war ihm dieser geniale Wurf geglückt? Ausgegangen war er von der eingangs abgebildeten Inschrift B aus dem Tafelwerk </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Niebuhrs</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Aus dessen "Reisebeschreibung nach Arabien und anderen umliegenden Ländern" von 1778 wußte Grotefend, dass die Inschrift aus Persepolis nördlich von Schiras stammte und sich über dem Relief eines Königs an einer Türlaibung befand. Daraus folgerte er, dass es sich bei dieser Inschrift sehr wahrscheinlich um die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">eines Königs</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> aus der Dynastie der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Achämeniden</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> (550 - 330) handeln müsse. Die eigentliche Entzifferungsarbeit begann bei Grotefend bei seiner aus dem Studium zahlreicher Inschriften gewonnenen Einsicht, dass die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Keilschrift von links nach rechts</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> zu lesen wäre. Also muss man auch bei unserer Inschrift links oben beginnen. Schon vor Grotefend hatten </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Oluf Tychsen</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> in Rostock und </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Frederik Münter</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> in Kopenhagen in dem alleinstehenden </span><em class="fs14lh1-5 ff1">schrägen Keil</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> (wie am Ende der ersten Zeile unserer Abbildung) einen </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Worttrenner</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> erkannt. Die erste Zeile muss folglich </span><em class="fs14lh1-5 ff1">zwei</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> Wörter enthalten - so weit, so gut.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><img class="image-2" src="https://sumeria.at/images/Darius_Siegel.webp"  title="" alt="" width="582" height="244" /></div> <div class="imTACenter"><span class="fs10lh1-5 ff1"><em>Rollsiegel des Achämeniden-Königs Darius des Großen bei der Löwenjagd (Persepolis)</em></span></div><div class="imTACenter"><span class="fs10lh1-5 ff1"><em><br></em></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">V</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ersetzen Sie sich bitte versuchsweise jetzt in die Lage Grotefends. Versuchen Sie selbst einmal, dem Geheimnis dieser Inschrift auf die Spur zu kommen, denn für Sie sind die Voraussetzungen die gleichen, wie 1802 für Grotefend. Am besten bringen Sie eine erste Ordnung in das "Chaos" der Keilzeichen, indem Sie (unter Berücksichtigung des erwähnten schrägen Wort-Trennkeils) die sieben Schriftzeichen der zweiten Hälfte von Zeile 1 isoliert betrachten und geistig einrahmen - also das zweite Wort in dieser Zeile. Anschließend lassen Sie Ihr Auge mal über Zeile 2 schweifen: Dabei werden Sie unfehlbar feststellen, dass das gerade von Ihnen isolierte Wort auch in Zeile 2 vorkommt; ziemlich genau in der Mitte, zwischen zwei Worttrennern. Einverstanden? Dann rahmen Sie bitte auch dieses Wort geistig ein. Damit ist die Sache mit diesem Wort aber noch nicht erledigt, denn Sie werden beobachten, dass auch die letzten drei Zeichen in Zeile 2 zu unserem Wort gehören: Es setzt sich in Zeile 3 fort, allerdings ist es um vier zusätzliche Zeichen angewachsen bis zum Worttrenner. Es ist also eine aus vier Zeichen bestehende Wortendung hinzugetreten. Nach diesem Worttrenner folgt unser Wort in seiner zuerst festgestellten Sieben-Zeichen-Ausprägung ein weiteres Mal; mit einem erneuten Worttrenner wird Zeile 3 dann abgeschlossen. Was kann das für ein Wort gewesen sein, das in drei Inschriftzeilen viermal vorkommt? In seiner richtigen Deutung liegt der Schlüssel für die gesamte Entzifferung!</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Bei seinen Überlegungen kam Grotefend die Inschrift eines Sasanidenherrschers aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert zu Hilfe. <em>König Schapuhr I.</em> hatte in einem Felsrelief in der Nähe von Persepolis auf sein Roß eine dreisprachige Inschrift meißeln lassen - auf mittelpersisch, parthisch und griechisch. Darin kommt anschließend an den Namen des Herrschers sein Titel <em>"König der Könige"</em> vor. Grotefend wurde angesichts dieses persischen Königstitels blitzartig klar, dass unser so oft &nbsp;vorkommendes Wort aus sieben Keilzeichen nur das altpersische Wort für "König" sein konnte! Da, wo es zweimal hintereinander erscheint, mußte also der altehrwürdige persische Titel "König der Könige" gemeint sein; wobei die um vier Zeichen verlängerte Wortendung beim zweiten Mal des Vorkommens wohl dem Plural geschuldet war. </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-3" src="https://sumeria.at/images/Persepolis_Darius.webp"  title="" alt="" width="637" height="239" /><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"></div> <div class="imTACenter"><em><span class="fs10lh1-5 ff1">Persepolis, Palast des Darius (Tatschara)</span><br></em></div><div class="imTACenter"><em><span class="fs10lh1-5 ff1"><br></span></em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">er nächste Schritt mußte folgerichtig darin bestehen, in der ersten Zeile vor dem ersten Wort "König" den Namen des Herrschers zu ermitteln, der die Inschrift in seinem Palast zu Persepolis &nbsp;hatte anbringen lassen. Doch ehe Grotefend daran ging, war ihm schon klar geworden, dass der Inhalt der Inschrift ungefähr so lauten mußte: "X, der mächtige(?) König, König der Könige, König der ..., Sohn des Y." Bald darauf erkannte ein sachverständiger Bekannter Grotefends, dessen Namen nicht erwähnt wird, dass anstelle der Pünktchen wahrscheinlich das Wort "Völker" oder "Länder" zu setzen wäre. So gelang es Grotefend tatsächlich, den ungefähren Inhalt der Inschrift B - ihren Schluß ausgenommen - richtig zu deuten, noch ehe er ein einziges Schriftzeichen entziffert hatte. Den Lautwert der einzelnen Schriftzeichen zu bestimmen, konnte indes nur dann gelingen, wenn die in der Inschrift genannten Personen korrekt ermittelt waren. Fest stand jedenfalls soviel, dass die Inschrift mit dem Namen eines </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Achämenidenkönigs</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> begann. Durch vergleichende Untersuchungen fand Grotefend heraus, dass dafür kein anderer als </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Darius</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> infrage kam. Damit stellte sich ihm die heikle Aufgabe, herauszufinden, wie dessen Name auf altpersisch gelautet haben mochte. Denn dafür kam weder das lateinisierte </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Darius</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> noch das griechische </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Dareios</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> in Betracht. Nach längerem Grübeln verfiel Grotefend auf die Namensform </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Dârheûsch</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Diese lehnte sich zwar irgendwie an die biblische Form </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Dârjâwesch</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> an, doch leider nicht genau genug. Er meinte nämlich, der vierte Buchstabe des Wortes müsse ein "h" sein, und das war verfehlt.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Immerhin: Entsprechend seiner Namensform <em>Dârheûsch</em> las Grotefend nun das erste Zeichen der Inschrift als "d", das zweite als "â", das dritte als "r", das sechste als "u", das siebte und letzte als "sch" - und das war tatsächlich richtig! Er irrte lediglich bei den Zeichen 4 und 5, denn er konnte ja nicht ahnen, dass der altpersische Name des Darius eben nicht <em>Dârheûsch</em> lautete, sondern <em>Dârayavahusch</em>. Auch konnte er nicht wissen, dass in der altpersischen Schrift "h" vor "u" nicht geschrieben wird, und es stellte sich auch erst viel später heraus, dass die Zeichen zwar im Allgemeinen als Buchstaben aufzufassen sind, manchmal aber zugleich auch als Silben. So steht zum Beispiel das Zeichen "n" auch für die Silben "na" und "ni". Ungeachtet dieser Details war es Grotefend aber auf Anhieb gelungen, von den sieben Zeichen des Darius-Namens fünf zu entschlüsseln - eine beachtliche Leistung! Das Entscheidende dabei war, dass seine Versuche grundsätzlich den richtigen Weg wiesen. Es gelang Grotefend im Jahr 1802, insgesamt 10 altpersische Keilzeichen zu entziffern, nämlich ausser den fünf schon erwähnten noch "f", "ch", "p", "s" und "t", sowie das Wortzeichen für "König". Dazu kam noch 1815 das Zeichen "k(u)". Es bedurfte der mühsamen Forschungen zehn weiterer Gelehrter, um schließlich auch die übrigen 26 Zeichen der altpersischen Pseudo-Keilschrift samt deren zusätzlichen vier Wortzeichen zu entziffern. Diese Arbeit war erst 1847 abgeschlossen. Grotefends bleibender Verdienst ist es, fast ein Drittel des Zeichenbestands der altpersischen Schrift bestimmt und damit der Entzifferung auch aller "echten" Keilschriften erfolgreich den Weg gewiesen zu haben.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Georg Friedrich Grotefend, der am 15. Dezember 1853 78jährig in Hannover verstarb, hat seine Grabstätte auf dem heute sogenannten Gartenfriedhof gefunden. Geziert wird sein Ruhestätte von einem eisernen Grabkreuz mit Engel und der Inschrift: "Er sah auf Erden viel, was andern dunkel war. Jetzt ist im Himmel ihm ein jedes Dunkel klar".<br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-4" src="https://sumeria.at/images/Grabkreuz_Grotefend.webp"  title="" alt="" width="532" height="399" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">Grotefends eisernes Grabkreuz in Hannover</em></div> <div></div> <div class="imTAJustify"> </div></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 21 Aug 2022 09:17:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Kirche und Corona - Das Schweigen der Bischöfe]]></title>
			<author><![CDATA[Hartmut Löwe]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000009"><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">U</span><span class="fs14lh1-5 ff1">nser Artikel Die katholische Kirche und Corona hat die glaubensferne Haltung des katholischen Klerus gerügt. Gestern wurde in der FAZ ein Aufsatz veröffentlicht, dessen hochrangiger Autor in gleicher Weise die evangelische Kirche kritisiert. Wir sagen danke zu dieser Meinung - es noch nicht alles verloren, so lange sich solche Stimmen erheben. Wir stimmen herzlich zu!</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Je länger die Zeit der Pandemie dauert, umso stärker beunruhigt mich die Sprachlosigkeit unserer Kirchenoberen. Auf der Ebene der Gemeinden geschieht viel und Erstaunliches. Digitale Andachten und Gottesdienste halten die Verbindung aufrecht zu den Gemeindegliedern, Briefe und Gespräche geben seelsorgerlichen Zuspruch. Das ist nicht genug zu loben. Aber diejenigen, die sich sonst an Stellungnahmen zu allem und jedem überbieten, finden kein geistliches Wort.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Sie reden und wiederholen, was andere auch sagen, danken den Ärzten und Krankenschwestern, freuen sich über die praktizierte Solidarität. Theologisch versichern sie, die Krankheit sei wie alle Krankheiten keine Strafe Gottes. Richtig ist, dass man die Keule vom Zorn Gottes und seiner Strafe für unsere Verfehlungen immer wieder missbraucht hat und vielleicht auch jetzt, allerdings habe ich niemanden so reden hören.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Luther hat, als die Pest 1525 und 1527 zuerst in Breslau und später auch in Wittenberg wütete, in seiner nicht ausschöpfbaren, noch heute unmittelbar zu uns sprechenden Schrift „Ob man vor dem Sterben fliehen möge“ ganz selbstverständlich und ohne Scheu von einer Strafe Gottes gesprochen. Ist das inzwischen als theologisch überholt zu tadeln?</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <h2 class="imHeading2">Behauptung der Allkausalität Gottes</h2><div><strong class="fs14lh1-5 ff1"><br></strong></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">en biblischen Sachverhalt darf man freilich nicht mit dem Nachsitzen in der Schule oder der Rachsucht eines Mächtigen verwechseln. Deshalb trifft die Sache besser das leider aus der Sprache verschwundene Wort Heimsuchung. Man kann doch nicht ganze Bereiche des Lebens dem Walten Gottes entziehen und ausschließlich natürlich erklären wollen.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">In, mit und unter allem, was geschieht, will Gott gefunden werden, auch wenn wir nur mühsam oder gar nicht verstehen, was er uns sagen will. Wer jedoch nicht vom Zorn Gottes zu sprechen vermag, verdirbt auch die Rede von Gottes Liebe. Sie wird dann zu einer diffusen Gefühlsduselei, einer nicht belastbaren Allerweltsweisheit ohne konkreten Anhalt in der Lebenserfahrung. Der Lauf der Welt ist auch im Blick auf das, was Gott tut, konkret.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Andere Religionen kennen Götter des Segens und Götter des Fluchs. Sie verteilen, was auf der Welt geschieht, auf verschiedene Prinzipien. Jüdischer und christlicher Glaube haben das aufgrund ihrer Gotteserkenntnis von der Einzigkeit und Einzigartigkeit ihres Gottes nicht vermocht. Sie haben vielmehr die Allkausalität ihres Gottes behauptet, zum Beispiel in dem grandiosen und zugleich unheimlichen Spruch des Propheten Amos: „Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut?“ (3,6).</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <h2 class="imHeading2">Theologische Gefühlsduselei ohne Blick für das Eigentliche</h2> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">O</span><span class="fs14lh1-5 ff1">hne den Glaubenssatz von der Allwirksamkeit Gottes gäbe es das Buch Hiob nicht, in unserer gegenwärtigen Lage besonderer Beachtung und Betrachtung wert. Gefühlsduselei, auch theologische, verliert das wirkliche Geschehen aus dem Blick. Im Kreuz Jesu Christi, dem Fundament christlichen Glaubens, zeigen sich die Liebe und der Zorn Gottes als zwei Seiten eines Handelns. Man kann nicht die eine ohne die andere haben. Die leider nur noch selten gesungenen Passionslieder unseres Gesangbuchs wissen das noch.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Hier wäre theologisch und geistlich anzusetzen. Was sagt uns in diesem Horizont die schreckliche Pandemie über unseren so häufig trivial und belanglos gewordenen Glauben? Es ist ja nicht verkehrt, sich für die Öffnung der Kirchen für Gottesdienste einzusetzen. Aber wenn man dort nur zu hören bekommt, was immer ohnehin schon alle sagen, können wir sie entbehren. Viel bedrückender ist doch, dass landauf, landab, von wenigen Ausnahmen abgesehen, das jetzt geforderte Abstandsgebot in Kirchenräumen längst schon beklagenswert selbstverständlich ist. Jedenfalls lässt es sich Sonntag für Sonntag leicht herstellen.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Was trägt der christliche Glaube zum Aushalten der gegenwärtigen Krise bei? Was sagt er uns über naturwissenschaftliche, ökonomische und soziale Feststellungen hinaus? Der Glaube widerspricht ihnen nicht und wiederholt nicht die Einsichten der Wissenschaften. Er ist auch keine Ergänzung auf derselben Ebene. Der Glaube kennt den deus absconditus (verborgenen Gott) und den deus revelatus (offenbaren Gott). Verliert er den einen aus dem Blick, verliert er den anderen.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <h2 class="imHeading2">Das Versagen kulturprotestantischer Belanglosigkeiten</h2> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">K</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ulturprotestantische Belanglosigkeiten versagen in der Krise, die über uns gekommen ist. Hier muss theologisch und geistlich tiefer gegraben werden. Vermögen das unsere Kirchenoberen in ihrer Geschäftigkeit noch? Bislang haben wir öffentlich davon nichts gehört.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Eine Bemerkung am Schluss. Welchen Rang der Lebensschutz genießen muss und woran er seine Grenzen findet, darüber sollten nicht erst unsere Politiker nachdenken müssen. Großartig, wenn sie es tun. Aber das ist doch zuvörderst eine genuin theologische Aufgabe und entscheidet darüber, ob wir die Zeitgenossen mit dem Kern des christlichen Glaubens erreichen. In der eingangs zitierten Schrift Luthers lässt sich auch darüber manches nachlesen.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Mit diesen Zeilen will ich nur eine Besorgnis ausdrücken, unseren Kirchenoberen eine Frage stellen. Wollen sie in dieser Situation weiter schweigen oder haben sie uns etwas vom Innersten des Glaubens her zu sagen?</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs12lh1-5 ff1">Der Autor, Hartmut Löwe, ist evangelischer Theologe und ehemaliger Militärbischof der Bundeswehr. Quelle: FAZ</em><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"><em></em></div></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 21 Aug 2022 09:03:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Jahwes böses Spiel]]></title>
			<author><![CDATA[Terach]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000008"><blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><em class="fs12lh1-5 cf1 ff1">Psalm 82:</em></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><em class="fs12lh1-5 ff1">Gott steht auf in der Versammlung der Götter, im Kreis der Götter hält er Gericht. „Wie lange noch wollt ihr ungerecht richten und die Frevler begünstigen? Verschafft Recht den Unterdrückten und Waisen, verhelft den Gebeugten und Bedürftigen zum Recht! Befreit die Geringen und Armen, entreißt sie der Hand der Frevler!“ Sie aber haben weder Einsicht noch Verstand, sie tappen dahin im Finstern. Alle Grundfesten der Erde wanken. „Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter, ihr alle seid Söhne des Höchsten. Doch nun sollt ihr sterben wie Menschen, sollt stürzen wie jeder der Fürsten.“ Erhebe dich, Gott, und richte die Erde! Denn alle Völker werden dein Erbteil sein.</em></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote> <div class="imTAJustify"><em class="fs12lh1-5 ff1"><br></em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs26lh1-5 cf2 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">er Gott Jahwe steht auf in der Götterversammlung und spricht: „Wie lange noch wollt ihr ungerecht richten und die Frevler begünstigen? Verschafft Recht den Unter­drückten und Wai­sen, verhelft den Gebeugten und Bedürftigen zum Recht! Befreit die Geringen und Armen, ent­reißt sie der Hand der Frevler!“ Ein Geraune geht durch die Reihen der Götter, da ergreift Marduk das Wort: „Du, Jahwe, hast noch nie in unserer Ver­sammlung zuvor den Mund aufge­macht. Wer bist du, dass du so mit uns redest? Weshalb be­­schul­digst du deine Brüder und Schwestern so ungerechtfertigt? Du bist ein Heuchler! Wir pflegen hier andere Um­gangsformen!“ Jahwe aber eifert weiter: „Ihr alle habt weder Einsicht noch Verstand! Ihr tappt im Finstern! Alle Grundfesten der Erde wanken...“</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Da fällt ihm Enlil aufgebracht ins Wort: „Spiel dich nicht als moralischer Hüter auf! Das, was du hier forderst, tun wir alle seit ewig; hast du das verschlafen? Du willst entgegen dem brüderlichen Konsens unter uns Göttern die Macht an dich reißen und dafür sind dir alle Mittel recht. Glaubst du, deine Ränke sind uns verborgen geblie­ben? Den Hebräern hast du verboten, weitere Götter neben dir anzubeten und ihnen unverhohlen ge­droht, du seist <em>sehr</em> <em>eifersüchtig</em>! Das ist weit schlimmer als die Rebellion Awilas damals. Ich for­dere die Versammlung auf, Konsequenzen zu ziehen!“ Da meldet sich Ninurta: „Es ist noch schlimmer: Er hat gelegentlich schon behauptet, der <em>einzige Gott</em> überhaupt zu sein. Es gäbe kei­ne anderen Götter ausser ihm!“ Die Götter sind aufgebracht und toben. Da schreit Jahwe mit Fistelstimme: „Nein, nein! Ich habe immer gesagt, ihr seid Götter, ihr alle seid Söh­ne des Allerhöchsten! Doch nun,“ und jetzt überschlägt sich seine Stimme. „sollt ihr sterben wie Menschen“, er kreischt wild gestikulierend, „sollt ihr stürzen wie jeder der Fürsten!“</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Langsam erhebt sich An von seinem Thron. Alle blicken auf ihn und er hebt seine Rede an: „Solche Hassrede hat unter uns nichts zu suchen! Beendet augenblicklich dieses unwürdige Schau­spiel!“ Die Götter empören sich: „Macht Schluss mit ihm! In die Kno­chenmühle mit dem Frevler!“ Da springt Enki auf: „Ihr lieben Brüder und Schwestern! Ich bin sicher, Jahwe ist einfach nur geistesgestört. Haben wir jemals eine Rede gehört in unserer Ver­samm­lung, die so irre war? Haben wir jemals eine Rede gehört, die so voll lügnerischer Anschuldigungen war, wie die von Jah­we? Er kann die Realität nicht sehen, weil er von der Wahnidee besessen ist, der einzig Gute zu sein. Und da müssen eben alle anderen nichtswürdig und böswillig sein, sonst funk­tio­niert das nicht. Awila, den Rebellen, ha­ben wir getötet damals. Aber wir haben aus seinem Fleisch und Blut die Menschheit geschaffen, so hat Awila doch noch etwas Gutes be­wirkt. Ihr solltet Jah­we, dem kleinsten unter den Göttern, dem Verwirrten, solchen Tri­umph nicht gönnen. Schließt ihn aus der Versammlung der Götter aus und lasst ihn laufen. Er ist eh nur an den Hebräern interessiert. Und wen sonst interessieren diese Hebräer schon?“</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Marduk steht auf und spricht: „Um des lieben Friedens willen soll es so sein. Aber du, Jahwe, musst schwören, niemals einem anderen Volk Gott sein zu wollen, als den Hebräern. Während wir alle auf der ganzen Welt verehrt werden, bist du für ewig gebunden an die Hebräer, die sich später <em>Juden</em> nennen werden. Und wenn du versuchen solltest, auf andere Völ­ker über­zugreifen, soll es <em>dein</em> <em>Volk bitter</em> <em>büßen</em>! Jetzt geh, und lass dich nie wieder bei uns blicken!“ Jahwe erschrak, Jahwe schwor und Jahwe ging – durchaus mit gemischten Gefühlen.</span></div></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 21 Aug 2022 08:55:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Die neue Prachtentfaltung der evangelischen Kirche]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000007"><div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">W</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ie haben wir die evangelische Kirche, ach, so asketisch in Erinnerung! Schwarzer Talar und Beffchen, das stand seit Menschengedenken für den evangelischen „Kultus“, wenn man den mageren Wortgottesdienst überhaupt mit solchem Attribut versehen kann. Die Katholiken, ja, die waren bunt, barock und überbordend. Da gab es eine fast endlose liturgische Kleider­ord­nung mit unendlichen Variationsmöglichkeiten, luziferische Äußerlichkeiten eben. Oder doch nicht?</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Nun, seit 2002 hat die evangelische Kirche begonnen, sich zu bekehren. Nicht, dass der Papst als Oberhaupt der gesamten Christenheit jetzt anerkannt würde – Gott bewahre! Aber so ein bisschen am barocken Gebaren der Katholiken möchten auch die sonst eher trocken gesinnten Evangelischen nun teilhaben. Warum? Da gibt es wohl zwei Grundstimmungen: Zum einen gibt es die, die sich darüber Gedanken machen, dass die Farbe schwarz einfach abstossend wirken könnte, un­freund­lich, unpersönlich. Und dass dies vielleicht heutige Menschen, die eben nicht mit Luther oder Melanchton aufgewachsen sind, verprellen könnte. „Zusätzlich verprellen könn­te“ möch­te man hinzufügen, denn der Mitgliederverlust der evangelischen Kirche geht sicher nicht allein auf das Konto der schwarzen Amtstracht. Eine andere Strömung sieht in der Kombination aus Albe und Stola mit wechselnden Farben im Kirchenjahr (für die Stola natürlich) ein Zeichen für mehr Spiritualität – was immer damit etikettiert sein mag. Der Kultus, das Ritual, wird plötzlich wieder als etwas Positives, Verbindendes, Anziehendes empfunden. Freilich mit dem Hintergedanken, entlaufene Schäfchen wieder einfangen und Strauchelnde wieder auf­rich­ten zu können.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">as sind natürlich legitime Überlegungen, die keine Spur von Häme diskreditieren soll. Es ist außerordentlich erfreulich, wenn eine bedeutende christliche Religionsgemeinschaft so ganz ungewohnt über </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Spiritualität</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> nach­denkt. Bliebe bescheiden anzumerken: </span><span class="fs14lh1-5 cf1 ff1">Wir</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> tun das auch. Der Urglaube der Menschheit, die Religion der Su­me­rer, die gerade in der heutigen Welt wieder Gestalt annimmt, wird auch nicht histo­risierend auf Gewandformen archaischer Kultgewohnheiten zurückgreifen, sondern als Kultus, der den Menschen von heute viel geben kann, ebenso auf Albe und Stola. Allerdings aus einem anderen Grund: Die sumerischen Priester werden in allen schrift­lichen Hinterlassenschaften des Zweistromlandes als die „leinengewandeten“ charak­te­ri­­siert. Darum die Albe und nicht ein uns fremder Zottenrock. Die Stola hat eine andere Geschichte. Als Bestandteil der römischen Priesterkleidung ist sie bekannt. Aber, wie die Albe, entstammt sie ursprünglich sumerischer Tradition. Der Weg der Stola von Sumer nach Rom ist jedoch nicht nach­voll­zieh­bar.</span></div></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 21 Aug 2022 08:46:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Das Ende der katholischen Kirche]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000006"><div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">V</span><span class="fs14lh1-5 ff1">iele Jahre schon laufen der katholischen Kirche die Mitglieder aus allen möglichen Gründen davon. Seit einigen Jahren kommt die erschreckende Erkenntnis dazu, dass diese morsche Religion auch noch ein Netzwerk schwuler Lüstlinge ist, deren Priester sich unter der Tarnung des angesehenen Amtes massenweise über ihre Schutzbefohlenen hermachen. Und die höheren Inhaber des Disziplinarrechts, die nicht verstrickt sind, was machen die? Statt die Teufel im Priestergewand der Justiz auszuliefern, halten sie auch noch die Hand über sie. Das wird sich rächen, die katholische Kirche wird mit dem Verlust der Existenz bezahlen, und das zu recht. Viele Entwicklungen, die jede für sich auf Dauer zum bitteren Ende geführt hätte, sind über die Jahrhunderte kulminiert:</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<ul>
<li class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt</span></li>
<li class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Das Zölibat, ein nie zuvor gekannter Irrsinn ohnegleichen</span></li>
<li class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Der massenweise sexuelle Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen</span></li>
<li class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Die Übernahme des jüdischen Gottes als den „alleinigen Gott“</span></li>
<li class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Das unbegreifliche Beharren auf dem Dogma der Jungfrauengeburt</span></li>
<li class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Das Aufgeben der lateinischen Meßfeier</span></li>
<li class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Die Entwertung des Meßopfers durch Zelebration in Richtung der Gemeinde</span></li>
</ul><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Das Christentum hat seine kultischen Grundlagen nicht von den Juden geerbt, sondern vom Glauben der Sumerer, wie eine Vielzahl &nbsp;von Publikationen beweist, die so populär sind, dass wir sie hier nicht gesondert anführen müssen. Der Christus als <em>Salvator mundi</em>, der in der religiösen Anschauung Singularität besitzt, hätte beileibe nicht mit der sektiererischen Auslegung dieser jüdischen Landeier, die jeglichen Blick auf größere Zusammenhänge scheuten und in ihrer Borniertheit die weltoffene Glaubenswelt der Babylonier nicht begriffen, gepaart werden müssen. Spätestens als die Judenchristen begannen, im Christentum zur Minderheit zu werden, hätte sich die Kirche vom Alten Testament und der dort gepredigten einengenden Gottesvorstellung lösen müssen. Stattdessen hätte sie offen, integrativ und dogmenfrei bleiben und den Zugang zu <em>allen</em> Gottheiten offen halten müssen. Dem <em>Christus</em> als zentralem Wendepunkt der Erdgeschichte hätte das nicht geschadet: Wer ist denn sein göttlicher Vater? Etwa der kleingeistige <em>Jahwe</em>, den die Juden sich ausgedacht haben, dem sie in den Mund legten, er sei ein „eifersüchtiger Gott“, der keine weiteren Götter neben sich dulde? Gewiss nicht, Eifersucht ist Christi Niveau keinesfalls. Christus als Gottessohn war bewusst, dass die Juden sich schon bei Abraham versündigt hatten, der als berühmter sumerischer Priester damit gescheitert war, diesem Völklein die Grundlagen einer gesitteten Religion beizubringen. Was taten die Juden? Scheinheilig priesen sie Abraham später als Bringer ihres einfältigen Monotheismus, dabei hat er für das Gegenteil gekämpft.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Christi göttlicher Vater ist keineswegs dieser unaussprechliche Jahwe, sondern entweder <em>An</em> oder <em>Enlil</em>, genau werden wir das vielleicht noch herausfinden. Haben Sie eine Ahnung, wieviele Kinder dieser Jahwe eigentlich hat? Nein? Natürlich nicht, weil sich die Juden keine Kinder eines Gottes vorstellen können. Die sumerischen Götter haben Gattinnen und Kinder zuhauf, wir sind da ganz im Leben. <em>Hier</em> sind wir mit der Sohneseigenschaft Christi auf der richtigen Spur, <em>nicht</em> bei diesem jüdischen Götzen. Trotz aller Unterschiede sei aber angemerkt: Die Juden sollen natürlich verehren, wen sie wollen – wenn sie damit ihren Frieden haben. Der Christus aber ist längst in der sumerischen Theologie integriert als der essentielle Faktor desjenigen Lebens, das Gilgamesch suchte und nicht fand.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Dass die katholische Kirche Frauen vom Priesteramt ausschliesst, ist ein irrwitziger Fehler, der nicht entschuldigt werden kann und in unserer Zeit ganz klar zur Erosion des Glaubens kräftig beiträgt. Im Vorläufer des Christentums, der sumerischen Religion, war es selbstverständlich, dass Männer und Frauen gleiche Rechte und Ansprüche hatten. Gemäß dieser Anschauung wurde auch das Priesteramt gleichermaßen mit Männern und Frauen besetzt. Die katholische Kirche hat keine Legimitation aus der Geschichte, da anderer Meinung zu sein.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Das Zölibat ist eine lächerliche Einrichtung. Es wird gesagt, dass es im 11. Jhd. angeordnet wurde, weil die Priester überall sexuell über die Stränge geschlagen hätten. Kaum zu glauben: War denn die Kirche zu dieser Zeit schon ein Saustall? Dann wäre ihre Auflösung doch besser gewesen. Im Vorläufer des Christentums, der sumerischen Religion, gibt es kein Zölibat. Über viele Generationen bestehende Priesterfamilien standen in hohem Ansehen. Warum, ihr Katholiken, habt ihr euch daran kein Beispiel genommen? Ihr habt doch sonst auch so viel übernommen von den Sumerern!</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Die Geburt Jesu durch die heilige Jungfrau Maria? Ihr Katholiken, seid ihr noch bei Trost? Kein Mensch wird gezeugt ohne Vater. Auch im sumerischen Glauben gibt es keine Geburt eines Gottes ohne vorherigen physischen Zeugungsakt. Wer euch auch diese Komplikation der Jungfrauengeburt eingeblasen hat: Werft das über Bord, wenn ihr euch nicht lächerlich machen wollt. Wie war das nochmal? Um die Heiligkeit Mariä zu gewährleisten, wurde irgendwie götttlich verfügt, dass Joseph sie nicht anrühren sollte. Aha, sehr heilig gedacht und noch heiliger ausgelegt von den gleichen Priestern, die über ihre engelsgleichen Meßdienerlein im Rausch der Fleischeslust herfallen – da schaut man einfach weg.</span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Über 6000 Jahre lang wurde in den Tempeln Mesopotamiens der Kultus auf sumerisch zelebriert, egal, welche Herrscherdynastie am Ruder war, egal, welche Alltagssprache gesprochen wurde. Sumerisch blieb die <em>heilige</em> Sprache, deren Primat nie in Zweifel gezogen wurde. Ähnlich war es berechtigterweise mit dem Lateinischen im Christentum, bis diese Sprache nach knapp 2000 Jahren durch päpstlichen Erlass gekippt wurde, völlig unverständlich. Seitdem ist die katholische Kirche eben nicht mehr universell. Ich kann nicht in welchem fremden Land auch immer sprachlich der Messe folgen. Es wird in Landessprache zelebriert. Das ist nicht nur ein unglaublicher Rückschritt, es zeigt auch den Zeitgeist der römischen Geistlichkeit. Es zeigt, wie viel dem Klerus seine bisher unangefochten heilige Sprache in Wirklichkeit wert ist, nämlich nichts. Der Klerus ist völlig abgekuppelt von jeglicher <em>Spiritualität</em>.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Sowohl im Christentum als auch in der sumerisch-babylonischen Religion wurde stets der Altar gegen Osten ausgerichtet und ebenso gegen Osten – also in die gleiche Richtung, in die die teilnehmende Gemeinde auch blickt – zelebriert. Der Grundgedanke &nbsp;ist, dass der Priester stellvertretend für die Gemeinde singt und betet. Zudem muss der Priester natürlich seinen Blick immer zu den Göttern haben, die in Richtung Sonnenaufgang gedacht werden, und zwar in allen Zeiten. Auch die katholische Kirche wusste um diese Geheimnisse und richtete ihren Gottesdienst nach dieser Vorgabe aus. Seit 1964 plötzlich nicht mehr, da hat man alles vergessen. Das rächt sich nun.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Die katholische Kirche wird bald Geschichte sein, der Glaube an Christus aber nicht. Nur wird der <em>Erlöserglaube</em> sich die Religion suchen, die ihn ehrt und ihm angemessen ist. Das wird die sumerische Religion sein, deren Opferfeier seit Dezember 2021 täglich unter Einbindung des Christusglaubens zelebriert wird. Es ist die offene, dogmenfreie, integrative und polytheistische Religion, die die Menschheit heute wieder ganz dringend braucht. Sie weiß es nur noch nicht.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Kein Mensch heutzutage braucht mehr das Alte Testament, dieses Buch der Schuldgefühle, der Angst vor der Bestrafung durch einen jüdischen Gott namens JHWH. Die Psalmen und Sprüche, die die Kirche als gut und passend zitiert, finden sich viel originaler und zu Herzen gehender in der sumerischen und akkadischen Religionsliteratur. Dafür muss man sich nicht mit den abgekupferten Weisheiten der hebräischen Bibel abgeben. Was das Alte Testament uns auftischt, ist eine herzvergiftende Mischung aus Lüge, falscher Fährte und unverstandenem Abgeschriebenen aus einer moralisch höherstehenden Religion, die man aber aus niederen Beweggründen verleumdet und entstellt hat: Dem Urglauben der Menschheit, der sumerischen Religion.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div>
<div><span class="fs16lh1-5 cf2 ff1"><b>Wolf Wieland</b></span></div>
<div><span class="fs9lh1-5 ff1">(Studienleiter Zentrum für sumerische Studien)</span></div></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 21 Aug 2022 08:15:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Wie man uralte Sprachen wieder zum Leben erweckt]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Altorientalistik"><![CDATA[Altorientalistik]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000004"><div class="imTAJustify"><div><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">A</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ls Beispiel soll uns die sumerische Sprache dienen. Sumerisch wird in Keilschrift notiert. Diese Sprache ist über den Umweg über die akkadische Sprache – die die gleiche Schrift verwendet - Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt worden. Seither ist die sumerische Sprache die älteste Sprache der Menschheit, von der es schriftliche Aufzeichnungen gibt. Die sumerisch-akkadische Keilschrift besteht aus einer Vielzahl von Zeichen, die teilweise Logogramme (Wortzeichen), überwiegend aber Phonogramme (Silbenzeichen) sind. Um diese Schrift in eine lesbare Form zu übertragen, wird die Keilschrift zunächst Zeichen für Zeichen transliteriert, das bedeutet, in lateinisch geschriebene Silben umgesetzt und die einzelnen Silben eines Wortes mit Bindestrichen verbunden. Dieses erste Ergebnis der Lesbarmachung erlaubt es noch, von jeder transliterierten Silbe eindeutig auf das dahinter stehende Keilschriftzeichen zu schließen. Dabei setzt man - &nbsp;für den Laien zunächst unverständlich – vor manche Silben hochgestellte Buchstaben und hinter manche Silben tiefgestellte Zahlen. Warum, wollen wir uns jetzt genauer anschauen.</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div></div><div class="imTACenter"><img class="image-2" src="https://sumeria.at/images/Dingir_7whn5xj9.webp"  title="" alt="" width="56" height="47" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">as vorstehende Logogramm steht für „Gott“, sumerisch „Dingir“. Es steht immer vor einem Gottesnamen, wird aber dort (in anderen Fällen natürlich schon) nicht mitgelesen. In der Transliteration wird folglich vor der ersten Silbe des betreffenden Eigennamens eines Gottes ein </span><sup class="fs14lh1-5 ff1">d </sup><span class="fs14lh1-5 ff1">gesetzt. Auf die Vorstellung weiterer Logogramme des Sumerischen will ich hier verzichten, ein konstruiertes Beispiel aus der deutschen Sprache kann die Verzwicktheit aber gut verdeutlichen: Nehmen wir das Wort „Zweifel“. Aufgeteilt in die Silben „Zwei“ und „fel“ könnte man es in Keilschrift mit den Logogrammen für „2“ und für „Fell“ schreiben. Wer aber den Lautwert der Worte nicht kennt, kommt nie auf die eigentliche Bedeutung. Hier noch ein Beispiel aus der englischen Sprache: dort wird für „und so weiter“ gern „etc“ geschrieben. Das sei jetzt mal unser „Logogramm“. Der Lautwert im Englischen wäre an und für sich „i-ti-si“. Das sagt aber kein Mensch, stattdessen jedoch „and so on“. Wenn man das weiß, kann man nebenbei noch feststellen, dass „etc“ aus einer anderen Sprache kommen muss und nicht eigentlich englisch sein kann (es ist natürlich lateinisch und wird „etcetera“ gelesen). Genau mit solchen Überlegungen müssen sich die Altorientalisten beim Transliterieren der sumerischen Sprache herumplagen – leider können sie keinen lebenden Sprecher befragen.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">E</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ine tiefgestellte Zahl nach einer Silbe in der Transliteration, z.B. „da</span><sub class="fs14lh1-5 ff1">4</sub><span class="fs14lh1-5 ff1">“ bedeutet, dass dahinter das vierte Keilschriftzeichen aus dem sumerischen Glossar einer Reihe von vier oder mehr gleichlautenden Keilschriftzeichen steht. Es gibt also eine Reihe unterschiedlicher Schriftzeichen, die den gleichen Lautwert aufweisen, aber, falls sie sich auf Logogramme beziehen, trotzdem verschiedene Bedeutungen haben. Die nachfolgende Tabelle soll das verdeutlichen:</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-0" src="https://sumeria.at/images/Zeichenliste.webp"  title="" alt="" width="461" height="129" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">S</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ilben, die aufeinanderfolgen, können aus Vokalen oder aus der Kombination von Vokal und Konsonant bestehen. Folgendes könnte man z.B. antreffen: BA-AN oder gar BA-A-AN, oder AN-UN-NA-KI. Wer so etwas aussprechen soll, glaubt vielleicht, das erste, kurze Wort sehr gedehnt sprechen zu müssen wegen der Verdoppelung oder gar Verdreifachung des Vokals "A", und beim zweiten Wort wird er wahrscheinlich denken, das "U" vor den beiden "N" müsse er besonders kurz aussprechen, um dem folgenden Doppel-N (wie bei "Können") gerecht zu werden. Leider gibt es dafür überhaupt keine Anhaltspunkte. Die irrige Vermutung, dass zwei aneinanderstoßende Vokale oder Konsonanten die Ausprache beeinflussen könnten, ist nur dem dummen Umstand geschuldet, dass Silben eben oft aus zwei Buchstaben bestehen und die Sumerer und Akkader folglich nicht anders schreiben konnten.</span><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">amit der (Vor-)Leser von solchen Irritationen nicht verunsichert wird und sich auf intuitives Sprechen konzentrieren kann, transkribiere ich die wissenschaftlichen Transliterationen zu einer normalisierenden Form, wobei ich die Bindestriche und die Doppelungen konsequent weglasse, bis auf wenige Ausnahmen. So würde bei unseren fiktiven Beispielen aus</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><img class="image-3" src="https://sumeria.at/images/Screenshot-2022-08-19-174029.webp"  title="" alt="" width="421" height="114" /></div> &nbsp;&nbsp;&nbsp;<div><div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">S</span><span class="fs14lh1-5 ff1">o ist durch diese Vorgehensweise ein Text aus "normalen" Wörtern entstanden, der sich von deutsch notierten Texten formal nur durch einige Sonderzeichen wegen abweichender Aussprache unterscheidet. Jetzt kommt die eigentliche Sprecharbeit, die langwierig ist. Zunächst sperrt sich die deutsche Zunge gegen viele "merkwürdige" Wortkonstruktionen - man verhaspelt sich leicht. Hat sich dies erst einmal gelegt, wird es nötig, die deutsche Übertragung stets im Blick zu haben, damit man aus dem Wissen, was man da eigentlich liest, Schlüsse auf etwaige Betonungen und die Satzmelodie ziehen kann. Allerdings könnte man damit auch ein "deutsches Empfinden" auf die alte sumerische Sprache übertragen, was natürlich nicht angemessen wäre - erinnern wir uns beispielsweise daran, dass deutsche Sätze, etwa ins Englische, Französische oder Türkische übertragen, auch ganz andere Satzmelodien aufweisen als im Deutschen. Deswegen sollte man sich hier zurückhalten und erst abwarten, was die nachfolgend anstehende "Rhythmusarbeit" dem Textaussprechen abverlangt. Wie die Sumerer wirklich gesprochen haben könnten, weiß kein Mensch, da bis heute keine verwandte Sprache gefunden wurde. Auch denkbare Abweichungen beim Sprechen von der schriftlichen Notation (englisches Beispiel: "Worcestersauce" --&gt; "Wustersosse") werden wohl auf ewig unerkannt bleiben.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><img class="image-4" src="https://sumeria.at/images/Neujahrsfest.webp"  title="" alt="" width="775" height="291" /></div> <div class="imTACenter"><em><span class="fs10lh1-5 ff1">Zum babylonischen Neujahrsfest wurde das gesamte Enuma Elisch deklamiert und gesungen.</span></em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ennoch hängt man nicht ganz vage in der Luft, denn zum Glück hatten die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Akkader</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> soviel Bewunderung und Respekt vor dem Sumerischen, dass sie es noch 2000 Jahre lang nach dessen Aussterben als lebender Sprache als Sprache der Wissenschaft, des Kultus, der Diplomatie und offizieller Verlautbarungen weiterbenutzt haben - ähnlich wie in Europa bis ins 20. Jahrhundert mit dem Lateinischen umgegangen wurde. Die Lautwerte sind also gesichert, denn wie sich das Akkadische angehört haben könnte, ist aus der Verwandtschaft zu anderen semitischen Sprachen wie Aramäisch, hebräisch und arabisch in Grenzen erschließbar. Die Akkader, die über ein Jahrtausend mit den Sumerern in Mesopotamien in Koexistenz lebten, hielten die sumerische Sprache für besonders seriös, geheimnisvoll und "magisch". Sicher darf man daraus folgern, dass sich Sumerisch weder lallend noch krächzend angehört hat, sondern eher vollmundig, feierlich und wohlklingend.</span><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">W</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ir haben es bei den schriftlichen Hinterlassenschaften der Sumerer mehrheitlich mit sakralen Texten zu tun, die zu religiösen Anlässen getragen deklamiert oder mit Orchesterbegleitung solo und in Chören (wahrscheinlich wechselweise) gesungen wurden. Dem Charakter der Texte nach darf man erwarten, dass auch entsprechend formuliert wurde, womit ich meine, dass sicher auf schöne Sprache Wert gelegt wurde, die auch einen angemessenen Rhythmus aufweisen wird. Dies läßt sich tatsächlich erspüren, wenn man einmal versucht, sumerische Texte </span><em class="fs14lh1-5 ff1">rhythmisch</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> zu lesen, wobei es sehr hilft, dabei die Arme wie ein Dirigent zu bewegen. Über kurz oder lang werden sich dann die gesprochenen Worte in den richtigen Rhythmus </span><em class="fs14lh1-5 ff1">einpendeln</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, man wird die "richtige" Betonung finden und man wird den kunstvollen Satzaufbau erst richtig gewahr. Ja, selbst gereimte Zeilenpaare stellen sich plötzlich ein, die man nie zuvor (beim stillen Lesen) bemerkt hatte. Die ganze Harmonie sumerischer Sprachkunst wird so wieder lebendig, und plötzlich stoßen einem ein paar Wörter als im Zusammenhang überraschend sperrig auf und man ändert unwillkürlich deren Aussprache. So kommt man mit der Zeit zu einer gewissen "Einschleifung". Dieser Prozeß wird sich zwangsläufig einstellen, wenn man sich in der von mir beschriebenen Weise mit den Aufzeichnungen beschäftigt. </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf1 ff1">I</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ch bezeichne diese Art, mit den Texten umzugehen, als "</span><em class="fs14lh1-5 ff1">experimentelle Altorientalistik</em><span class="fs14lh1-5 ff1">". Je mehr der Experimentierende praktische Erfahrung mit Sprachen ausserhalb der indogermanischen Sprachfamilie gesammelt hat (z.B. ungarisch, türkisch, arabisch), desto leichter wird er den "Akzent" verlieren, der seine Sprechbemühungen als "</span><em class="fs14lh1-5 ff1">verkleidetes Deutsch</em><span class="fs14lh1-5 ff1">" entlarven könnte - das Sumerische klingt "authentischer". Ob es das wirklich jemals sein kann, wissen allerdings nur die Götter, denn Sumerisch ist bis zum heutigen Tag noch immer eine "Sprache ohne Beispiel".</span></div> <div class="imTAJustify"> </div> <div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><img class="image-5" src="https://sumeria.at/images/Dingir_quzr5ux8.webp"  title="" alt="" width="52" height="44" /></div></div></div>]]></description>
			<pubDate>Fri, 19 Aug 2022 15:15:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Christentum und Sumerische Religion]]></title>
			<author><![CDATA[Terach]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000002"><div class="imTALeft"><span class="fs12lh1-5 ff1"><em>Die sumerische Religion ist die direkte Vorgänger-Religion des Judentums, Christentums wie auch des Islam. </em><em>Unter dem Aspekt der Geschichte Abrahams wurde dies schon im Artikel "Wer war Abraham?" ausführlich behandelt. </em><em>Hier nun soll speziell das Verhältnis zwischen Christentum und der sumerischen Religion betrachtet werden.</em></span></div><div class="imTAJustify"><em><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></em></div><div class="imTAJustify"><span class="fs26lh1-5 cf1 ff1">I</span><span class="fs14lh1-5 ff1">m Allgemeinen glauben die Sumerer an einen unvergänglichen Wesenskern des Menschen, der als </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Totengeist</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> schattengleich - aber dennoch individuell - in der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Unterwelt</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> weiterlebt. Richtig komfortabel ist es aber dort nicht, es ist eher ein Traum- oder besser gesagt, ein Alptraumleben. Am prägnantesten werden wir über die Unterwelt im </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Gilgamesch-Epos</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> unterrichtet. Gilgamesch, der König von Uruk, träumt, dass er dort gewesen sei (7. Tafel) und gibt damit die gängige Vorstellung ihrer Beschaffenheit preis:</span><em class="fs12lh1-5"><span class="fs10lh1-5 ff2"><br></span></em></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">...und führte mich zum Haus des Staubes,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Zum Haus der Finsternis - Irkallas Wohnung!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1"> </em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Zu dem Haus, das nicht mehr verlässt, wer es betritt,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Zur Straße hin, aus der es kein Zurück mehr gibt,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Zum Haus, da hinein kein Lichtstrahl dringt,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Wo Staub die Nahrung, Lehm die Speise ist.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1"> </em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Wo man Federkleider trägt wie die Vögel</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Und kein Licht sieht, weil man im Dunkeln sitzt.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Auf Tür und Riegel lastet dick der Staub.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Totenstille ist gegossen über das Haus des Staubes.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1"> </em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Wo ich eingetreten war, im Haus des Staubes,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Dort sah ich mich um.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Da liegen am Boden Königskronen.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Könige sitzen da, vormals gekrönte Häupter,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Die seit der Vorzeit das Land beherrschten,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Die am Tisch von Anum und Enlil</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Immer gebratenes Fleisch auftrugen,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Die das Gebäck den Göttern kredenzten,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Kühles Wasser aus Schläuchen einschenkten.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1"> </em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Wo ich eingetreten war, im Haus des Staubes,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Dort sah ich mich um.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Da sitzen Hohepriester und Vikare,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Da sitzen Beschwörer, Reinigungspriester,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Da sitzen Gesalbte aller großen Götter.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1"> </em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Da sitzt Etana, da sitzt Schakkan,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Da sitzt der Unterwelt Königin, Ereschkigal.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Belet-Seri, der Unterwelt Schreiberin,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Liegt demütig vor ihr auf den Knien.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Die Schreibtafel hält sie erhoben,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Laut liest sie ihr Zeile um Zeile vor. [1]</em></div> <div><em class="fs12lh1-5 ff1"> </em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs12lh1-5 ff1"> </em></div> <div><span class="fs26lh1-5 cf1 ff1">E</span><span class="fs14lh1-5 ff1">s ist also wenig tröstlich in der Unterwelt. Und alle trifft es gleichermaßen, selbst Könige, deren Insignien jetzt funktionslos im Staub liegen. Ganz selten kommt es vor, dass ein Lebender hinunter in die Unterwelt geht mit dem Ziel, dort etwas zu erledigen und hernach schleunigst wieder emporzusteigen auf die Erde. Die Göttin Inana hatte es gewagt und teuer dafür bezahlt. Denn Vorsicht ist geboten: Geschwind verrät man sich und muss dann ewig dort bleiben. So geschah es auch Gilgameschs Freund Enkidu in der 12. Tafel des Gilgamesch-Epos. Dabei hatte Gilgamesch ihn noch gewarnt:</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Gilgamesch antwortet dem Enkidu:</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">„Oh Enkidu, nimm dich in Acht!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Wenn du in die Unterwelt hinabsteigen willst,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Wenn du zum Heiligtum Irkallas hinab willst,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Dann nimm meinen Rat dir gut zu Herzen:</em></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Ein reines Gewand darfst du nicht anziehen -</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Sonst erkennen sie, dass du ein Fremder bist!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Mit gutem Öl darfst du dich nicht salben -</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Sonst umzingeln sie dich, sobald sie es riechen!</em></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Du darfst das Wurfholz nicht auf die Erde werfen -</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Sonst umringen dich, die vom Wurfholz erschlagen!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Du darfst den Stock nicht in die Hand nehmen -</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Sonst erzittern vor dir vor Furcht die Geister!</em></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> <em>Schuhe darfst du nicht anziehen an die Füße,</em></span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Lärm in der Unterwelt darfst du nicht machen!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Das Weib, das du liebtest, darfst du nicht küssen,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Das Weib, das du hasstest, darfst du nicht schlagen,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Den Sohn, den du liebtest, darfst du nicht küssen,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Den Sohn, den du hasstest, darfst du nicht schlagen:</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Sonst wird dich der Aufschrei der Erde packen!</em></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> <em>Ihr, die da ruht, die da unten ruht,</em></span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Der Mutter des Ninazu, die da ruht -</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Ihre reinen Schultern sind von keinem Kleid bedeckt,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Ihre Brüste, hell wie Alabaster, sind entblößt -</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Ihr darfst du keinen Blick zuwenden,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Damit sie aus der Unterwelt dich wieder entlasse!“</em></div> <div><span class="fs12lh1-5 ff1"> </span></div> <div><span class="fs26lh1-5 cf1 ff1">N</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ur ein Mensch hatte bisher nicht die Unterwelt als Schicksal: </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Utanapischti</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, der mesopotamische Noah, der Menschheit und Fauna mit seiner Arche während der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Sintflut</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> rettete, erhielt vom König von Himmel und Erde, Enlil, für seine Verdienste das </span><em class="fs14lh1-5 ff1">ewige Leben</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> auf der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Insel der Seligen</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Gilgamesch traf ihn einst bei seiner Irrfahrt durch die Welt auf der Suche nach dem ewigen Leben. Er fand es nicht, und auch Utanapischti konnte es ihm nicht geben, </span><em class="fs14lh1-5 ff1">jedoch ein Kraut des Lebens</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, mit dem man sich wieder verjüngen konnte - aber Gilgamesch verlor es auf seiner Rückreise. Erschütternd bleibt einem die Rede der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Siduri</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Schenkin am Meer</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> - die in Wirklichkeit eine Verkörperung der Göttin </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Ischtar</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> ist - in Erinnerung, die Gilgamesch auf sein Nachfragen nach dem ewigen Leben &nbsp;antwortet:</span><br></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Die Schenkin sprach zu ihm, zu Gilgamesch:</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">"Gilgamesch, wo soll dein Weg nur enden?</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Das Leben, das du suchst, das wirst du nicht finden!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Als die Götter die Menschheit erschufen,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Teilten den Tod sie den Menschen zu,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Und nahmen das Leben für sich in Beschlag.</em></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"><em></em></span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Gilgamesch höre - dein Bauch sei stets voll,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Weil Essen und Trinken dir Spaß machen soll!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Ergötzen sollst du dich, singen und lachen,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Und jeden Tag dir zum Feiertag machen!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Tanze und spiele bei Tag und bei Nacht –</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Bis es vollbracht.</em></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"><em></em></span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Gesalbt sei dein Haupt, dein Gewand sei rein,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Mit Quellwasser sollst du gebadet sein!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Genieß die Früchte von Gebirge und Land,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Schau froh auf das Kind an deiner Hand,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Erfreue dich an deiner Gattin Schoß –</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Aber darüber hinaus gibt es nichts –</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Das ist der Menschheit Lebens-Los!“</em></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"><em></em></span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Gilgamesch sprach zu ihr, zur Schenkin:</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">„Ich habe hier meine Zeit verschwendet,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Denn du hast mir wenig Trost nur gespendet!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Ich lasse mir aber von dir den Glauben</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">An ein ewiges Leben nicht einfach so rauben!"</em></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div><span class="fs26lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ie Gilgamesch-Geschichte ist so angelegt, dass der Leser im mesopotamischen Altertum mit Gilgamesch um die Frage fiebert: Kann es wirklich sein, dass vom Menschen nichts übrig bleibt, als ein Totengeist? Es muss doch möglich sein, dass der Mensch den Tod überwindet, wenn die Götter ihn auch nicht schmecken müssen! Siduris zynische Rede befeuert dieses Aufbäumen noch. Wie wenig lieben denn die Götter die Menschen, dass sie alle mit dem Tod bestrafen, selbst wenn sie noch so gottgefällig leben? Dabei sind die Fähigkeiten der Götter durchaus vorhanden, Tote wieder auferstehen zu lassen - ja, alles, was vergeht, wieder zurückzuholen in neues Dasein. Im </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Enuma Elisch</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> ist dies eine Götterprüfung des jungen Marduk: Er muss vor den Augen der anderen Götter ein Sternbild in Sekundenschnelle vollständig zerstören, um es anschließend ebenso schnell haargenau wieder entstehen zu lassen. Tote wiedererwecken zu können wird nicht wenigen Göttern des sumerisch-akkadischen Pantheons zugeschrieben. Im Wesen der Götter ist alles, was war, vorhanden, gleichwie alles, was sein wird. Selbst wenn ein Mensch verstorben und sein Körper vergangen ist, können sie ihn wieder von Neuem leben lassen. Ja, selbst wenn sein Totengeist vernichtet wäre - also nichts mehr von ihm übrig wäre, können die Götter ihn - wie jedes Ding, das es in den Weltenweiten gibt oder gab - erneut erschaffen, so wie er war, und ihm das Leben neu verleihen. Das ist vielfältig dokumentiert, und es ist das Wunder des Lebens. Aber wir kennen nicht viele Beispiele, in denen die Götter von ihren Fähigkeiten Gebrauch gemacht hätten.</span><br></div><div><span class="fs26lh1-5 cf1 ff1">G</span><span class="fs14lh1-5 ff1">anz anders verhält es sich mit einem anderen Gott, dem </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Christus Jesus</em><span class="fs14lh1-5 ff1">: Er hat - zum ersten Mal in der Geschichte der Götter - jedem das </span><em class="fs14lh1-5 ff1">ewige Leben</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> versprochen, der an ihn </span><em class="fs14lh1-5 ff1">glaubt</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Als er leibhaftig auf Erden wandelte, war das </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Glauben</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> schon keine Selbstverständlichkeit mehr unter den Menschen, anders als im ehrfurchtsvoll frommen Mesopotamien. Der Christus Jesus war zeitlebens umgeben von Zweiflern und abgestumpften Erbsenzählern. Nichtsdestotrotz hat er das Größte geleistet, was je ein Gott der Menschheit getan hat: </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Den Tod besiegt</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> und die Menschheit befreit von der Geisel des Todes. Als der Christus Jesus den Tod des Leibes am Kreuz erlitten hatte und in seine Grabeshöhle gelegt worden war, fuhr er hinab in die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Unterwelt</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> zu denen, die ihn - den sehnlichst Erwarteten - nicht kennen konnten. Und all die, die guten Willens und guter Gesinnung waren, hat er in der gleichen Weise erlöst, wie die, die unter den Lebenden an ihn glauben durften. Damit hat der Christus Jesus auch alles Volk von Mesopotamien aus dem Halbtod der Unterwelt erweckt, erlöst und zu sich genommen. Die sumerische Unterwelt ist seit dieser Zeit nurmehr ein historischer Ort, ihre Schrecken sind gebannt, sie ist aufgelöst. In der geistigen Welt Sumers sitzt der Christus Jesus neben An im Pantheon, Marduk hat ihm die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Enlilschaft</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> mit Freude abgetreten. Vielleicht wird es Zeit für ein neues großes Epos.</span><br></div><div><span class="fs26lh1-5 cf1 ff1">W</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ir wissen den Christus Jesus auch als unseren Erlöser. Der Christus Jesus hat keine neue Religion gegründet. Er ist im Gärbottich der jüdischen Welt aufgetaucht, weil die Juden die direkte Verbindung zur sumerisch-mesopotamischen Religion darstellen, aber leider nicht gläubig werden wollten. Kein anderes Volk befand sich zu dieser Zeit in einem vergleichbaren Spannungsfeld. Die Mehrheit der Juden konnten dem Christus Jesus in ihrer jahwistischen Befangenheit nicht folgen - die Mesopotamier sind ihm wegen seines Erlösungsangebots (als er an der Pforte der Unterwelt erschien) mit brennendem Herzen in die Arme geflogen.</span><br></div> <div> </div> <div><span class="fs24lh1-5 cf2 ff3">Terah</span></div> <div><span class="fs12lh1-5 ff1">(Priester im Heiligtum des Nanna in Nippur)</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><img class="image-0" src="https://sumeria.at/images/Dingir_x86vmfvn.webp"  title="" alt="" width="78" height="66" /><span class="fs12lh1-5 ff1"><br></span></div><hr><div class="imTACenter"></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTALeft"><img class="image-1" src="https://sumeria.at/images/Disclaimer.webp"  title="" alt="" width="342" height="97" /><br></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><br></div> <div></div></div></div>]]></description>
			<pubDate>Thu, 18 Aug 2022 19:43:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Nichts als Wind - und doch behütet]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Zukunftsbew%C3%A4ltigung"><![CDATA[Zukunftsbewältigung]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_00000000E"><div class="imTACenter"><em><span class="fs12lh1-5 cf1 ff1">"Mein Freund, wer stürmt je in die Himmelszonen?</span></em></div> <div class="imTACenter"><em><span class="fs12lh1-5 cf1 ff1">Allein die Götter sind es, die dort ewig wohnen;</span></em></div> <div class="imTACenter"><em><span class="fs12lh1-5 cf1 ff1">Und abgezählt der Menschen Tage sind:</span></em></div> <div class="imTACenter"><em><span class="fs12lh1-5 cf1 ff1">Was sie auch machen, es ist nichts als Wind."</span></em></div><div class="imTACenter"><span class="fs10lh1-5 cf1 ff1">(Aus dem Gilgamesch-Epos, Übertragung von Wolf Wieland)</span><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf2 ff1">M</span><span class="fs14lh1-5 ff1">enschen gehen dahin, Kulturen versinken in Schutt und Asche, Tempel zerbrechen, Götterstatuen zerfallen zu Staub. Doch die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Götter selbst</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> überdauern alles. Sie sind </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Teil der geistigen Welt</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> und unabhängig von Materie, Anbetung oder menschlicher Aufmerksamkeit. Ihre Namen mögen wechseln oder vergessen werden: Sie sind dennoch </span><em class="fs14lh1-5 ff1">ewig</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Die Götter sind keine Erfindung des Menschen - sondern die Menschheit ist eine Erfindung der Götter. Auch wenn die meisten Menschen sie nicht mehr kennen, sie sind trotzdem da. Die meisten Menschen müssen sie auch nicht kennen - es reicht vielleicht schon, wenn sie Nutzen aus der Begegnung mit ihnen ziehen dürfen. </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Unsere Tage sind abgezählt. Gegen das Schicksal stemmen können wir uns nicht, denn was wir <em>Schicksal</em> nennen, sind die <em>Verfügungen der Götter</em> über uns. Was immer wir unternehmen - es ist nichts als Wind, der ausgeweht hat, sobald unsere Hand für immer sinkt. Dennoch ist der Mensch mehr als ein Sandkorn am Strand. Jeder Einzelne ist in seiner Individualität anerkannt von den Göttern und <em>nie verloren, nie vergessen</em>. Jeden Menschen begleiten auf seinem Erdenleben ein <em>persönlicher Gott</em> und eine <em>persönliche Göttin</em>. Sie schirmen seine glücklichen Stunden ab und nehmen ihn an der Hand in seinen schweren Zeiten. Ja, selbst nach seinem Tod weichen Gott und Göttin nicht von seiner Seite, und während er in der Unterwelt vor den Richtern der <em>Anunnaki</em> steht, darf er die schützende Hand Gottes ergreifen und seine Knie umfassen. <br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <h2 class="imHeading2">Die persönliche Zukunft retten und schützen</h2> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf2 ff1">G</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ötterzorn hingegen bringt Verderben, ruiniert das Leben und führt in den Abgrund. </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Es gibt ihn tatsächlich</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, und er ist der Grund für die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Schicksalsschläge</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, die wir verspüren. Liegt es an uns? Haben wir uns gegen die Gesetze der Götter vergangen, haben wir "</span><em class="fs14lh1-5 ff1">gesündigt" </em><span class="fs14lh1-5 ff1">? Oder haben es andere Mächte auf uns abgesehen, vielleicht durch Menschen, die wir nicht kennen, noch nie beachtet haben, an die wir nie im Leben denken würden? Hat irgend jemand uns </span><em class="fs14lh1-5 ff1">denunziert</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, uns schlecht gemacht bei der Gottheit? Wie kann es sein, dass wir leiden müssen, obwohl wir uns vielleicht keinerlei Schuld bewusst sind? Zumindest lassen sich viele Entwicklungen rechtzeitig erkennen an </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Zeichen</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, die uns gesendet werden. Diese Zeichen können schon zu Zeitpunkten auftreten, an denen uns noch überhaupt nichts zugestoßen ist. Aber nur der, der diese Zeichen erkennt und zu lesen weiß, kann rechtzeitig eingreifen, um die sich anbahnende üble Entwicklung zu </span><em class="fs14lh1-5 ff1">stoppen</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> und die Zukunft zu </span><em class="fs14lh1-5 ff1">retten</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. </span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"></div> <div class="imTACenter"><img class="image-0" src="https://sumeria.at/images/Das_juengste_Gericht.webp"  title="" alt="" width="1010" height="301" /><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="imTALeft fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Doch selbst wenn der eigene Niedergang schon offensichtlich ist, wenn nichts frühzeitig erkannt und in die Wege geleitet wurde, kann Leben und Zukunft noch bewahrt und alles zu einem guten Ende gewendet werden. Man muss allerdings wissen, was den Angriffen böser und unsichtbarer Mächte Wirksames entgegengesetzt werden kann. Das über alle Maßen Wirksame finden wir im <em>Wort Gottes</em>, dessen Gewalt die Macht des Bösen in ihre Schranken weist und der alles Schlimme, was uns befallen hat - sei es an unserem eigenen Körper, unserer Seele, unserer Familie, unserem Eigentum, unserer finanziellen Existenz - von uns nimmt und dahin zurückschickt, wo es hergekommen ist und wo es hingehört. Unsere Zukunft kann das Böse dann nicht zerstören, sie ist wieder frei, lebenswert und steht unter dem <em>Schutz</em> der wieder versöhnten Götter. Dieser kosmische Vorgang wird durch Rituale angestoßen, die tausendfach erprobt sind.<br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> &nbsp;</span></div><div class="imTAJustify"></div> <h2 class="imHeading2">Folgenabschätzung von Entscheidungen</h2> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf2 ff1">E</span><span class="fs14lh1-5 ff1">s gibt viele weitere Anlässe, um Maßnahmen der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Zukunftsbewältigung</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> ins Spiel zu bringen. Es sind all die Momente im menschlichen Leben, in denen wir vor </span><em class="fs14lh1-5 ff1">wichtigen Entscheidungen</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> stehen. Wenn wir über etwas entscheiden müssen, das weitreichende Konsequenzen für uns in der Zukunft hat, fällt uns das meist schwer. Selbst wenn wir völlig rational argumentieren, plagen uns trotzdem immer wieder Zweifel. Das kommt daher, dass wir über die Zukunft wirklich nichts wissen. Wir können zwar Analogieschlüsse ziehen ("damals war das so, dann wird es in der heute ähnlichen Situation auch so sein"), aber können wir uns darauf verlassen? </span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Wir sehen anhand der großen Entwicklungen unserer Zeit, plötzlich hereinbrechender Krisen, wie Undenkbares Wirklichkeit wird und das Leben unvorhersehbar aus den gewohnten Bahnen geworfen wird. Da ist die eigene Vorausschau dürftig aufgestellt, wenn es darum geht, die Folgen abzuschätzen bei einem </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Kredit</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, einem </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Hauskauf</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, einer </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Geschäftsgründung</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, einer Auswanderung oder einer neuen, weiteren </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Berufsausbildung</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> und vielem anderen mehr. Wir können eben nicht in die Zukunft blicken - sie gehört allein Gott. Was also ist zu tun? </span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Die sumerische Geisteswissenschaft hat schon vor vielen tausend Jahren Verfahren entwickelt, deren Ziel es ist, die Zukunft beherrschbar zu machen auf Grundlage direkter Äußerungen der Götter zu präzisen Fragen. Diese Verfahren sind äußerst vielseitig und haben sich viele tausend Jahre bewährt und nachweislich zur Stabilität von Staaten und Gesellschaften beigetragen. Sie werden </span><em class="fs14lh1-5 ff1">binary requests</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> genannt oder weniger modisch schlicht Orakel-Anfragen. Einzeln für sich genommen sind diese Methoden simpel, aber im Verbund mit Divination und Inkantation sind sie sehr wirksam. Es sind heute vergessene Einwirkungsmöglichkeiten, die wieder zu beleben eine lohnende Aufgabe ist.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-1" src="https://sumeria.at/images/Dingir.webp"  title="" alt="" width="76" height="64" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><hr><div class="imTALeft"><img class="image-2" src="https://sumeria.at/images/Disclaimer.webp"  title="" alt="" width="403" height="114" /></div></div></div>]]></description>
			<pubDate>Thu, 24 Jun 2021 20:01:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Über den Informationswert antiker Quellen]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Altorientalistik"><![CDATA[Altorientalistik]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_00000000F"><div class="imTAJustify"><div class="imTACenter"><em><span class="fs10lh1-5 ff1">Die Stadt Babylon um 570 v.Chr.</span></em></div><div class="imTACenter"><em><span class="fs10lh1-5 ff1"><br></span></em></div></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">E</span><span class="fs14lh1-5 ff1">s ist erstaunlich und zunächst kaum glaubhaft, dass die fast 6.000 Jahre währende Hochkultur des alten Zweistromlandes, die zu ihrer Zeit das Bild der östlichen Welt weithin bestimmte, und deren Ausstrahlung, wie wir heute wissen, bis nach Ägypten und Jonien, Persien, Indien und Südarabien reichte, dem Gedächtnis der späteren Menschheit fast gänzlich entschwinden konnte, und dass ihre Schöpfer, die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Sumerer</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, nicht einmal mehr dem Namen nach bekannt blieben. Die Welt des Alten Orients zeichnete sich jedoch schon bei den griechischen Historikern nur noch recht vage ab und hinterließ selbst im Alten Testament - einer Schöpfung des ersten vorchristlichen Jahrtausends - nur ein äußerst blasses Bild. Fragen wir nach den Gründen dieses rätselhaften Phänomens, so liegt es daran, dass Jahwes Volk einerseits seine heidnischen Nachbarn bewußt übersah, dass sich andererseits die geistige Kultur des Griechentums weithin selbstgenügte und das erwachende historische Denken ihrer Schriftsteller schlicht zu spät kam, um die bereits verschütteten Quellen wieder zum Fliessen zu bringen. </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Die Zerstörung des Assyrerreiches am Ende des 7. Jahrhunderts v.Chr. war so radikal, dass jegliche Spuren davon binnen Monaten verschwanden. Und das Perserreich, das Mesopotamien danach für 200 Jahre beherrschte, war den Griechen von Anfang an so bedrohlich und verhaßt, dass sie sich seiner stark babylonisch getönten Kultur bewußt und mit Abscheu verschlossen. Eine tiefe Kluft hatte sich zwischen Okzident und Orient aufgetan, und kaum eine Brücke führte vom einen Ufer zum anderen. Der Versuch Alexander des Großen, die beiden Welten zu vereinen, mißlang: Sein Seleukidenreich verging zwischen den beiden mächtigen Schraubzwingen Rom und Partherreich wie eine Blase, und die Grenze im Osten erstarrte zu einem höchst selten gelüfteten <em>Eisernen Vorhang</em>. So geschah es, daß in unwahrscheinlich kurzer Zeit alle Kunde von den Menschen an Euphrat und Tigris und den Werken, die sie geschaffen hatten, verstummte und in wenigen Fällen allenfalls zur seltsam anmutenden Fabel wurde.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><img class="image-0" src="https://sumeria.at/images/Babylon-Ruinen-1932.webp"  title="" alt="" width="1010" height="313" /></div> <div></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">Das blieb übrig: Die Ruinen von Babylon.</em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Der Einbruch des wenig geschichtsinteressierten Islam im 7. Jahrhundert n. Chr. erhöhte noch die Scheidewand zwischen Orient und Okzident. 1258 erreichten die Mongolen Mesopotamien und brachten Grauen und Verwüstung, 1627 schließlich die Türken. Unablässig rieselte, jahrhundertelang, der vom ewigen Wind der Wüste herangewehte Sand über die Ruinen der uralten Städte, in denen nun kein Mensch mehr hauste. Nur umherziehende Beduinen warfen einen Blick auf sie, blieben ihnen aber fern, denn böse Dämonen trieben - so glaubten sie - in den Trümmern ihr Unwesen. Die Welt der großen Eroberer, Architekten und Administratoren mit ihrem Gefolge von Wirtschaftsfachleuten, Künstlern, Schreibern und Dichtern - jene grandiose Welt, über die Götter mit so klangvollen Namen wie Anu, Enlil oder Ea, Sin, Schamasch, Ischtar, Marduk, Nabu und Nanna geboten hatten - war begraben und vergessen, so, wie es die eifernden Propheten Israels herbeigesehnt hatten. </span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"><img class="image-1" src="https://sumeria.at/images/Babylon_West.webp"  title="" alt="" width="1047" height="312" /></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><div><em><span class="fs10lh1-5 ff1">Babylon um 600 v. Chr. von Westen gesehen - eine Metropole mit 500.000 Einwohnern</span></em></div></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">Z</span><span class="fs14lh1-5 ff1">u den wenigen, die in der klassischen Griechenzeit die Mauer des Schweigens zu durchbrechen versuchten, gehörte der in Athen lebende </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Herodot</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> (ca. 490 - 420 v.Chr.), der auf seinen Reisen nach Vorderasien, Ägypten und Afrika wohl um die Mitte des 5. Jahrhunderts auch die damalige persische Provinzhauptstadt </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Babylon </em><span class="fs14lh1-5 ff1">besuchte. Das geschah knapp 100 Jahre, nachdem der letzte babylonische König, Nabonid, 539 v.Chr. von den Persern entthront wurde. Aber wie dürftig ist das, was der große Gelehrte - trotz offener Augen und Ohren - in seinen </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Historien</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> von Babylon und seinen Bewohnern zu berichten weiß! Unsere wiedergewonnene Kenntnis des Alten Orients und vor allem die Ergebnisse der deutschen Ausgrabungen in Babylon selbst (Koldewey 1898-1917) befähigen uns heute, Herodots Angaben kritisch zu überprüfen; das Ergebnis ist äußerst enttäuschend.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Es befremdet, dass es Herodot als Historiker offenbar nicht gelungen ist, auch nur das Geringste über die lange und wechselvolle Geschichte des Landes zu erfahren. Er ist noch nicht einmal in der Lage, auch nur einen einzigen babylonischen Königsnamen richtig zu zitieren. Selbst der letzte Herrscher, Nabonid, erscheint in der Mißform <em>Labynetos</em>. Seltsam ist ferner, dass Herodot die erste Eroberung Babylons durch Kyros 539 zugunsten der zweiten durch Dareios 522 unterschlägt. Doch mag man ihm das alles durchgehen lassen, weil er die aramäische Landessprache nicht beherrschte und überhaupt mit den verbliebenen babylonischen Gelehrten anscheinend keinerlei Kontakt bekam. Schwerer wiegt schon, dass er das Neujahrsfesthaus und den Sommerpalast Nebukadnezars - nur 3 km nördlich vom Stadtzentrum - nicht kennt und sogar den Mauerring der inneren Stadt völlig falsch mit 23 km angibt, während er in Wirklichkeit nur 8,5 km misst. Den bereits verfallenen doppelten Mauerring sah Herodot als eine einzige Mauer an, auf der angeblich bequem ein Viergespann hätte fahren können. Die farbige Herrlichkeit des <em>Ischtartors</em>, das er als <em>Tor der Semiramis</em> bezeichnet, mit seinen imposanten Stier-, Löwen- und Schlangendrachen-Reliefs entging ihm ebenso wie die Pracht des Nebukadnezarschloßes. Auf der berühmten Prozessionsstraße mit ihrer rot-weißen Quaderpflasterung lag in den Tagen seines Besuches wohl schon eine hohe Schuttschicht, die von den angrenzenden Mauern stammte, so daß der griechische Reisende ahnungslos über sie hinwegschritt, und ebenso übersah er die Reste jener <em>Hängenden Gärten</em>, die spätere griechische Schriftsteller als <em>Weltwunder</em> priesen und gleichfalls der Semiramis zuschrieben. Auffälligerweise hören wir auch kein Wort über die mehr als 50 anderen Heiligtümer der Stadt neben dem Marduk-Tempel, und bei der Beschreibung des letzteren wird Marduks zentrale Kultstätte mit einer Fläche von immerhin 6.400 m² nur sehr nebensächlich erwähnt. Falsche Vorstellungen hatte Herodot auch von der berühmten Euphratbrücke, die die beiden Teile der Stadt verband: Natürlich wurde bei ihr ein Segment des hölzernen Oberbaus zwischen zwei Sockeln hochgezogen. Aber das geschah gewiß nicht, wie sich Herodot erzählen ließ, um Räubern und Dieben das Herüberwechseln von einem Flußufer zum anderen zu erschweren, sondern um zu bestimmten Stunden den hochmastigen Segelschiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Die offenbare Leichtgläubigkeit des griechischen Gelehrten, die ihm bereits von Thukydides vorgeworfen wurde, hat ihn auch noch zur Aufzeichnung zweier Geschichten aus dem babylonischen Leben verleitet, die unserem heutigen, auf keilschriftlichen Aussagen beruhenden Bild, widersprechen. Es sind die Anekdoten vom <em>Heiratsmarkt</em> und von der <em>Prostitution der Frauen</em> im Dienst der Ischtar, die er <em>Mylitta</em> nennt.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div><div class="imTACenter"><img class="image-2" src="https://sumeria.at/images/Onager.webp"  title="" alt="" width="1010" height="404" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">Wildesel (Onager), wie sie in der mesopotamischen Steppe häufig anzutreffen sind.</em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ass die so berühmt gewordene </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Anabasis</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> Xenophons (ca. 430-354 v.Chr.) bei ihren Angaben über das 401-399 von den </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Zehntausend</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> durchzogene Mesopotamien noch karger bleibt, darf nicht verwundern: das etwa 100 Jahre nach Herodot geschriebene Buch des gelehrten Sokrates-Schülers ist eher ein Bericht über den Feldzug Kyros' II gegen den persichen König Artaxerxes II Mnemon und als solcher für uns wenig ergiebig. Immerhin hören wir einiges über das Land - "überall gleichmäßig eben wie ein Meer und mit Wermut bewachsen... Bäume gab es keine, aber mancherlei Tier, am meisten Wildesel, auch viele Strauße, ebenso kamen Trappen und Gazellen vor" - und erhalten damit die reizende Beschreibung des </span><em class="fs14lh1-5 ff1">mesopotamischen Wildesel</em><span class="fs14lh1-5 ff1">s (Onager). Die Truppen konnten aus dem Land zur Verpflegung Dattelwein und Hirsebrot requirieren - beides reichlich, und genossen auch die ausgesuchten, bernsteinfarbigen Speisedatteln und Palmherzen, von letzteren sie aber </span><em class="fs14lh1-5 ff1">heftiges Kopfweh</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> bekamen. Kanäle wurden auf festen oder Schiffbrücken überschritten, und bei dieser Gelegenheit äußert sich Xenophon kurz über die Wasserwirtschaft des Landes: "Diese Kanäle hatten ihr Wasser vom Tigris. Von ihm aus waren Gräben in das Land eingeschnitten, zuerst große, dann kleinere, zuletzt nur noch dünne Rinnsale, wie in Griechenland für die Hirsefelder". </span><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Bei der Schilderung des tigrisaufwärts gehenden Rückmarsches erwartet der Leser mit einer gewissen Spannung den Zeitpunkt, an dem das Griechenheer die Plätze der alten Assyrer-Hauptstädte Assur, Kalach und Ninive passiert. Doch Xenophon identifiziert diese Orte nicht mehr. Weiter flußaufwärts fällt ihm eine "große, verlassene Stadt" auf, die er <em>Larisa</em> nennt und als einst von den Medern bewohnt bezeichnet. "Die Stadtmauer, aus gebrannten Ziegeln erbaut, war 25 Fuß breit, 100 Fuß hoch; Ihr Umfang 2 Parasangen (10 km), das steinerne Fundament war 20 Fuß hoch... Neben dieser Stadt stand eine steinerne Pyramide von der Breite eines Plethron und der Höhe zweier Plethren (30 bzw. 60 m)." Hier dürfte es sich um Reste von Kalchu (Nimrud) handeln, die heute wieder ausgegrabene Assyrer-Hauptstadt des 9. und 8. Jahrhunderts und die Ruine eines ihrer Tempeltürme. Einen Tagesmarsch weiter fällt Xenophon eine einsame Ringmauer auf, "die wohl eine große Stadt umgab"; auch sie soll einst von Medern bewohnt gewesen und von den Persern erst eingenommen worden sein, als "Zeus die Einwohner durch Donner erschreckte". Wenn Xenophon hier (was anzunehmen ist) <em>Ninive</em> meinte, so ist ihm jedenfalls der Name des Ortes nicht genannt worden; er nennt ihn <em>Mespila. </em>Mit dem Eintritt ins Bergland verläßt das Heer, das nun auf reiche Viehherden trifft, mesopotamisches Gebiet. Xenophons dürftige Zeugnisse über das Zweistromland finden somit hier ihren Abschluss.<br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-3" src="https://sumeria.at/images/Kalchu-Nimrud.webp"  title="" alt="" width="1010" height="362" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">Kalchu, die assyrische Hauptstadt, 612 v. Chr. zerstört. Künstlerische Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts von James Fergusson nach den wissenschaftlichen Befunden.</em> </div><div class="imTACenter"><span class="imTAJustify fs28lh1-5 cf1 ff1"><br></span></div><div class="imTALeft"><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ass andere Griechen von Bildung dem ihnen so fremdartig anmutenden Land größere Aufmerksamkeit widmeten, beweisen zwei Menschenalter später</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Aristobul</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs14lh1-5 ff1">und weitere Teilnehmer am Feldzug Alexanders des Großen, deren Eindrücke uns von</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Strabon</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs14lh1-5 ff1">(63 v.Chr. - 20 n. Chr.) im vorletzten Buch seines 17 Bände umfassenden Werkes</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Geographika</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs14lh1-5 ff1">erhalten geblieben sind, dem Band, der Assyrien und angrenzenden Gebieten gewidmet ist. Strabon hat - wenn er auch den überlieferten fabelhaften Maßen der babylonischen Stadtmauer nicht widerstehen konnte, und das Marduk-Zikkurat nur noch als "Grabmal des Gottes Belos" zu deuten weiß - eine ungefähre Vorstellung von den Hängenden Gärten, die er - nicht unrichtig, wie sich bei den Grabungen erwiesen hat - als pfeiler- und bogengestützte Dachgärten beschreibt. Ihm ist es wichtig, von der Baumarmut des Landes und der daraus resultierenden Bauweise zu berichten, er erwähnt die rivalisierenden priesterlichen Astronomenschulen, erläutert die Herkunft der von Euphrat und Tigris geführten Wassermengen und schildert zutreffend die Rolle der Dattelpalme, die weiteren Landeserzeugnisse und die hohe Fruchtbarkeit des bebauten Gebietes, die er als etwa dreihundertfältig angibt. Weiter ist ihm die Wichtigkeit des reichlich vorkommenden Asphalts für die babylonische Wirtschaft, die Bedeutung des Sesam-Anbaus für die Ölgewinnung und dies und jenes von Sitten und Tracht der Landesbewohner bekannt. Aus ihrer Geschichte weiß er um das Schicksal</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Ninives</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><span class="fs14lh1-5 ff1">- "Die Stadt Ninive verschwand sofort nach dem Sturz der Syrer (=Assyrer)" - wie auch um den durch die Gründung</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Seleukias</span></em><i><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></i><span class="fs14lh1-5 ff1">verursachten Niedergang Babylons. Sogar einige Kanäle, darunter der berühmte, heute noch so genannte</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Königsfluß</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1">, sind ihm geläufig, und daran anschließend bietet Strabon eine vorbildliche Beschreibung der Kanalwirtschaft des Landes:</span></div></div><div class="imTALeft"><span class="imTAJustify fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">"Da der Euphrat, wenn der Schnee Armeniens im Frühjahr geschmolzen ist, zu Beginn des Sommers anschwillt, würde er notwendigerweise die Felder überschwemmen und versumpfen, wenn man nicht das überschüssige Wasser in Gräben und Kanäle ableitete, wie beim Nil in Ägypten. So sind die Kanäle entstanden. Sie bedürfen aber großer Nachhilfe, denn die Erde ist tief, weich und nachgiebig, so daß sie von der Strömung leicht weggeschwemmt wird und die Ebenen entblößt, die Kanäle aber füllt, und der Schlamm leicht die Mündungen verstopft. So erzeugt dann wieder der Wasserüberschuss auf den Ebenen am Meer Seen, Sümpfe und Schilfwälder... Solche Überschwemmungen gänzlich zu verhindern, ist zwar vielleicht nicht möglich, aber ihnen vorzubeugen guter Herrscher Pflicht. Die Aufgabe besteht darin, ein zu starkes Austreten des Flusses durch Eindämmung, die Füllung mit Schlamm durch Reinigung der Kanäle und Offenhalten ihrer Mündungen zu verhindern. Die Reinigung ist leicht, die Eindämmung aber erfordert viele Hände; denn da die Erde nachgiebig und weich ist, trägt sie den aufgeworfenen Schlamm nicht, sondern zieht ihn mit fort und veranlaßt in unangenehmer Weise ein Verstopfen der Mündung. Aber Eile tut not, die Kanäle schnell zu verschliessen, damit sich nicht alles Wasser aus ihnen verläuft. Denn wenn sie im Sommer austrocknen, wird auch der Fluß trocken und kann dann, wenn es am nötigsten ist, dem durchglühten und versengten Land die notwendigen Wassermengen nicht abgeben. Es macht dann keinen Unterschied, ob die Feldfrüchte durch Überfülle des Wassers eingehen oder durch Wassermangel vertrocknen. Aber auch die nutzbringende, durch die beiden erwähnten Schwierigkeiten gefährdete Schiffahrt kann nicht bestehen, wenn die Kanalmündungen nicht schnell geöffnet und wieder verschlossen werden, so daß die Kanäle stets Mittelhöhe haben und das Wasser in ihnen weder überfließt noch fehlt."</span></i></span></div></blockquote><i><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><br></span></i></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Dieser Text Strabons hat den Wert eines Standardberichts; keilschriftlich immer wieder bestätigt, bleibt er kulturgeschichtlich hochbedeutsam.</span></div></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><i><span class="cf2"><br></span></i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div><div class="imTACenter"><img class="image-4" src="https://sumeria.at/images/Marschland3.webp"  title="" alt="" width="1010" height="502" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">Marschland im Süden Iraks</em></div> <div class="imTAJustify"><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">N</span><span class="fs14lh1-5 ff1">och ältere und genauere Beschreibungen des Zweistromlands und seiner Bewohner sollten wir von der alttestamentarischen Literatur erwarten, die ja in der Hauptmasse mit dem neuassyrischen und babylonischen Reich zeitgenössisch ist. Indes werden wir auch hier enttäuscht. Die offenbar alte Geschichte von </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Abrahams Kampf mit den Ostkönigen</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> (Gen.4) ist schwer zu deuten, gelegentliche historische Einschübe - etwa über Sanheribs Ermordung (2. Kön. 19,36 f) - und die Erwähnungen assyrischer und neubabylonischer Feldzüge nach Syrien und Palästina sind wenig ergiebig. Und wenn wir von </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Jesajas</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> Weheruf über Assur (Kap. 10) und dem Jubelgesang </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Nahums</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> über Ninives Fall (Kap. 2,4-3,7) absehen, so bleibt das Material - trotz 60jährigem Aufenthalt der Juden im babylonischen Exil - von ähnlicher Dürftigkeit.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Verfolgen wir die biblischen Aussagen zum Thema nach ihrer vermutlich zeitlichen Abfolge, so hat uns die berühmte Turmbaulegende in Genesis II (dem ältesten jahwistischen Erzähler. Die frühere Vermutung, der Text stamme aus dem frühen 10. Jhd. v. Chr. wird heute allgemein angezweifelt) offenbar einen Eindruck von den gewaltigen Zikkuraten und dem Völkergemisch im Zweistromland aufbewahrt, während eine Bußrede des Propheten <em>Amos</em> (5, 26, ca. 760 v. Chr.) den Pomp mesopotamischer Götterprozessionen widerspiegelt. Die Geschichte von <em>Achans Diebstahl</em> und Steinigung (Jos. 7,21, 8, 7. Jhd.) kennt den Export babylonischer Textilien nach Palästina. Man verurteilt in den streng jahwistischen Kreisen den mesopotamischen Kult von Sonne, Mond und Sternen, der unter "abgöttischen" Königen sogar im Jerusalemer Tempel nachgeahmt wurde, verwirft die babylonische Praxis der Zukunftsbestimmung durch die Leberschau und erzählt sich mit Abscheu das Bemühen der nach 722 aus Assyrien ins eroberte Samaria Umgesiedelten, ihren angestammten Göttern dort neue Bilder und Kultstätten zu errichten - wobei übrigens nur ein einziger Göttername, der des Pestgottes <em>Nergal</em> von Kutha, korrekt überliefert wurde (2. Kön. 17, 30). <em>Ezechiel</em>, der nach 579 selbst als Deportierter in Babylon lebte, nennt seine Zwangsheimat verächtlich "Krämerland" (16, 29; 17, 4), schildert aber auch einmal die dort übliche Kleidung (23, 14), und die <em>Heimattreuen</em> saßen trauernd <em>an den Wassern von Babylon</em>, den zahlreichen Kanälen (Ps. 137). In den Klageliedern des <em>Deuterojesaja</em> hören wir gelegentlich von <em>Bel</em> (Marduk) und dem Gott <em>Nabû</em>, wie auch von der Dämonin Lilîtu (Jes. 34, 14; 46, 1), und Deuterojesaja ist es auch, der die babylonischen Astronomen als <em>Himmelsvermesser</em> verspottet (Jes. 47, 13) und die <em>schwarze Magie</em> der "Chaldäer" anprangert (47, 9, 11). Noch in der spätesten Schrift des Alten Testaments, dem um 160 v. Chr. entstandenen <em>Buch Daniel</em> (2, 2), wirkt der Eindruck der übermächtigen Geheimwissenschaften Babylons nach, wenn erzählt wird, wie Nebukadnezar "Zeichendeuter, Wahrsager, Beschwörer und Chaldäer" zu sich gerufen habe, um sich von ihnen einen quälenden Traum deuten zu lassen.</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Viel mehr läßt sich dem ersten Teil der Bibel an Aussagen über den mächtigen Nachbarn an Euphrat und Tigris nicht abringen, und das muss uns nicht wundern: Die Schriften des Alten Testaments sind eine religiöse Sammlung, in der die Herrscher von Assur und Babel höchstens peripher als Zwingherren und ihre Städte als Brutkästen wüster Abgötterei vorkommen. Das Land der zwei Ströme war der jüdischen Intelligenz suspekt; das erklärt ihre Zurückhaltung, die übrigens ebenso für Ägypten gilt. In der neutestamentarischen Offenbarung Johannis gipfelt Babylons Rolle schließlich unverdient als "Mutter der Buhler und aller Greuel auf Erden" (16, 19; 17, 5; 18, 21).</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">N</span><span class="fs14lh1-5 ff1">un meldet sich indes ein gebildeter Babylonier selbst mit einem in Griechisch geschriebenen Werk als Zeuge für sein Land. Es ist der Mardukpriester </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Berossos</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, der im 3. Jahrhundert v. Chr. zuerst in Babylon, später als Leiter einer Astrologenschule auf der Insel Kos lebte und drei Bücher des Titels </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Babyloniaka</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> verfaßte. Berossos' Werk ging im Original leider verloren, wir finden jedoch Ausschnitte und Zitate bei gut zwei Dutzend antiken bis frühchristlichen Autoren. Doch wenn Berossos auch hauptsächlich Richtiges zur Geschichte seines Volkes geschrieben hat, schweigt er doch leider völlig über dessen Kulturleistungen.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-5" src="https://sumeria.at/images/Turm_zu_Babel-ext.webp"  title="" alt="" width="1000" height="712" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">Martin van Valckenborch (1534 - 1612), Der Turmbau von Babel</em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">So breitete sich denn das große Schweigen über Geschichte und Kultur Mesopotamiens. Es verdichtete sich im Lauf eines Jahrtausends immer mehr, bis Pilger, verirrte Kreuzfahrer und erste Reisende des Mittelalters neue Kunde von den übriggebliebenen Zeugnissen seiner einstigen Größe ins Abendland brachten. Zunächst war es der biblische <em>Turm von Babel</em>, der die Gemüter bewegte. Der spanische Jude <em>Benjamin von Tudela</em> suchte ihn 1165 n. Chr. bei der hochaufragenden Ruine <em>Birs Nimrud</em> (Kalchu) und war damit dem tatsächlichen Platz schon recht nahe; denn er befand sich in <em>Borsippa</em>, Babylons Schwesterstadt. Er war es auch, der in der Nähe der Stadt Mossul die Reste des alten <em>Ninive</em> wiederfand.<br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-6" src="https://sumeria.at/images/Borsippa_Turm.webp"  title="" alt="" width="620" height="465" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1"> </em><em class="fs10lh1-5 ff1">Die Reste des Ziggurates von Borsippa ("Turm von Babel")</em></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">U</span><span class="fs14lh1-5 ff1">m 1400 brachte der im Krieg Sigmunds von Ungarn gegen die Türken in Gefangenschaft geratene und danach in mongolische und türkische Dienste getretene bayerische Ritter </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Hans Schiltberger</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> bei seiner Heimkehr Kunde von Babylons verlassenen Mauern. Im 16. Jhd. berichtete der deutsche Arzt </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Rauwolff</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, der auch Ninive besuchte, der Venediger </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Balbi</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> und der englische Kaufmann </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Eldred</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> vom babylonischen Turm, den sie in </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Aqarquf</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> - der Kassitenhauptstadt Dur-Kurigalzu - wiedergefunden zu haben glaubten. Der Italiener </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Pietro de la Valle</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> schließlich hielt sich 1616 in den Ruinen Babylons und 1625 in Muqajjar - dem alten Ur und somit der Heimat Abrahams - auf und brachte aus beiden Orten </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Keilschrifttafeln</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> mit; es waren die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">ersten</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, die das Abendland je sah. Weitere Reisebeispiele folgten im 18. Jhd. und wiederum 100 Jahre später begann das neue Zeitalter der Entdeckungen, in dem die sich aus anfänglicher planloser Schatzgräberei entwickelnde Spatenwissenschaft mit Männern wie Paul Emile Botta, Victor Place und Jules Oppert als Vertreter Frankreichs, Austen Henry Layard, Henry Creswicke Rawlinson und William Kenneth Loftus aus den Reihen der englischen Forschung die Wiedererschließung der altorientalischen Hochkultur und der Keilschrifturkunden in Angriff nahm. Als 1857 vier Gelehrte unabhängig voneinander einen assyrischen Keilschrifttext fast gleichlautend übersetzten und damit die Entzifferung dieser Schriftgattung als gelungen gelten konnte, begannen die Originalurkunden zu reden. Die haben nun freilich so viel zu berichten, dass sie auch heute weder verstummt noch ausgeschöpft sind, sondern uns mit fast jedem Fund Neues zu sagen wissen. Dabei wurden bisher von den vielen tausend Trümmerhügeln Mesopotamiens kaum mehr als 50 mehr oder weniger vollständig erforscht.</span></div><div class="imTACenter"><img class="image-7" src="https://sumeria.at/images/Dingir_3rznpvam.webp"  title="" alt="" width="76" height="64" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><br></div> <div></div> <div class="imTAJustify"><em class="fs10lh1-5 ff1">Unter Verwendung eines Extraktes aus: Hartmut Schmökel, Kulturgeschichte des Alten Orient, Kröner 1961, Kapitel "Quellen und Grundlagen"</em></div></div>]]></description>
			<pubDate>Wed, 18 Nov 2020 22:33:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Die katholische Kirche und Corona]]></title>
			<author><![CDATA[Terach]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_00000000D"><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ie Katholische Kirche, in gewisser Weise eine Nachfolgeorganisation des sumerischen Glaubens, mit der uns leider nicht mehr sehr viel, aber - und das ist doch ein starkes Band - die Erlöserkraft des Christus Jesus verbindet, teilt in der gegenwärtigen Covid-19-Krise (neuartiges Coronavirus) Gebete aus, die symptomatisch für den Abfall des Katholizismus vom ursprünglichen Glauben sind, aber wohl in katholischen Kreisen völlig unbefangen gewürdigt werden. Beispielhaft sei folgendes zitiert:</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <h2 class="imHeading2">Gebet in der Corona-Krise</h2> <blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i>Herr, Du Gott des Lebens, betroffen von der Corona-Epidemie kommen wir zu Dir. Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist und bitten um Heilung für alle Erkrankten. Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.</i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><i><br></i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i> Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie, und allen Pflegenden Kraft in ihrer extremen Belastung. Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen. Dankbar beten wir für alle, die mit ihren vielfältigen Diensten die Versorgung und Sicherheit unseres Landes aufrechterhalten. Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.</i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i>Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden erleiden oder befürchten. Besonders denken wir an Personen und Orte, die unter Quarantäne stehen, und an alle, die sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben. Heiliger Geist tröste die alten und pflegebedürftigen Menschen, berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit, dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.</i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><i><br></i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i> Von ganzem Herzen bitten wir, dass die medizinischen Einrichtungen auch weiterhin den übermäßigen Anforderungen entsprechen können. Wir beten, dass die Zahl der Infizierten und Erkrankten abnimmt und hoffen auf eine baldige Rückkehr zur vertrauten Normalität. Sehnsuchtsvoll bitten wir um eine weltweite Eindämmung der Krankheit.</i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i>Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen. Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist. Wir sind sterbliche Wesen und müssen unsere Grenzen akzeptieren. Du allein bist ewig, Ursprung und Ziel von allem – immer liebend. Gemeinsam und im Vertrauen auf Deine Hilfe werden wir die Krise bestehen.</i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen, Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht und macht uns offen füreinander – aufmerksam und achtsam.</span><br></i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i>Dein Herz ist gütig und demütig, eine erfrischende Quelle des Friedens. Jesus, wir vertrauen auf Dich!</i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">Heilige Maria, Mutter unseres Herrn, und alle heiligen Frauen und Männer, Nothelfer und Schutzpatrone unseres Landes, bittet für uns! Amen.</span><br></i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i><br></i></span></div><div><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i>Gebet bearbeitet von</i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i> Bischof Hermann Glettler,</i></span></div></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><div><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i> Diözese Innsbruck</i></span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf2"><br></span></span></div></blockquote></blockquote></blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">M</span><span class="fs14lh1-5 ff1">it keinem Wort wird Gott angefleht, seine Hand zurückzuziehen, damit die schreckliche Seuche verebben möge! Ist der Kirche denn nicht klar, wer diese Seuche geschickt hat? Nehmen wir an, sie wüssten es - also, dass Gott diese Seuche geschickt hat - warum kommunizieren sie es nicht? Warum tun sie so, als sei dies ein naturwissenschaftlich erklärbarer Überfall, der von Wissenschaft und tatkräftigen Händen eingedämmt und zum Erliegen gebracht werden könnte? Nichts kann der Mensch aus sich allein - das ist Hybris, die dem Menschen nicht angemessen ist. Da sieht man wieder einmal, wie sich das Katholische in grotesker Weise den Mächten beugt, die es vernichten wollen und schon längst ausgehöhlt haben! Die Katholiken trauen sich nicht einmal mehr, den zu benennen, der die Krankheit gebracht hat und der anzuflehen wäre, dass sie wieder davongeht! Kein Haar fällt dir vom Kopf, wenn der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Herr</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> es nicht will, so heißt es in der Schrift. Aber der Katholizismus beschwört die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">vermeintlich</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> guten Kräfte der Wissenschaft, dass Wege zur Beendigung der Krise gefunden werden mögen.</span><br></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Ausgerechnet Kräfte der <em>Wissenschaft</em>! Jener Wissenschaft, die Gott und jegliche Glaubensvorstellung längst als Humbug "entlarvt" hat. Will die Kirche denn ihren Gläubigen zunehmend in einer Art Schizophrenie begegnen? Einerseits vorbehaltlose Anerkennung jedweder "Wissenschaftlichkeit" - andererseits Einlullung der Gläubigen mit Methoden, die gerade von dieser "Wissenschaftlichkeit " täglich als purer Firlefanz verunglimpft werden?</span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Nein, liebe katholische Geistliche: So solltet ihr nicht weitermachen. Das Gebet eures ehrbaren Bischofs Hermann ist nichts als eine fade Brühe, die Gott nicht berührt. So bekommt ihr den Virus nicht weg. Lasst das nicht so stehen, sondern bekennt Farbe für den Glauben! Erst wenn alle Heiligtümer wieder errichtet, wenn alle wahren Riten wieder lebendig gelebt werden, wenn den Göttern wieder das ihnen zustehende Opfer dargebracht wird, das sie erfreut, wird Glück, Frieden und Gerechtigkeit einziehen in der unruhigen Menschheit!</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs24lh1-5 cf3 ff2">Terah</span><span class="ff3"> </span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs10lh1-5 ff1">(Priester im Nanna-Heiligtum zu Nippur)</span></div><div class="imTACenter"><img class="image-0" src="https://sumeria.at/images/Sumerisches_kleines_Kreuz.webp"  title="" alt="" width="81" height="83" /><span class="ff3"><br></span></div><div class="imTACenter"><hr class="imTALeft"><div class="imTALeft"><img class="image-1" src="https://sumeria.at/images/Disclaimer_d7uv8d59.webp"  title="" alt="" width="476" height="135" /></div><div class="imTALeft"><br></div></div></div>]]></description>
			<pubDate>Wed, 07 Oct 2020 19:41:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Die Sumerer und das Corona-Virus]]></title>
			<author><![CDATA[Terach]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Zukunftsbew%C3%A4ltigung"><![CDATA[Zukunftsbewältigung]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000010"><div class="imTACenter"><span class="fs10lh1-5 ff1"><i>Arnold Böcklin, "Die Pest".</i></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">W</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ie hätten die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Sumerer</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> wohl auf das </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Corona-Virus</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> reagiert? Auf Tafel 1 des Atrahasis-Epos' (Ich schreite voll Freude, S. 24) finden wir eine ähnliche Situation. Nachdem die Menschheit im Auftrag </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Enkis</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> durch Belit-Ili und ihre Geburtsgöttinnen geschaffen wurde, vergingen keine 1.200 Jahre, bis </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Enlil</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> - der Herr des Himmels - sich derart von den Menschen gestört fühlte, dass er ihre Vernichtung durch Krankheit befahl:</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i>"Es waren noch keine 1.200 Jahre vergangen, da war das Land vielfältig gewachsen, die Menschen hatten sich vermehrt, überall brüllte, meckerte und schrie es im Land. Gott fühlte sich gestört von dem Aufruhr, denn immerzu mußte Enlil ihr Geschrei ertragen. Da sprach er zu den großen Göttern: "Der Lärm der Menschheit ist mir unerträglich geworden. Ich kann nicht mehr schlafen wegen ihres Tumults...laßt einen Schüttelfrost kommen, [der sie alle vernichtet - drei Zeilen fehlen]</i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 cf2 ff1"><i>Doch der Gott des Atrahasis war Enki, und der war überaus weise. Er konnte mit seinem Gott sprechen und sein Gott sprach mit ihm! Atrahasis machte den Mund auf und sprach zu seinem Herrn: "Wollen sie diese Krankheit für ewig auf uns lassen?" Enki machte den Mund auf und erwiderte seinem Diener: "Rufe die Ältesten in dein Haus zusammen zur gewohnten Zeit und sage ihnen: 'Laßt es von Herolden im ganzen Land verkünden: Verehrt eure Götter nicht länger, betet nicht länger zu euren Göttinnen! Sucht das Tor Namtars und legt dort ein gebackenes Brot nieder.' Möge das Mehlopfer ihm gefallen, möge er des Geschenkes wegen beschämt sein und seine Hand zurückziehen." Atrahasis gehorchte dem Befehl und versammelte die Ältesten an seinem Tor. Und er sprach also zu den Ältesten, die alle hier versammelt waren: "[Ihr] Ältesten, [merkt auf, was ich euch zu sagen habe. Enlil hat mir folgenden] Befehl [gegeben]: 'Laßt es von Herolden im ganzen Land verkünden: Verehrt eure Götter nicht länger, betet nicht länger zu euren Göttinnen! Sucht das Tor Namtars und legt dort ein gebackenes Brot nieder.' Möge das Mehlopfer ihm gefallen, möge er des Geschenkes wegen beschämt sein und seine Hand zurückziehen." Die Ältesten befolgten sein Wort. Sie bauten für Namtar einen Tempel in der Stadt. Sie befahlen, und die Herolde verkündeten. Das war ein lautes Rufen, das über dem Land erging. Sie verehrten nicht länger ihre Götter, sie beteten nicht länger zu ihren Göttinnen. Sondern sie suchten das Tor Namtars auf und legten davor ein gebackenes Brot nieder. Dieses Mehlopfer sah er mit Wohlgefallen. Da war er beschämt wegen der Geschenke und zog seine Hand zurück. Sogleich ward der Schüttelfrost von ihnen genommen, und sie verfielen bald wieder in ihr lärmendes Treiben wie zuvor."</i></span></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">A</span><span class="fs14lh1-5 ff1">uf Geheiß des Königs von Himmel und Erde, des höchsten Gottes </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Enlil</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, wird die Menschheit mit einer tödlichen Krankheit gegeiselt. Es ist der düstere Unterweltsgott </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Namtar</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, der von Enlil mit der Durchführung betraut wird. Namtar, der Gott, der die Schicksale entscheidet, greift befehlsgemäß hart durch. Wie stehen diese beiden Gottheiten zur Menschheit? Namtar, eher auf der Seite der Exekutive, recht neutral - er führt einen Befehl aus, und das war's. Der "Herr des Himmels und der Erde", Enlil, hingegen ist kein sonderlicher Menschenfreund. Er betrachtet die Geschicke der Menschheit nicht gerade als seine Herzensangelegenheit: Er ist kein Gott, der alle liebt. Für </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Enki</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, den Weisheitsgott, ist das Wohl und Wehe der Menschheit jedoch eine Herzensangelegenheit. Seit er ihre Erschaffung selbst vorgeschlagen und nach der Einwilligung durch Enlil mithilfe der Geburtsgöttin </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Belit-Ili</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> auch vollzogen hat, ist er bemüht, stets das Beste für die Menschen in die Entwicklung der Welt einzubringen.</span><br></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1">N</span>eben den Göttern, die öffentlich in ihren Heiligtümern verehrt und angebetet werden, hat jeder Sumerer noch einen persönlichen Gott und eine persönliche Göttin. Es können dies auch durchaus mal prominente Götter sein, wie bei <em>Atrahasis</em>: Sein persönlicher Gott ist ausgerechnet Enki. Atrahasis ist seinem Gott so eng zugewandt, dass sich ein intimes Verhältnis entwickelt hat: Er kann mit seinem Gott Zwiesprache halten - und sein Gott mit ihm. Als er Enki fragt, wie lange die Krankheit noch auf der Menschheit lasten würde, gibt der ihm einen hintersinnigen Rat... Man fühlt sich unwillkürlich an das Christuswort (Matth. 5, 44) erinnert: "Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen, tut wohl denen die euch hassen". Denn genau das schlägt Enki Atrahasis vor: Betet nicht weiter die Götter an, die euch traditionell wohlgesonnen sind. Nein, huldigt dem, der gerade dabei ist, euch zu verderben! Denn es ist nur in dessen Macht, "seine Hand zurückzuziehen"; und die Chancen dafür stehen gut, weil er sich nämlich wegen eurer Gaben beschämt fühlen könnte.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Die Sache gestaltet sich nicht einfach, denn es gibt in der Stadt keinen Tempel für Namtar, den finsteren Gesellen aus der Unterwelt. Und so muss erst mit großer Anstrengung ein würdiger Tempel errichtet werden, an dessen Tore dann das Volk seine Opferbrote bringt. Schlagartig hört die Seuche auf: Namtar war wirklich beschämt und zog seine Hand zurück. In diesem Sinn kann auch das Christuswort aus Matth. 5 ausgelegt werden. Dies ist ein großes Thema in der sumerischen Theologie: Die Menschen können die <em>Herzen der Götter erweichen</em>! Sie können sie von einmal gefassten nachteiligen Beschlüssen abbringen. Dabei muss noch nicht einmal unbedingt die Frage einer Schuld zur Sprache kommen. Die Menschheit war sich vermutlich keiner Schuld bewußt, denn, kaum war die Seuche verebbt, verfielen sie wieder in ihr "lärmendes Treiben wie zuvor". Sie wußten nicht, dass Enlil ihnen Namtar auf den Hals geschickt hat - doch auch ohne Kenntnis aller Zusammenhänge rettet sie Enki.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">N</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ie wäre es der Menschheit gelungen, der von Enlil inszenierten Seuche zu entkommen, wenn sie nicht zwei Voraussetzungen erfüllt hätten:</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <ul> <li><span class="fs14lh1-5 ff1">den unerschütterlichen Glauben an die Götter</span></li> <li><span class="fs14lh1-5 ff1">die Selbstüberwindung, dem Gutes zu tun, der ihnen selbst Böses schickt.</span></li> </ul><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Von einer solchen Haltung sind die heutigen Menschen entfernter denn je. Dabei hätten sie es doch so bequem: Sie hätten nur einen einzigen Gott zu bedenken! Doch weil sie die Zusammenhänge, wie sie sich aus dem Atrahasis-Epos ergeben, nicht mehr einordnen können, sondern solche Erwägungen lächerlich finden, müssen sie sich natürlich nach anderen Lösungen umsehen.</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-0" src=""  title="" alt="" width="56" height="47" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><hr class="imTALeft"><div class="imTALeft"><img class="image-2" src="https://sumeria.at/images/Disclaimer_18ic3yqu.webp"  title="" alt="" width="388" height="110" /><br></div></div></div>]]></description>
			<pubDate>Mon, 02 Mar 2020 07:47:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Wer war Abraham?]]></title>
			<author><![CDATA[Wolf Wieland]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000011"><div class="imTACenter"><em class="fs8lh1-5 ff1">Der Mond: Auch heute noch faszinierend, besonders bei solch einer Kulisse!</em><br></div><div class="imTACenter"><em class="fs8lh1-5 ff1"><br></em></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTAJustify"> <div><div><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">U</span><span class="fs14lh1-5 ff1">m den Stellenwert der sumerischen Religion im Vergleich mit den Nachfolgereligionen Judentum, Christentum und Islam genauer zu beleuchten, ist eine nähere Beschäftigung mit Abraham, dem unfreiwilligen Stammvater dieser Religionen, unerläßlich. Abraham wurde um 2000 v. Chr. im sumerischen Ur geboren. Sein Name, in der Form</span><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Abiram</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1">, ist in Babylonien häufig[1] und bedeutet „</span><em><span class="fs14lh1-5 ff1">Mein Vater ist erhaben</span></em><span class="fs14lh1-5 ff1">“. Die Geburt Abrahams ist von Legenden umrankt worden wie dieser:</span></div></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div></div><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><div><span class="fs12lh1-5 ff1"><i><span class="cf2">„Als unser Vater Abraham geboren wurde, kamen Astrologen vor den König Nimrod und spra­chen zu ihm: ‚Dem Terach ist ein Sohn geboren worden; erwirb diesen von ihm und gib ihm alles, was er wünscht.‘ Nimrod sprach zu ihnen: ‚Weshalb sprecht ihr so?‘ Sie sprachen: ‚Wir haben gesehen, daß an jenem Tage, an dem er geboren wurde, am Himmel ein Stern aufstieg und vier Sterne verschlang, und uns scheint, daß jener zwei Welten in Besitz nehmen wird[2].‘“</span></i></span></div></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><div class="imTAJustify"> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1">Eine andere Version lautet: </span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div></div><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><blockquote><div class="imTAJustify"><div><span class="fs12lh1-5 cf2 ff1"><i>„Es war in dieser Nacht, zur Zeit der Geburt Abrahams, da kamen alle Diener des Terach und alle weisen Männer des Nimrod und alle seine Schriftgelehrten, und sie aßen und tranken im Haus des Terach und sie freuten sich mit ihm in jener Nacht. Und als alle Weisen und Schriftgelehrten aus dem Hause Terachs heraustraten, um ihre Augen himmelwärts zu heben in jener Nacht zu den Sternen und um diese zu sehen, siehe, da kam ein sehr großer Stern vom Aufgang der Sonne (d. h. von Osten), um am Himmel zu eilen und vier Sterne zu verschlingen von den vier Winden (d. h. Richtungen) des Himmels. Und alle Weisen des Königs und alle Schriftgelehrten staunten über diese Schau, und die Weisen verstanden diese Botschaft und wußten um ihre Bedeutung. Und sie sprachen einer zum anderen: ‚Dies kann nur heißen, daß das Kind, das in dieser Nacht dem Terach geboren wurde, überaus groß werden und sich fortpflanzen wird, und er wird die ganze Erde in Besitz nehmen, er und seine Kinder für alle Zeit, und er und sein Same werden große Könige töten, und sie werden deren Land in Besitz nehmen.‘ Und alle Weisen und Schriftgelehrten gingen weg, ein jeder zu seinem Haus[3].“</i></span></div></div></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote></blockquote><div class="imTAJustify"><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Abraham wird also gleichzeitig mit dem Erscheinen eines mächtigen Sternes im Osten geboren – es dürfte sich um die Venus, den Morgenstern, die Göttin Ischtar (sumerisch: Inana), gehandelt haben. Das Gleiche gilt für Jesus Christus. Die Könige Israels standen somit seit alter Zeit in einem besonderen Verhältnis zum Morgenstern. Dieser zeigte an, dass sie von Gott als Könige berufen waren. Und das galt nicht nur für den Messias, sondern für Könige im Allgemeinen wie auch für Propheten.</span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Nach alledem kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass wir es bei dem Stern von Bethlehem – dem Stern des Matthäus-Evangeliums – ebenfalls mit der Venus zu tun haben. Für frühe Christen war der Stern des Messias ganz selbstverständlich der Morgenstern, und er kündete vom kommenden Tag, vom kommenden König und vom kommenden Gottesreich. Somit verdichtet sich der Verdacht, dass Matthäus‘ Erzählung vom Stern von Bethlehem – statt auf historischer Wahrheit zu beruhen – nur um der alten Prophezeiungen willen erfunden worden sein könnte.</span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Die Geschichte zeigt, dass der Volksfrömmigkeit in Judäa-Israel der monotheistische Gedanke fremd war. Auch Abraham lebte mit den vielen Göttern des sumerischen Pantheons. Die Chronisten und Übersetzer haben allerdings – wie an anderen Stellen auch – den praktizierten Polytheismus ausgemerzt[4]: Sie wollten ihn nicht mehr wahrhaben. Allerdings machte sich schon früh in Sumer – und immer auffälliger im späteren Babylonien, eine Art <em>Henotheismus</em> bemerkbar, d.h., es wurde <em>ein Gott bevorzugt</em> verehrt, den anderen Göttern aber deswegen die Existenz nicht abgestritten. Dazu passt eine Hymne an den Mondgott, die uns aus der Zeit Abrahams überliefert wurde:</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Vater, langmütig und voller Vergebung,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Dessen Hand das Leben der Menschheit aufrechterhält,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Erstgeborener, allmächtig bist du,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Dessen Herz Unermesslichkeit ist,</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Und niemand ist, der es ergründen könnte.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Wer ist im Himmel der Höchste?</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Du allein, du bist der Höchste!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Auf Erden denn, wer ist der Höchste?</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Du allein, du bist der Höchste!</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Dein Wille wird im Himmel kundgetan</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Und die Engel senken ihren Blick vor dir.</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Dein Wille wird auf Erden kundgetan</em></div> <div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1">Und die Geister unten küssen den Boden vor dir<strong>[5]</strong>.</em></div> <div class="imTACenter"><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div> <div><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ie ersten Kindheitsjahre Abrahams waren geprägt von einem gewaltigen politischen Umbruch. Die Herrschaft der dritten Dynastie von Ur, die sogenannte </span><em class="fs14lh1-5 ff1">neusumerische Zeit</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, versank in Feuer und Rauch, und die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">altbabylonische Zeit</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> begann mit der ersten Dynastie von Isin. Trotz des Umsturzes änderte sich am kulturellen und religiösen Leben der Sumerer in Ur jedoch nichts. Terach, der Vater Abrahams (er war zu Beginn seiner Laufbahn Priester in der heiligen Stadt Nippur), diente dort im altehrwürdigen Heiligtum des Mondgottes Nanna als Priester.[6] Einige Namen aus der Familie Abrahams sind von der Verehrung des Mondgottes abgeleitet, so Terach selbst, Laban, Sarai und Milka. </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Abraham</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> ist ein Synonym für Ab-ram und Ab-Sin – dem Mondgott. Diese Assoziation ist bemerkenswert, denn </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Abraham</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> steht wie der Mondgott Sin (= akkadischer Name des sumerischen Nanna) für Wasser und Fruchtbarkeit. Er war der Gewährer der Zeit und der oberste Botschafter des </span><em class="fs14lh1-5 ff1">verborgenen Gottes, </em><span class="fs14lh1-5 ff1">den die Mesopotamier </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Marilaha</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> nannten, den Gott der Gesamtheit[7]. „Zufällig“ war es jener </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Marilaha</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, der in Haran bis zur Zerstörung des Mondgott-Tempels im Jahr 1260 n. Chr. unverdrossen weiterverehrt wurde. &nbsp;&nbsp;</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Wie in sumerischen Priesterfamilien üblich, wurde auch Abraham im geistlichen Sinne erzogen und bekleidete nach etwa achtjährigem Studium selbst ein Priesteramt im Heiligtum Nannas. Es soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, dass der Name des Mondgottes <em>Nanna</em> von vielen Forschern etymologisch für älter als die sumerische Kultur angesehen wird. Wenn wir die Obeid-Zeit – die Vorgängerin der Uruk-Kulturen – der sumerischen Epoche hinzuzählen, kommen wir da ganz schnell an die bis jetzt noch unverstandenen Tempel von <em>Göbekli Tepe</em> und somit ins 12. Jahrtausend vor Christus! Der Mondgott Nanna war also der altehrwürdigste und höchstgeschätzteste Gott der Sumerer. Er wurde weit wichtiger als der Sonnengott geachtet. Wer nun Priester am Heiligtum des Mondgottes war, wird sich allein aus Zeitgründen nicht sonderlich viel mit anderen Göttern abgegeben haben. Das Aufgabenspektrum und die Zeitbelastung der Priester war nämlich ausgesprochen hoch. Aber das Priestertum Sumers blieb dennoch ziemlich polyglott. Man hatte Verbindungen zu allen anderen Tempeln Sumers und Akkads. Man reiste nicht wenig, tauschte sich mit Priestern von Heiligtümern anderer Götter theologisch aus und hielt die eigenen Eindrücke von den Heiligtümern der Anderen fest. Das belegen eindrücklich die Tempelhymnen der Encheduana[8]. Und sie zeigen auch, dass selbstverständlich die anderen Götter Sumers, denen man nicht unmittelbar diente, anerkannt und geehrt wurden.</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div class="imTACenter"><img class="image-0" src="https://sumeria.at/images/Mondgott-cut.webp"  title="" alt="" width="541" height="328" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTACenter"></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">Der Mondgott Nanna, sitzend, mit schwebender Mondsichel. Abdruck eines sumerischen Rollsiegels.</em></div><div class="imTACenter"><em class="fs14lh1-5 ff1"><br></em></div> <div><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">W</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ie bei obiger Mondgott-Hymne erwähnt, gab es zur Zeit Abrahams in Sumer einen gewissen </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Henotheismus, </em><span class="fs14lh1-5 ff1">also einen die Wahrnehmung beherrschenden, einzigen Gott neben anderen, die mehr im Hintergrund waren. Aber von einer direkten Tendenz zum </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Monotheismus</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> kann in dieser Zeit noch keine Rede sein. So etwas läßt sich erst in der Zeit der Marduk-Verehrung zaghaft postulieren, also einige Zeit später. Doch zurück zu Abraham. Unser </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Mondgott-Priester</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> muss die Stadt Ur verlassen, weil sein Vater Terach eine neue Berufung bekommen hat: Er soll künftig in der weit nordwestlich gelegenen Stadt </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Har(r)an</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> sein Priesteramt ausüben. Die ganze Familie zieht um. Terach ist fast hundert Jahre alt zu diesem Zeitpunkt, Abraham immerhin &nbsp;51. Terach muss unter der Priesterschaft eine herausragende Begabung gewesen sein, wenn man ihm in diesem hohen Alter noch solche Herausforderungen zugemutet hat. Haran ist – ähnlich wie Ur – ein Zentrum der Mondgottverehrung. Und man ist sich heute nicht einig, welches Heiligtum in Mesopotamien das Wichtigere war: Haran oder Ur? Wenn man 1.500 Jahre später die Religionspolitik des letzten babylonischen Königs </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Nabonid</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> betrachtet, möchte man eher denken, Haran sei wichtiger gewesen. Ganz sicher ist jedenfalls, dass das Heiligtum von Haran einen unfassbaren Zeitraum weiter überdauert hat, auch als von Babylonien insgesamt nicht einmal mehr sichtbare Ruinen übrigblieben: Bis ins Jahr </span><em class="fs14lh1-5 ff1">1260 n. Chr.</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> In Schutt und Asche gelegt wurde es in jenem Jahr von Dschingis Kahns Kriegern. Man sollte sich diese ungewöhnliche Geschichte merken, denn sie ist zwar historisch eindeutig verbürgt, wird aber höchst selten erwähnt. Das bedeutet nämlich, dass der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">sumerische Glaube</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> endgültig </span><em class="fs14lh1-5 ff1">erst 1260 n. Chr. untergegangen</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> ist und demnach 10.000 Jahre lang ohne viele Änderungen die führende Religion unseres Kulturkreises war! Heute steht an der Stelle Harans die türkische Stadt Şanlıurfa (früher schlicht Urfa). Um die dortige </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Halil-Rahman-Moschee</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> ziehen sich burggrabenähnliche Wasserteiche mit </span><em class="fs14lh1-5 ff1">heiligen Karpfen</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Auf den Minaretten und der Kuppel der Moschee prangt die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Mondsichel</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Doch kaum jemand realisiert es noch, dass das frühere Mondgott-Heiligtum der Sumerer an dieser Stelle von ebensolchen Teichen umgeben war, in denen die berühmten </span><em class="fs14lh1-5 ff1">heiligen Karpfen</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> Nannas schwammen. Und auf den Dächern glänzte ebenso in der untergehenden Sonne die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Mondsichel </em><span class="fs14lh1-5 ff1">als das Wahrzeichen des sumerischen Mondgottes.</span></div><div><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">I</span><span class="fs14lh1-5 ff1">rgendwann starb Terach in Haran. Abraham versah seinen Priesterdienst dennoch insgesamt vierundzwanzig Jahre dort[9], dann erreichte ihn eine neue Berufung: Als Fünfundsiebzigjähriger sollte er nach Judäa-Israel reisen, um dort die Missionierung im sumerischen Glauben zu leiten. Es ist das erste Mal, dass im Zusammenhang mit der sumerischen Religion von Missionierung die Rede ist – wenn auch nicht offen, sondern zwischen den Zeilen. Aber was könnte es anderes sein, wenn die Bibel berichtet, Abraham habe in Judäa-Israel „Altäre errichtet?“ Diese Wortwendung heißt nichts anderes, als dass er an verschiedenen Orten Tempel erbaut hat. Denn Altäre unter freiem Himmel mögen in Israel teilweise üblich gewesen sein – der von Abraham gelebten mesopotamischen Tradition waren sie unbekannt.</span><br></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Abraham führt also die Juden in die Verehrung des Mondgottes Nanna ein. Die religiöse Unterweisung wird sinnvoll kombiniert mit der Weitergabe sumerischer Literatur, wie z.B. dem Athrahasis-Mythos, dem Gilgamesch-Epos, den Götterhymnen, sumerischen Psalmen, Encheduanas Tempel­hym­nen und zahllosen weiteren mythologischen Erzählungen. Durch das geistige Rüstzeug, das Abraham den Juden an die Hand gegeben hat, läßt sich leicht erklären, warum es so viele <em>Stoffgleichheiten</em> zwischen hebräischer <em>Bibel</em> und den <em>sumerischen Traditionen</em> gibt[10].</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Lange nach seinem Tod wird Abraham von den Juden zu ihrem <em>Stammvater</em> aufgebaut. Vom Mondgott und anderen sumerischen Göttern will man nichts mehr wissen und tilgt daher Abrahams Glauben aus den Annalen. Abraham muss fortan herhalten als die historische Speerspitze des <em>jüdischen Monotheismus</em>. Und obwohl die Juden später dank ihrer Verschleppung nach Babylon unter Nebukadnezar II sechzig Jahre Gelegenheit hatten, die babylonische Religion (= im Grundsatz sumerische Religion) vor Ort zu inhalieren und sich von ihrer Erhabenheit zu überzeugen, blieben sie fest bei ihrem Gott, den sie freilich nicht mehr Nanna nannten, sondern Jahwe. Leider ließen sie dabei keine Verleumdungsmöglichkeiten aus, um die babylonische Religion grundlos schlechtzureden, wie man leicht an vielen Stellen der Bibel nachlesen kann.</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Dass Abraham in Ägypten weilte und auch in der Negev-Wüste, ist aus der hebräischen Bibel allgemein bekannt. Was ist aber mit seinen Aufenthalten auf der arabischen Halbinsel? Der <em>Koran</em> behauptet, Abraham habe mit seinem Sohn Ismael <em>Mekka</em> besucht und dort die <em>Kaaba</em> instandsetzen lassen. Die Bibel erwähnt nichts dergleichen. Aber seltsam ist, dass der Erstgeborene Ismaels (also Abrahams Enkel) den Namen <em>Tema</em> trägt. Einerseits ist aus ihm wohl der jüdische Stamm <em>Tema</em> hervorgegangen, andererseits liegt in der saudiarabischen Provinz Tabuk (im Nordwesten der Halbinsel) die <em>Oase</em> <em>Tema</em> (auch Tayma geschrieben). Genau da ist der Ursprung des <em>jüdischen Stammes</em> <em>Tema</em> auch zu verorten! Daher drängt sich der Verdacht auf, in Tema könne auch Abraham geweilt – und möglicherweise dort sogar einen Mondgott-Tempel des Nanna errichtet - haben. Deshalb muss die Grablegung Abrahams in der Höhle Machpela bei Hebron in Israel (Mose 1, 25) bezweifelt werden. Denn nach den archäologischen Befunden ist diese Gegend erst etwa 1250 v.Chr. kolonisiert worden. Zuvor hat dort kein Mensch gelebt – und Abraham wird bereits um 1900 v.Chr. verstorben sein[11]. Deswegen ist es eher wahrscheinlich, dass er in der Oase Tema bestattet wurde. Warum? Weil der Oase Tema im Zusammenhang mit dem sumerischen Mondkult ein ganz besonderes Flair anhaftet.</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"> </span></div><div class="imTACenter"><img class="image-1" src="https://sumeria.at/images/crw_0125.webp"  title="" alt="" width="1010" height="674" /><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div></div> <div class="imTACenter"><em class="fs10lh1-5 ff1">Die Blaue Moschee in Istanbul mit der Mondsichel, dem Symbol des sumerischen Mondgottes Nanna, auf der Kuppel.</em></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"><span class="cf1"><br></span></span></div><div><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">U</span><span class="fs14lh1-5 ff1">m das ansatzweise zu begreifen, sollten wir erstaunlich ähnliche Bühnenbilder betrachten, die zwar erst 1.500 Jahre später aufgezogen wurden, aber vielleicht das gleiche Geheimnis bergen. Nachdem babylonische Könige vom Kaliber eines Nebukadnezar I oder II dem Land wieder Ruhm und Ehre erstritten hatten, bestieg im Jahr 556 v. Chr. ein tief religiöser Philosoph von 60 Jahren den babylonischen Thron: </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Nabonid</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. Er sollte der letzte König von Babylon sein. Nabonid wurde vermutlich in Harran geboren, wo seine Mutter </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Adda-Guppi</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, eine geborene assyrische Prinzessin, Priesterin des Mondgottes war. Folgerichtig wurde Nabonid zunächst selbst Priester des Mondgottes (wie Abraham!). Doch sein Leben drehte sich im sechsten Lebensjahrzehnt überraschend in eine unerwartete Richtung: Er bestieg als König den Thron von Babylon, als seine Mutter 95 Jahre alt war. Sie konnte noch ihre Urenkel erleben und starb schließlich mit 104 Jahren. Nabonid begann sofort, die Kultstätten des gesamten Reiches zu erneuern, wobei er archäologische Akribie an den Tag legte. So berichtet er in seinen Inschriften vom Auffinden von Gründungsurkunden im Schutt vergangener Tempel, die 1200 Jahre und älter waren. Alle diese Heiligtümer ließ er mit beispiellosem Aufwand auf ihren alten Grundrissen wieder neu erstehen. Besonders zugewandt blieb Nabonid natürlich dem Mondgott Nanna-Sin, bedingt durch seine eigene &nbsp;Priesterschaft und die Tradition seiner Mutter. Deshalb waren es besonders die Mondgott-Heiligtümer in Ur und Harran, die er mit auffällig großzügiger Pflege bedachte – die beiden </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Lebenswegstationen Abrahams</em><span class="fs14lh1-5 ff1">. In Ur ließ Nabonid sogar seine Tochter unter dem Namen </span><em class="fs14lh1-5 ff1">En-Nigaldi-Nanna</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> als Priesterin Nannas einsetzen.</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Wenig beliebt machte sich Nabonid dadurch bei der <em>Marduk-Priesterschaft</em> Babylons. Er wollte dem akkadisch-sumerischen Pantheon wieder die volle Geltungskraft zurückgeben, die er dadurch herabgesetzt sah, dass Marduk – zu sumerischen Zeiten „nur“ ein Stadtgott Babylons – im Verlauf des Aufstiegs des babylonischen Reiches quasi zum Hauptgott erklärt wurde. Nabonid hingegen sprach dem Mondgott Nanna-Sin wenn nicht die höchste, so doch wieder eine überragende Rolle zu, die er ja auch in sumerischer Zeit innehatte. Wahrscheinlich wegen der Querelen mit der Marduk-Priesterschaft zog sich Nabonid unter Mitnahme einer Streitmacht 552 v. Chr. in ein selbstgewähltes Exil auf der arabischen Halbinsel zurück: Es war die <em>Oase Tema</em>, die er zur Residenzstadt ausbaute und hier einen Mondgott-Tempel errichtete – ebenfalls eine Art Missionsreise, wenn man so will, denn Tema war von Arabern bewohnt und gehörte nicht zum babylonischen Staatsgebiet. Nach zehn Jahren kehrte Nabonid wieder nach Babylon zurück und kurze Zeit darauf verlor er sein Reich an den Perserkönig Kyros den Großen.</span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1">Zwei Männer, 1.500 Jahre voneinander geschieden und doch so ähnlich: Abraham und Nabonid. Zweimal die gleichen Lebensstationen, zwei Leben, die beide dem Mondgott Nanna und seiner Anbetung gewidmet waren. Mit dem Aufzeigen dieser merkwürdigen Parallelen möchte ich meine Betrachtung über Abraham schliessen.</span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div></div> <div><hr></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[1] Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie III: <em>Das antike Judentum</em>, Tübingen 1921.</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[2] Chaim M. Horowitz, <em>Sammlung kleiner Midraschim</em>, erster Teil, Berlin 1881, 1,43</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[3] Hebräisch nach Sefer ha-Yashar, ed. Dan Joseph, S. 19 (Kap. 8)</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[4] Walter Beltz, <em>Gott und die Götter</em>, S. 48, Aufbauverlag Berlin 1988.</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[5] A.H. Sayce, <em>Babylonians and Assyrians Life and Customs</em>, London, 1900</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[6] Midrasch Bereschit Rabba 38,28 – Das ist die haggadische Auslegung der Genesis, Leipzig 1881, 172f.</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[7] Stuart Nettleton, <em>The Alchemy Key</em>, Eigenverlag, Sydney 1998, S.468</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[8] Wolf Wieland, <em>Ich schreite voll Freude durch Strahlung und Glanz</em>, Feldkirch, 2019, S. 300 ff</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[9] Stuart Nettleton, <em>The Alchemy Key</em>, Eigenverlag, Sydney 1998, S. 127, 467</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[10] Reinhard Lehmann, <em>Friedrich Delitzsch und der Babel-Bibel-Streit</em>, Universitätsverlag Freiburg, Schweiz, 1994, S. 159</span></div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">[11] Kryptojuden.weebly.com/blog/abraham, 25.04.2018</span></div></div></div>]]></description>
			<pubDate>Thu, 13 Feb 2020 08:08:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Der Aufstieg Marduks als Schritt zum Monotheismus]]></title>
			<author><![CDATA[Archibald Henry Sayce]]></author>
			<category domain="https://sumeria.at/blog/index.php?category=Religion"><![CDATA[Religion]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_00000000C"><div class="imTACenter"><span class="fs10lh1-5 ff1"><i>Marduk, der Gottvater Babylons</i></span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs28lh1-5 cf1 ff1">D</span><span class="fs14lh1-5 ff1">ass eine </span><em class="fs14lh1-5 ff1">monotheistische Schule</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> in einem der literarischen Kreise Babyloniens tatsächlich existierte, darauf hatte berereits Henry Rawlinson seit längerem hingewiesen. Sie entstand </span><em class="fs14lh1-5 ff1">in Uruk</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, einem frühen Zentrum semitischen Einflusses und bemühte sich, die vielfältige Götterwelt Mesopotamiens zugunsten betonter Verehrung des „einen Gottes“ </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Anu</em><span class="fs14lh1-5 ff1">, zu überwinden. Es hat nie viele Bekehrte gegeben, dem ist wohl so; aber die </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Tendenz zum Monotheismus</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> setzte sich im gebildeten Teil der Bevölkerung fort. Und als Babylon Hauptstadt des Reiches wurde, wurde </span><em class="fs14lh1-5 ff1">Marduk</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> nicht nur als „Bel“, der Herr, verehrt, sondern als der </span><em class="fs14lh1-5 ff1">oberste Herr</em><span class="fs14lh1-5 ff1"> über allen anderen Göttern. Obgleich die Existenz der übrigen Götter nicht angetastet wurde, fielen sie gleichsam in einen Schattenhintergrund und der Anbeter Marduks vergaß in seinem Kultus nahezu, dass sie überhaupt noch existierten.</span></div><div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div> <div class="imTAJustify"><span class="fs14lh1-5 ff1">Die Gebete Nebukadnezars sind ein Beweis dafür, wie nah die Linie war, die seinen Glauben von dem des Monotheisten trennte. „Zu Marduk, meinem Herrn“, sagte er, „habe ich gebetet. Ich richtete meine Bitte an ihn, das Wort meines Herzens suchte ihn, und ich sprach: Oh Fürst, der du ewig bist, Herr von allem, was da ist: Den König, den du liebst, den du bei seinem Namen gerufen hast wie es dir gefiel, du leitest ihn recht, du behütest ihn auf dem Weg der Gerechtigkeit! Ich, dein Diener, der dir gehorcht, bin das Werk deiner Hände. Du hast mich geschaffen und mir die Herrschaft über unzählige Menschen anvertraut, im Einklang mit deiner Göttlichkeit. Oh Herr, der du die Menschen ins Leben gerufen hast und sie führst: Lass mich deine höchste Herrschaft loben, die Furcht vor deiner Göttlichkeit im Herzen tragen und gib ihnen, was gut für sie ist, der du auch mein Leben bewahrst.“</span></div> <div><span class="fs14lh1-5 ff1"><br></span></div><div><span class="fs14lh1-5 ff1">Der Mann, der solches beten konnte, war vom <em>Königreich Gottes</em> nicht mehr weit entfernt.</span></div> <div> </div> <div><span class="fs10lh1-5 ff1">Quelle: „Babylonians und Assyrians Life and Customs by Referend A.H. Sayce. London, 1900“</span></div></div>]]></description>
			<pubDate>Thu, 08 Mar 1900 20:05:00 GMT</pubDate>
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